Fabian Vogt zeigt mit seinem Buch „100 Dinge, die du NACH dem Tod auf keinen Fall verpassen solltest“ die Vergänglichkeit des irdischen Daseins

Fabian Vogt zeigt mit seinem Buch „100 Dinge, die du NACH dem Tod auf keinen Fall verpassen solltest“ die Vergänglichkeit des irdischen Daseins

Wie es nach dem Tod weitergehen könnte

Was kommt nach dem Tod? Alle Kulturen und Religionen der Welt haben sich diese Frage gestellt. Fabian Vogt hat mögliche Antworten in einem Fundus von 100 Stippvisiten diverser Jenseitsvorstellungen zusammengetragen. Eine Rezension von Norbert Schäfer

Der evangelische Theologe und Literaturwissenschaftler Fabian Vogt stellt in seinem Buch auf unterhaltsame und kurzweilige Weise den diesseitigen ToDo-Listen eine Liste diverser Erwartungen aus verschiedenen Kulturen und Epochen für die Zeit nach dem Tod entgegen. Die Sammlung teils skurriler Vorstellungen über das Jenseits und den Weg dorthin hat Vogt in 100 Episoden aufgeschrieben. Der Autor will in seinem Buch „100 Dinge, die du NACH dem Tod auf keinen Fall verpassen solltest“ Menschen den Druck nehmen, im irdischen Dasein möglichst viel von ihrer „Bucket-List“ abzuarbeiten. Also der Liste mit all den Dingen, die ein Mensch erlebt, oder all den Orten, die er besucht haben sollte, bevor er „den Löffel abgibt“ (englisch = „Kick the bucket“).

Der Autor stellt dem Wunsch vieler Menschen, möglichst viel aus ihrem irdischen Dasein herauszuholen, die Frage entgegen: Was kommt denn nun nach dem Tod auf uns zu? Seiner Meinung nach viel, eine ganze Menge. Vogt schreibt: „Freuen Sie sich! Das Beste kommt erst noch. Und zwar das Allerbeste. Im Jenseits. Wirklich!“

Humor bei todernsten Themen

Seiner nachdenklich stimmenden und humorvollen Sammlung stellt der Autor drei Zitate voran. Einmal das Bibelwort: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu.“ Es ist die biblische Perspektive auf das, was nach dem Tod sein wird und Menschen erwartet. Für Vogt wird die Auferstehung der Toten „ein Fest“, weil „sich Christinnen und Christen sicher“ sind, „dass der Tag der Apokalypse ein echtes Gesamtkunstwerk darstellt, weil da alles zusammenkommt: die Wiederkunft Christi, die Auferstehung der Toten und das ewige Leben“.

Dann zitiert Vogt den Komiker Woody Allen: „Natürlich gibt es eine jenseitige Welt. Die Frage ist nur: Wie weit ist sie von der Innenstadt entfernt, und wie lange hat sie offen?“ Das Zitat dient als ein Hinweis darauf, sich auch mit der nötigen Portion Humor der Frage zu stellen, was den Menschen nach dem Tod erwartet.

Als Drittes führt Vogt den Literaten Hermann Hesse an: „Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegensenden, des Lebens Ruf an uns kann niemals enden. Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“ Darin spiegelt sich die Ungewissheit über das Jenseitige wider, aber auch die Hoffnungen, die Menschen mit ihrem Ableben verbinden.

Offenheit mitbringen

In der Spannung dieser drei Zitate führt Vogt den Leser auf eine Rundreise durch die Kulturgeschichte der Menschheit, zu einer Entdeckungsreise zu den damit verbundenen Werten und Idealen. Vogt liefert mit seiner Sammlung eine Fülle von Anstößen, sich einmal mit der eigenen Endlichkeit auseinander zu setzen, aber auch „die herzliche Aufforderung, sich selbst auf den Zahn (der Zeit) zu fühlen und der eigenen Hoffnung bewusst nachzuspüren“. Das Buch eröffnet in kurzen Kapiteln auf unterhaltsame Weise unterschiedliche Blickwinkel auf das Jenseitige. Die christliche Perspektive nimmt dabei eine zentrale Rolle ein, ist aber wegen der unendlichen Dimension des Themas leider nur eine von vielen.

Wenn Menschen berichten, die nach einem Nahtoderlebnis befragt wurden, dass sie sich im Moment zwischen Leben und Tod von außen betrachten konnten, macht das neugierig. Die Auseinandersetzung antiker Philosophen, zeitgenössischer Wissenschaftler, orientalischer Religionen, griechischer Mythologien sowie christlicher und jüdischer Überlieferungen mit dem Tod stimmt den Leser nachdenklich. Die Riten indigener Stämme und der Azteken sowie die Vorstellung des Islam über das Jenseits sind unserem Kulturkreis weitesgehend unbekannt. Das ist alles interessant.

Zu unkritisch geht Vogt jedoch stellenweise mit der Beschreibung spiritistischer Praktiken und Riten um. Eine Séance ist aus biblischer Sicht etwas anderes als die „Sehnsucht nach Kontaktaufnahme mit Verstorbenen" oder ein „lukratives Geschäftsmodell" der „Postpostpostmoderne". Die Bibel warnt verschiedentlich vor der Beschwörung von Geistern und Toten und der Kontaktaufnahme mit denselben. Die Warnung fehlt bei Vogt. Schön ist, dass der Autor den biblischen Berichten und Offenbarungen jenseits des Diesseits einen breiten Raum einräumt. Die Beschäftigung mit dem Jenseits erfolgt aber nicht rein aus christlicher Sicht. Die Offenheit für diese Herangehensweise sollte man beim Lesen des Buches mitbringen, wenn man einen Gewinn daraus ziehen möchte.

Das Buch liefert aus kulturgeschichtlicher Sicht interessante Einblicke in letzte Fragen und macht deutlich, dass über das endliche Diesseits hinaus eine unendliche Wirklichkeit im Jenseits ist. Darüber nachzudenken, auch im Hinblick auf mögliche Konsequenzen des Handelns im Hier und Heute für die Ewigkeit, lohnt sich allemal zu Lebzeiten.

Fabian Vogt: „100 Dinge, die du NACH dem Tod auf keinen Fall verpassen solltest“, bene!/Droemer Knaur, 248 Seiten, 15 Euro, ISBN: 9783963400438

Fabian Vogt: „100 Dinge, die du NACH dem Tod auf keinen Fall verpassen solltest“, bene!/Droemer Knaur, 248 Seiten, 15 Euro, ISBN: 9783963400438

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