Die schwarzweißen Stormtroopers sind eine Militäreinheit des Imperiums im „Star Wars“-Kosmos

Die schwarzweißen Stormtroopers sind eine Militäreinheit des Imperiums im „Star Wars“-Kosmos

„Christen würden auf der Seite des Imperiums stehen“

Warum Christen im „Star Wars“-Universum eher dem dunklen Imperium angehören würden, erklärt das lesenswerte Buch „Glauben du musst“. Autor Sebastian Moll will Christen trotzdem die Angst nehmen, sich mit dem popkulturellen Phänomen zu beschäftigen. Eine Rezension von Michael Müller

Der amerikanische „Star Wars“-Erfinder George Lucas hat für seinen Kampf zwischen Gut und Böse im Weltraum so ziemlich jede Mythologie geplündert, die ihm die Popkultur und die Weltgeschichte zur Verfügung gestellt haben. Die extrem erfolgreiche Science-Fiction-Saga, die wegen des Profitdrucks des Disney-Konzerns jetzt jedes Jahr einen neuen Film auf die Kinoleinwände schickt, wurde schon häufiger nach christlichen Aspekten abgeklopft. Der deutsche Autor Sebastian Moll hat jetzt das schmale, kurzweilig zu lesende Buch „Glauben du musst. Star Wars und der christliche Glaube“ veröffentlicht. Darin will er Christen die Angst vor dem Film-Franchise nehmen. Auch ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, so seine Ansicht, könne man „Star Wars“-Fan und Christ sein.

Dabei war Moll selbst erst „Star Wars“-Fan, bevor er Christ wurde. Inzwischen bildet er pastorale Führungskräfte in Bingen am Rhein aus. Seine Gedanken zur Science-Fiction-Saga sind angenehmerweise mit einem guten Schuss Humor geschrieben. So gesteht er gleich zu Anfang, dass er die „Star Wars“-Filme „durchaus spannender findet als die meisten Predigten innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“.

Als einen der Gründe für die Popularität der Sternenkrieg-Reihe sieht er eine zunehmend entzauberte und entmythologisierte Welt. In der seien Phänomene wie „Star Wars“ für viele Menschen ein letzter Zufluchtsort vor der immer kühler und rationaler werdenden Wirklichkeit. „Es ist ein Religionsersatz, der unserer Zeit am meisten entgegenzukommen scheint“, schreibt er. Krachendes und zischendes Popcornkino mit fremden Planeten und riesigen Raumschiffen, in der die Menschen trotzdem an eine übersinnliche Macht glauben, entspreche einer Sehnsucht nach dem Erleben, Erfühlen und Erfahren. „Erforsche deine Gefühle! Du weißt, dass es wahr ist!“, sagt der „Star Wars“-Bösewicht Darth Vader zum Protagonisten Luke Skywalker in einer entscheidenden Szene der alten Trilogie.

Warum Christen dem Imperium angehören würden

Die vielleicht überraschendste Erkenntnis des Buches ist die Behauptung, dass sich die christliche Tradition, wenn es sie in diesem Universum gäbe, vermutlich auf die Seite des bösen Imperiums schlagen würde. Tatsächlich macht Moll dabei einige interessante Punkte zur Frage, wie böse das Imperium in seiner Absicht, Ordnung in das Universum zu bringen, denn wirklich ist. Er argumentiert, dass die Rebellion gegen die bestehende Herrschaft nie ein fester Bestandteil christlicher Ethik war. Er zitiert da zum Beispiel Paulus, der die Gemeinde in Rom darauf hinweist: „Jeder ordne sich den Trägern staatlicher Gewalt unter. Denn es gibt keine staatliche Gewalt außer Gott; die jetzt bestehen, sind von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen.“

Es ist überhaupt einer der spannendsten Aspekte, wie Moll die dunkle Seite der Macht im „Star Wars“-Universum beschreibt. Er vergleicht sie zum Beispiel mit dem christlichen Konzept der Sünde, deren Ursprung in der Verführung liege. Auch der böse Imperator Palpertine verführe den Jüngling Anakin Skywalker mit dem Versprechen der großen Erkenntnis, wie es schon die Schlange mit Eva im Paradies getan habe. Es sei jeweils eine Erkenntnis, die über das Natürliche hinausgehe. In gewisser Weise, schreibt Moll, verspreche Palpertine Anakin, mit dem Wechsel auf die dunkle Seite der Macht so zu werden wie Gott. Denn er verheiße ihm die Macht über Leben und Tod.

Gar nicht so viel „Star Wars“ drin, wie das Cover andeutet: Molls Buch „Glauben du musst“ schlägt Parallelen zu diversen popkulturellen Phänomenen

Gar nicht so viel „Star Wars“ drin, wie das Cover andeutet: Molls Buch „Glauben du musst“ schlägt Parallelen zu diversen popkulturellen Phänomenen

Han Solo ist der Verlorene Sohn

Das Buch bietet offensichtliche biblische oder christliche Analogien wie die jungfräuliche Geburt des Helden Anakin Skywalker, der zum Erlöser werden soll, oder der Glaube an eine übersinnliche Macht, die wissenschaftlich nicht nachzuweisen ist, aber das Universum zusammenhält. Schön ist die Parallele zwischen dem draufgängerischen Fan-Liebling und Schmuggler Han Solo und dem Verlorenen Sohn aus dem Gleichnis Jesu. Zu Beginn der Filmreihe sei Han Solo, den der Hollywoodschauspieler Harrison Ford darstellt, noch egoistisch und hauptsächlich an Geld interessiert. Aber er mache eine Wandlung durch und komme Luke Skywalker selbstlos in der großen Schlacht um den Todesstern zu Hilfe. In der alten Trilogie bleibe er trotzdem skeptisch. Erst in dem ersten Film der neuen Trilogie, in „Das Erwachen der Macht“, erkläre er: „Es ist wahr, einfach alles. Die dunkle Seite. Die Jedi. All das gibt es.“

Aber es ist schon interessant, wie viel Handlung der „Star Wars“-Saga Moll doch für seine Analyse in der allgemein eher verhassten Prequel-Trilogie findet, die im Jahr 1999 mit „Star Wars Episode 1: Die dunkle Bedrohung“ begonnen hat. Dagegen kommen die aktuellen Filme, die unter der Marke Disney alljährlich wie vom Fließband herausgedrückt werden, fast gar nicht vor.

Aber Moll hat weniger ein Buch über das Phänomen „Star Wars“ und den christlichen Glauben geschrieben. Es ist eher eine Gedankensammlung zum christlichen Glauben in der Popkultur geworden. Er wirft diverse Seitenblicke auf erfolgreiche Reihen wie „Fluch der Karibik“, „Raumschiff Enterprise“ und „Harry Potter“. Noch häufiger entfernt sich das Buch vom eigentlichen Thema, wenn die Gedanken um griechische Philosophen oder den von Nazis ermordeten Theologen Dietrich Bonhoeffer kreisen. Da erscheint die Weltraumsaga manchmal als Thema nur noch vorgeschoben und willkürlich. Etwas mehr Konzentration auf das Kernthema hätte „Glauben du musst“ sicherlich gut getan. Doch so ist es zumindest ein ziemlich einzigartiges und ganz eigenes Werk geworden, wo der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt neben Jedi-Lehrmeister Yoda, dem Apostel Paulus und dem Soziologen Max Weber zitiert wird.

Sebastian Moll: „Glauben du musst. Star Wars und der christliche Glaube“, Brendow Verlag, 160 Seiten, 14 Euro, ISBN/EAN 9783961400683

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