Einen werteorientierten Medienkompass will das Ehepaar Godina mit seinem Buch vorlegen

Einen werteorientierten Medienkompass will das Ehepaar Godina mit seinem Buch vorlegen

Medienerziehung beginnt bereits im Babyalter

Kinder gehen kaum raus in die Natur oder spielen mit anderen Kindern. Stattdessen werden die Gehirne mit digitalem Müll zugeschaufelt. Dies beobachtet der Medienwissenschaftler Bojan Godina. Mit seinem Medienkompass „Schmetterlinge statt Müll im Kopf“ möchte er Eltern und Kindern einen sinnvollen Umgang mit Medien ans Herz legen. Eine Rezension von Johannes Blöcher-Weil

Der Medienwissenschaftler Bojan Godina plädiert für eine werteorientierte Medienpädagogik. Gemeinsam mit seiner Frau Katy, die Beratungspsychologin ist, und seiner Tochter hat er sich in dem Medienkompass „Schmetterlinge statt Müll im Kopf“ Gedanken darüber gemacht, wie das aussehen kann. Im ersten Teil des Buches geben die Autoren grundlegendes Orientierungswissen über die Medienwirkung, um im zweiten Teil praktische Hinweise zu ergänzen.

Godina beobachtet einen gravierenden Wandel im Arbeits-, Freizeit- und Lebensverhalten der Menschen. Neben Erleichterungen hat der digitale Wandel aber auch negative Auswirkungen. Die Autoren verdeutlichen, dass die Medien „darauf perfektioniert“ sind, unser Gehirn zu beeinflussen. Vieles verfestige sich schon früh in den Köpfen der Kinder: „Die Medienindustrie weiß ziemlich genau, wie man Gefühle erreichen kann.“

Gesunder Umgang ist lernbar

Godina zeigt auf, wie Nutzer trotzdem einen gesunden Umgang mit Medien lernen können. Zunächst verdeutlicht er, wie Sucht im Gehirn entsteht und wie die Marketingindustrie mit Hilfe der Neuro-Wissenschaften jede Gelegenheit nutzten, um alles noch effektiver zu vermarkten. Mit Geräuschen, Farben und Bewegungen werde das Gehirn permanent in Spannung gehalten.

Godina und seine Frau beobachten auch eine Verschiebung der Inhalte. „Das, was kleine Kinder spielen, wäre früher noch auf den Index gekommen.“ Umso wichtiger sei es, allen Beteiligten gute Lerntrichter an die Hand zu geben: „Menschen benötigen ein gesundes Anreiz- und Belohnungssystem.“ Vor allem Jungs fänden in Computerspielen perfektionierte Ersatzwelten, in denen sie klare Regel und Grenzen haben, „die ihnen zum Beispiel ihre Väter nicht ausreichend geben“.

Eindringlich beschreiben die Autoren, welchen inneren Schaden die Medien verursachen können, wenn sie zu früh oder falsch genutzt werden. Ziel müsse es sein, dem Kind gesunde Alternativen zum Medienkonsum zu geben. Die Gefahr bestehe darin, dass in den Medien immer alles neu und interessant erscheine. Aber medienüberfrachtete Schüler können in der Schule nicht gut lernen.

Pornografie leiert das Belohnungssystem im Gehirn aus

Die Autoren möchten Alternativen aufzeigen. Eltern müssten Kindern Fantasie und Kreativität vermitteln. Studien hätten gezeigt, dass anhaltendes Computerspielen das Gehirn schrumpfen lasse und Pornografie das Belohnungssystem im Gehirn ausleiere. Stattdessen müssten die Kinder für die Faszination der Natur sensibilisiert werden. Außerdem müssten Erwachsene Kindern und Jugendlichen Werte vorleben.

Eltern sollten frühzeitig darüber nachdenken, wie ihre Kinder Medien nutzen sollen. Dabei seien die Eltern das größte und wichtigste Vorbild. Vor allem Babys besäßen noch keine Fähigkeiten, bewegte Bilder zu deuten. Stattdessen wünschen sich die Godinas Qualitätszeit und gemeinsame Rituale. Der eigene Fernseher im Zimmer des Kindes sei keine gute Idee.

Das Buch möchte vor allem gesunde und nicht-mediale Alternativen aufzeigen. Die Eltern werden dabei in die Pflicht genommen. Sie werden aufgefordert, mit den Heranwachsenden über Sehnsüchte und Wertvorstellungen zu reden. Außerdem müssten alle Altersgruppen über die gängigen Methoden der Medienmanipulation aufgeklärt werden. Ziel müssten selbständig denkende Menschen sein, die „als Erwachsene imstande sind, die Medien kritisch zu hinterfragen“. Gespräche mit den Kindern sorgen dafür, diese besser zu verstehen.

Das Thema des Buches und der Ansatz sind nicht neu. Manchmal erschreckt die deutliche und manchmal einseitige Wortwahl der Autoren. Auf der anderen Seite verdeutlicht dies auch, dass ihnen ein sinnvoller Medienkonsum ein echtes Anliegen ist. Sie zeigen Lösungen auf, die, wie vieles in der Erziehung, harte Arbeit sind. Aus Sicht der Autoren lohnt sich der Einsatz dafür allemal: um der Kinder willen.

Bojan Godina/Katy Godina/Melina Godina: „Schmetterlinge statt Müll im Kopf: Medienkompass für Eltern und Erzieher“, Books on Demand, 180 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 9783751969208

Von: Johannes Blöcher-Weil

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