In seinem Buch, das erst Ende März 2020 entstand, will der Theologe John Piper Mut machen, aber auch darauf hinweisen: Corona kann als eine Zeit der Buße verstanden werden.

In seinem Buch, das erst Ende März 2020 entstand, will der Theologe John Piper Mut machen, aber auch darauf hinweisen: Corona kann als eine Zeit der Buße verstanden werden.

Corona und was Gott damit vorhat

Was kann uns in der Corona-Krise helfen? Aber vor allem: Was will uns Corona sagen? Der amerikanische Theologe John Piper hat ein kurzes Büchlein verfasst, das Trost spendet, aber auch wachrüttelt in einer Zeit, die fast in biblischem Ausmaß die ganze (sündige) Welt im Griff hat. Dabei ist der 74-jährige Piper selbst von Corona betroffen. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Das gerade einmal 80 Seiten umfassende Buch mit dem schlichten Titel „Corona und Christus“ schrieb der amerikanische Theologe John Piper erst vor wenigen Wochen, Ende März. Das christliche Netzwerk „Evangelium21“ stellt es kostenlos als PDF und im eBook-Format „ePub“ sowie als Hörbuch zur Verfügung.

Sein Buch solle christuszentriert und wie ein verlässlicher Fels sein, auf dem man in Zeiten der Krise stehen könne. Das sagte Piper in einem kurzen Video, das er anlässlich der Buchveröffentlichung aufgenommen hat. Er sei überzeugt, dass Corona dem Zweck diene, die ganze Welt, einschließlich der Kirche, zur Buße zu führen. „Denn das ist meiner Meinung nach das, was Gott derzeit tut.“

Das Buch hat entsprechend zwei Teile. Der erste trägt die Überschrift „Der Gott, der über Corona regiert“ und macht deutlich, dass Gott nicht nur mächtig, sondern auch den Menschen gegenüber freundlich gesinnt ist. Der andere Teil heißt „Was tut Gott durch Corona?“ und zeigt, was Gott Pipers Meinung nach erreichen „will und wird“.

Die Krise zeige, wie fragil unsere Welt ist: „Das anscheinend stabile Fundament gerät ins Wanken. Die Frage, die wir uns jetzt stellen müssen, ist folgende: Haben wir einen Fels unter unseren Füßen? Einen Fels, den nichts je erschüttern kann?“ Für ihn zentral ist die Bibelstelle 1. Thessalonicher 5,9–10: „Denn Gott hat uns nicht zum Zorngericht bestimmt, sondern zum Besitz des Heils durch unseren Herrn Jesus Christus, der für uns gestorben ist, damit wir, ob wir wachen oder schlafen, zusammen mit ihm leben sollen.“ Gott habe eindeutig seine Zusage gegeben, dass er bei uns ist, auch wenn wir Sünder sind. „Gott hat nicht einmal meine Frage abgewartet. Seine Antwort ist: Wegen Jesus. Jesus allein.“

Sein Buch sei seine Einladung an den Leser: „Stell dich mit mir auf diesen Fels, auf Jesus Christus. Er ist der feste Grund.“ Piper weiter: „Kein Mensch kann unsere Seelen in dieser Pandemie so trösten, wie Gott es kann. Seinen Trost kann nichts erschüttern. Es ist der Trost eines großen, hohen Felsens im stürmischen Meer. Er kommt aus seinem Wort, der Bibel.“

Auf die Frage, wie er so gut wissen könne, dass die Bibel Gottes Wort ist, antwortet Piper: „Es gibt eine göttliche Herrlichkeit, die uns aus all dem entgegenstrahlt, die perfekt in das gottförmige Fenster in deiner Seele passt – wie ein Ritzel in den Zahnkranz, wie die Hand in den Handschuh, wie ein Fisch ins Wasser, wie Flügel in die Luft, wie das letzte Teil ins Puzzle.“

Auch Christen bekommen das Coronavirus

Gott sei zugleich heilig und gerecht. Piper beschreibt Gott so: „Jedes Gefühl, jeder Gedanke, jedes Wort und jede Tat Gottes wird immer mit dem unendlichen Wert und der grenzenlosen Schönheit seiner transzendenten Fülle übereinstimmen. Wenn Gott seine eigene Wertigkeit oder Schönheit oder Größe verleugnen würde, dann wäre das nicht richtig. Der höchste Maßstab wäre gebrochen. Gott wäre dann ungerecht.“ Daher stehe alles, was im Tun von uns Menschen dieser Schönheit entgegensteht, im Widerspruch zu dieser Heiligkeit Gottes.

