Andreas Boppart, Missionsleiter von Campus für Christus, und der Apologet und Mathematiker John Lennox haben Bücher zum Glauben in der Coronakrise herausgebracht – mit ganz unterschiedlichen Zugängen

Andreas Boppart, Missionsleiter von Campus für Christus, und der Apologet und Mathematiker John Lennox haben Bücher zum Glauben in der Coronakrise herausgebracht – mit ganz unterschiedlichen Zugängen

Mut zum Glauben in der Coronakrise

In kurzer Zeit sind mehrere Bücher erschienen, die in der Coronakrise Hoffnung machen und zum Glauben ermutigen wollen. pro hat sich zwei der Neuerscheinungen angeschaut: Während Andreas Boppart in seinem Buch sehr persönliche Texte von verschiedenen Autoren sammelt, zeichnet der emeritierte Mathematikprofessor John Lennox einen argumentativen Weg zum Glauben.

Die Coronakrise schüttelt nicht nur ein ganzes Land, sondern den ganzen Globus ordentlich durcheinander. Sie hat das Zeug, eine historische Zäsur im Laufe der Geschichte zu markieren, und das hat sie wahrscheinlich schon getan. Vermutlich wird uns die Pandemie noch lange beschäftigen, und daher kommt das neue Buch mit dem simplen Titel „Hoffnung: Zuversicht in Zeiten von Corona“ genau zur rechten Zeit. Andreas Boppart, Missionsleiter von Campus für Christus, hat eine Reihe von Texten herausgegeben, die das Thema Krise auf sehr unterschiedliche Weise beleuchten.

Einige der 17 Autoren schildern ihre persönlichen Corona-Erfahrungen. Mehrere von ihnen waren auf dem Willow-Creek-Leitungskongress in Karlsruhe Ende Februar, der wegen Corona-Alarms abgebrochen werden musste. Darunter sind der YouTube-Pastor Gunnar Engel, die Influencerin Jana Highholder (sie schrieb ihren Text an Tag 49 ihrer Quarantäne), Pastor Konstantin Kruse und Johannes Hartl. Sie berichten aus der anstrengenden Zeit ihrer Quarantäne, ihre Begegnung mit der neuen Bedrohung und geben Tipps, die ihnen selbst geholfen haben.

Aber auch andere Autoren kommen zu Wort, die tiefe Krisen erlebt haben. Besonders Deborah Rosenkranz sticht dabei hervor. Die christliche Sängerin hat viel Leid erlebt: Als Teenie litt sie sieben Jahre lang an Essstörungen. Sie nahm innerhalb eines Jahres 30 Kilo ab, bis sie ihre Hüftknochen als Ablage für ihre Arme benutzen konnte. Die Haare fielen ihr büschelweise aus, bis sie dem Tode näher war als dem Leben. Der Glaube an Jesus hat ihr die Kraft gegeben, neben der Essstörung auch weitere Krisen zu überwinden: ihre Unzufriedenheit mit ihrem Äußeren, emotionalen und sogar sexuellen Missbrauch übelster Sorte.

In einem weiteren Beitrag berichtet der bei „Wetten, dass..?“ verunglückte Samuel Koch über seinen Umgang mit Hoffnung angesichts persönlichen Leids. Sein größter Wunsch: Wieder laufen können. Wenn es hier auf der Erde nicht klappt, dann eben im Himmel.

Dass die Autoren in unverkrampfter Offenheit von ihren persönlichen tiefen Täler berichten, kann auch anderen Menschen Trost und Orientierung geben. Angesichts von Isolation, Kontaktbeschränkungen und Wirtschaftssorgen ist dies ein wichtiges Buch, das Hoffnung schenken kann.

