Der französische Film „Gelobt sei Gott“, der auf der Berlinale seine internationale Premiere haben wird, erzählt von einem Priester in Lyon, der sich an Kindern vergangen hat

Der französische Film „Gelobt sei Gott“, der auf der Berlinale seine internationale Premiere haben wird, erzählt von einem Priester in Lyon, der sich an Kindern vergangen hat

Berlinale-Film klagt Katholische Kirche an

Wenn Anfang Februar wieder Filme um den Goldenen Bären der Berlinale konkurrieren, steht das französische Werk „Gelobt sei Gott“ im Fokus. Darin geht es um sexuellen Missbrauch in der Katholischen Kirche. Zu den Fällen läuft aktuell auch ein Gerichtsprozess.

Das wichtigste Filmfestival Deutschlands, die Berlinale, hat diese Woche die letzten fünf Werke für den internationalen Wettbewerb bekannt gegeben, die um den Goldenen Bären konkurrieren. Unter den Anwärtern befindet sich auch der französische Film „Gelobt sei Gott“ („Grâce à Dieu“), der eine Abrechnung mit der Katholischen Kirche wegen sexueller Missbrauchsfälle darstellt.

„Wie aktuell Kino sein kann, zeigt Grâce à Dieu über den jahrelangen sexuellen Missbrauch im Erzbistum Lyon. Der dortige Erzbischof und weitere ehemalige Mitglieder des Erzbistums sind angeklagt, die Missbrauchsfälle trotz Kenntnis verschwiegen zu haben“, kommentiert Berlinale-Direktor Dieter Kosslick laut einer Mitteilung des Festivals. Seit dem 7. Januar laufe der Prozess, über den auch international in den Medien groß berichtet werde. Die Berlinale, die vom 7. bis 17. Februar stattfindet, hat angekündigt, den Film als internationale Premiere zum Festivalbeginn zu zeigen.

Der Film von François Ozon („8 Frauen“, „Franz“), der am 20. Februar in die französischen Kinos kommt und noch keinen deutschen Verleih hat, handelt von drei Jugendfreunden. Als Alexandre (Melvil Poupaud), François (Denis Ménochet) und Gilles (Swann Arlaud) im Erwachsenenalter erfahren, dass der Priester Preynat, der sie damals in Lyon sexuell missbraucht hat, immer noch aktiv ist, wollen sie die Geschichte an die Öffentlichkeit bringen.

Erzbischof streitet Vertuschung ab

Bei dem wahren Fall geht es auch um den amtierenden Erzbischof von Lyon, Philippe Barbarin, der aktuell in Frankreich vor Gericht steht. Der streitet laut der britischen Tageszeitung The Guardian ab, pädophile Verbrechen eines Priesters in den Achtziger- und Neunzigerjahren gedeckt zu haben. „Ich habe nie versucht, das zu verstecken, geschweige denn diese schrecklichen Taten zu verschleiern“, sagte Barbarin im Prozess. Der Skandal flog im Jahr 2015 auf, als ein früherer Pfadfinder öffentlich über seinen sexuellen Missbrauch durch den Priester Bernard Preynat sprach.

Berlinale-Direktor Kosslick, der im Mai nach 18 Jahren als Festivalleiter abtritt, ist der Wettbewerbsfilm besonders wichtig. Zum einen, weil er explizit auf die aktuellen juristischen Entwicklungen im Vorfeld des Festivals aufmerksam macht. Zum anderen auch, da er sich im vergangenen November im Pop-Talk-Interview über den Papst ärgerte.

Er kritisierte aufgebracht Franziskus, der Schwangerschaftsabbrüche mit Auftragsmorden verglichen hatte. „Das sagt er ausgerechnet in einer Situation, in der aufgedeckt wurde, dass in allen Ländern Tausende von Kindern missbraucht wurden. Was sind das für Organisationen?“, fragte Kosslick rhetorisch. Das könne man nicht durchgehen lassen. Darauf werde die Berlinale aufmerksam machen. Kosslick war vor seiner Tätigkeit bei der Berlinale vier Jahre lang ab 1979 Büroleiter des Hamburger Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose (SPD).

Von: Michael Müller

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