Alle Menschen seien Sünder, ohne Ausnahme. Die Coronakrise sei „eine bittere Zeit. Und Gott hat sie bestimmt. Gott regiert über diese Zeit. Er wird ihr ein Ende setzen.“ Aber er betont auch: „Jeder Atemzug ist ein Gnadengeschenk. Jeder Herzschlag unverdient. Leben und Sterben liegen letztlich in Gottes Händen.“

Daher sieht er Corona als Chance für jeden Menschen. Die Sünde in der Welt richte immer eine „geistliche Hässlichkeit“ an, weil sie Gott „herabsetze“. Die Welt sei seit dem Sündenfall zerrüttet: „All ihre Schönheit ist verwoben mit Bösem und Katastrophen und Krankheiten und Scheitern.“ Und auch Christen seien von den Auswirkungen betroffen. „Christen werden von Tsunamis mitgerissen. Christen sterben bei Terroranschlägen. Christen bekommen das Coronavirus.“ Der Unterschied sei, dass Christen dieses Verderben nicht als Verdammnis erlebten. „Zu sterben heißt, ‚bei Christus zu sein‘ (Philipper 1,23).“

Fraglich, „ob ich es erlebe, wenn dieses Buch veröffentlicht wird“

Die Bibel nenne den Teufel den „Fürst dieser Welt“, doch der Teufel sei „an der Leine“. Und diese Leine ist in Gottes Hand. Leider könne kaum ein Mensch erfassen, wie sehr es Gott verletze, wenn man ihn so wenig und selten die Ehre gebe. „Wer hat schon deswegen schlaflose Nächte, weil wir tagtäglich Gott durch unseren Trotz und unsere Gleichgültigkeit herabsetzen? Aber unseren physischen Schmerz, oh, den spüren wir deutlich! Wie ungehalten werden wir, wenn Gott unseren Körper antastet! (...) Wenn Corona kommt und unseren Körper bedroht, dann hat Gott auf einmal unsere Aufmerksamkeit.“

Für Piper ist die Coronakrise eine Art Gottes, uns die Hand zu reichen: „Gott ruft uns dieser Tage in seiner Barmherzigkeit zu: Wacht auf! So sieht Sünde gegen Gott in der geistlichen Welt aus! Sie ist grauenvoll und hässlich. Und viel gefährlicher als Corona.“ Der Autor warnt aber zugleich davor, Corona als eine eindeutige und einfache Strafe über einen anderen Menschen verstehen. „Es ist gut möglich, dass die liebevollsten und geisterfülltesten Christen, deren Sünden durch Christus vergeben sind, an Corona sterben werden.“ Corona sei in seinen Augen letztlich ein Weckruf, „damit wir uns für das zweite Kommen Jesu bereitmachen“. Dabei gehe es ja streng genommen nicht nur um Corona, sondern es gebe ja auch eine Menge anderer Katastrophen, kleine und große, die über das eigene Leben hereinbrechen können. Piper: „Die Corona-Pandemie steht für das Erleben von Verlust: vom kleinsten Verlust an Annehmlichkeiten bis hin zum größten Verlust, nämlich des Lebens.“

Und dann offenbart Piper, dass er selbst nicht außer Gefahr ist, dem Virus unbeschadet zu entkommen, wodurch sein Buch eine zusätzlich Brisanz bekommt. „Soweit ich das überblicken kann, kann es sein, dass ich es nicht erlebe, wenn dieses Buch veröffentlicht wird. Mindestens einer meiner Verwandten ist mit Corona infiziert. Ich bin 74 Jahre alt und meine Lunge ist durch ein Blutgerinnsel und eine jahreszeitlich bedingte Bronchitis geschwächt.“

Von: Jörn Schumacher

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