Andreas Boppart (Hg.): „Hoffnung: Zuversicht in Zeiten von Corona“, SCM Hänssler, 9,99 Euro, 144 Seiten, ISBN 9783775160919

Andreas Boppart (Hg.): „Hoffnung: Zuversicht in Zeiten von Corona“, SCM Hänssler, 9,99 Euro, 144 Seiten, ISBN 9783775160919

Von: Nicolai Franz

Auch der britische Mathematiker John Lennox möchte mit einem Büchlein zur Coronakrise die Hoffnung deutlich machen, die der christliche Glaube bietet. Er wählt dafür aber den analytischen, argumentativen Weg. Vor allem geht es dabei um die Frage, wie man an einen Gott glauben kann, der das Leid nicht verhindert. Zunächst macht Lennox deutlich, dass Leid laut der Bibel nicht generell eine Strafe Gottes sei, vergleichbar der Idee des Karmas, wonach ein bestimmtes Handeln das zukünftige Schicksal beeinflusse. Einer solchen Weltanschauung folgend sei es nicht sinnvoll, auf Linderung der Schmerzen und des Leids zu hoffen, weil diese eben zum inneren „Reinigungsprozess“ gehörten.

Eine atheistische Weltanschauung helfe den Menschen in Krisen und Fragen des Leides ebenfalls nicht weiter, führt Lennox aus. Denn ohne Gott gebe es keine Basis für Werte, keinen übergeordneten, objektiven Maßstab für das Gute. Wenn die Ursache von Gutem und Bösem allein in genetischen Programmen und physikalischen Gesetzen begründet wäre, löse sich die Frage nach dem Bösen in einer „erbarmunsglosen Gleichgültigkeit der Materie“ auf. „Gott aus der Gleichung zu entfernen, bedeutet nicht, dass Schmerz und Leid verschwinden“, schreibt Lennox. „Aber Gott zu entfernen, lässt etwas anderes verschwinden – nämlich jede Art von Hoffnung.“

Der emeritierte Professor und streitbare Verfechter des christlichen Glaubens kommt damit zur Frage, wie sich ein liebender Gott und die Erfahrung von Leid durch das Coronavirus vereinen lassen. Dabei führt er aus, dass nur ein Bruchteil der bekannten Viren schädlich für die Gesundheit, die allermeisten jedoch lebensnotwendig seien. Dann spannt er den Bogen von der Schöpfung und dem biblischen Sündenfall, durch den das Böse aus christlicher Sicht in die Welt gekommen sei, über Karfreitag und Ostern – die Versöhnung Gottes mit den Menschen durch Jesus Christus – bis zum Gericht Gottes, das endgültige Gerechtigkeit schaffe. Er schlussfolgert: „Ein Christ ist also nicht ein Mensch, der das Problem des Leids gelöst hat, sondern jemand, der gelernt hat, einem Gott zu vertrauen und Ihn zu lieben, der für ihn gelitten hat.“ Die Coronakrise könne dazu anregen, sich der Frage nach dem Tod zu stellen und neu nach Gott zu fragen.

Christen empfiehlt Lennox, sich an die Maßnahmen zu halten, die das Coronavirus eindämmen sollen, und Menschen in Not aus Nächstenliebe zu unterstützen. Gleichzeitig sollten sie die Ewigkeitsperspektive im Blick behalten und aus diesem Grund auch in einer gewissen Weise gelassen bleiben in der Krise. Das Buch lädt ein, Jesus im Leid zu vertrauen. Es richtet sich in erster Linie an Menschen, die dem christlichen Glauben eher fern stehen oder angesichts der Krise damit hadern. Daher eignet sich das Buch auch zum Weitergeben und Verschenken. Auch wenn es auf die aktuelle Situation zugeschnitten ist: Die darin ausgebreitete Argumentation umkreist ganz grundlegend und kompakt die Frage nach Gott und dem Leid. Wer einen intellektuellen, argumentativen Zugang zu diesen Fragen hat, der wird hier hilfreiche Antworten finden.

John C. Lennox: „Wo ist Gott in dieser Welt? Und was ist mit Covid-19?“, Daniel, 72 Seiten, 2,90 Euro, ISBN 9783945515501

John C. Lennox: „Wo ist Gott in dieser Welt? Und was ist mit Covid-19?“, Daniel, 72 Seiten, 2,90 Euro, ISBN 9783945515501

Von: Jonathan Steinert

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus