Im neuen Roman des Bestsellerautors J.R. Dos Santos begibt sich der Code-Spezialist Tomás Noronha in den Vatikan und deckt mit einer attraktiven Wirtschaftsprüferin an seiner Seite die Finanzdelikte des Kirchenstaates auf

Im neuen Roman des Bestsellerautors J.R. Dos Santos begibt sich der Code-Spezialist Tomás Noronha in den Vatikan und deckt mit einer attraktiven Wirtschaftsprüferin an seiner Seite die Finanzdelikte des Kirchenstaates auf

Der Vatikan, die Mafia und das Ende der Welt

J.R. Dos Santos, der Dan Brown Portugals, hat wieder zugeschlagen: Ein weiterer Roman um den Kryptologen Tomás Noronha ist im Verlag Luzar Publishing auf Deutsch erschienen. Diesmal legt der Code-Spezialist die zahlreichen Finanz-Affären des Vatikan offen. Das Explosive an dem Buch: Alle moralischen, finanzwirtschaftlichen und juristischen Verstöße des Heiligen Stuhls sind echt. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Bereits mit den Bestsellern „Das Einstein Enigma“ (2017) und „Der Schlüssel des Salomon“ (2018) hat der portugiesische Journalist und Nachrichtensprecher J.R. Dos Santos bewiesen, dass er spannende Romane schreiben kann. Im ersten ging es um die die Verknüpfung von Glaube und Wissenschaft mit der „Gottesformel“, im letzteren um das menschliche Bewusstsein, und darum, wie es naturwissenschaftlich erklärt werden könnte.

Mit „Vaticanum“ verlässt Dos Santos sein bisheriges Spezialgebiet Naturwissenschaft und lässt seinen Romanhelden Tomás Noronha, den wir bereits aus den früheren Büchern kennen, auf den Vatikan los. Hier, in Rom, deckt der Historiker und Kryptologe Machenschaften auf, bei denen nicht nur tiefgläubige Katholiken schwer zu schlucken haben.

Das Schöne an den Romanen des Portugiesen ist, dass sie stets auf wahren Begebenheiten beruhen, so dass der Leser jedes Mal nicht nur auf fantastische Weise unterhalten wird, sondern auch eine Menge lernen kann. Wer bisher noch nichts über die Finanz-Affären des Vatikan in Milliardenhöhe wusste, über Geldwäsche, Schmiergeld, Steuer- und Spendenbetrug und Erpressung, dem wird hier ungläubig der Mund offenstehen. Dos Santos nennt in einem Schlussteil seine zahlreichen Quellen und stellt klar, dass die beschriebenen „moralischen, finanzwirtschaftlichen und juristischen Verstöße“ des Heiligen Stuhls nicht seiner Fantasie entsprangen, sondern „pure Fakten“ sind. Der ehemalige Dozent für Journalistik an der Neuen Universität Lissabon gehört als TV-Moderator und Sprecher der Abendnachrichten des Senders RTP1 in Portugal zu den bekanntesten Gesichtern der Nation.

Vatikan und Mafia

Noronha, der entfernt an den Romanhelden Robert Langdon des amerikanischen Schriftstellers Dan Brown erinnert, gerät im Buch in den Sumpf um die Finanzmachenschaften des Vatikan, und, noch viel schlimmer, in die Entführung des Papstes Franziskus, der eben jenem kriminellen Tun des Vatikans ein Ende zu setzen versprochen hatte. „Wie könnte ich predigen, dass wir den Armen helfen müssen, und selbst in einem solchen Überfluss leben?“, lässt der Autor den Papst sagen, und das Zitat könnte ebensogut vom echten Papst Franziskus stammen.

Im Zentrum des Geschehens steht das „Istituto per le Opere di Religione“, kurz IOR, allgemein bekannt als die Vatikanbank. Das IOR wurde immer wieder in Verbindung mit Geldwäsche für die Mafia und Steuerhinterziehung gebracht, es stellt sozusagen ein Offshore-Paradies mitten in Europa dar. Der Vatikanstaat untersteht nicht der selben Rechtssprechung wie andere Staaten, kriminelle Geistliche in Rom können fast nicht belangt werden, und die Vatikanbank untersteht keiner Bankenaufsicht oder einer Zentralbank. Dabei genießt sie hohes Ansehen weltweit – schließlich wird sie von der Katholischen Kirche geführt! Gerade das macht sie zu einem perfekten Schauplatz für Finanzverbrechen. Deshalb bedarf es in „Vaticanum“ auch einer Wirtschaftsprüferin an der Seite des Historikers Noronha, um Licht ins Dunkel rund um den Petersdom in Rom zu bringen. Dass es sich dabei um eine attraktive Französin handelt, schließt an das romantische Geschäker der Vorgängerromane an, bringt Noronha aber auch in Verlegenheit, weil er mittlerweile verlobt ist.

Spannung baut der Roman dadurch auf, dass der Papst Opfer einer Entführung wurde und um Punkt Mitternacht vor laufender Kamera enthauptet werden soll. Dahinter stecken Terroristen des „Islamischen Staates“ (IS). Dies löst wiederum gewaltsame Konflikte zwischen Muslimen und Christen auf der ganzen Welt aus und könnte sogar zu einem Weltkrieg führen. Tomás Noronha und seiner hübschen Gehilfen Catherine bleiben nur wenige Stunden Zeit, um herauszufinden, wo der Papst versteckt ist. Hinweise liefern Akten über die zahlreichen Finanzdelikte des Vatikanstaates. Natürlich geht es wie in den Vorgängerromanen auch hier nicht ohne ordentliche Codes und historische Rätsel vonstatten, an denen Noronha sein Können beweisen kann. Ganz nebenbei entdeckt der Experte noch das Grab des Petrus, den „Fels“, auf den die Katholische Kirche ihre Existenz gründet.

Der letzte Papst

Wie im Roman hat Papst Franziskus tatsächlich angekündigt, die kriminellen Machenschaften innerhalb des Vatikans aufzudecken und zu beenden. Ob Franziskus im echten Leben auch der Gefahr einer Ermordung ausgesetzt ist? In der Tat hat der IS bereits mit der Ermordung des Pontifex gedroht, und auch die Mafia hat ein Interesse daran, die Aufklärung über ihre Verstrickungen mit dem Vatikan zu verhindern. Dem Autor kommt eine uralte Weissagung über die Päpste zugute, die ein irischer Bischof namens Malachias im 12. Jahrhundert gemacht hat. Die Malachias-Prophezeiung hat für 112 zukünftige Päpste teilweise überraschend gut zutreffende Weissagungen gemacht. Der letzte Papst auf der Liste wäre demzufolge tatsächlich unser jetziger Papst, Franziskus.

Der spannend geschriebene Kriminalfall „Vaticanum“ führt dem Leser die unfassbaren Machenschaften des Heiligen Stuhls vor Augen, die tatsächlich so passiert sind. Als sich etwa die Kurie öffentlich gegen Verhütungsmittel aussprach, verdiente sie gleichzeitig an einem Pharmakonzern, der die Pille verkaufte. Als sie die Gläubigen vor dem Rauchen warnte, verdiente sie gleichzeitig am Zigaretten-Schmuggel. Im Gegenzug für Seligsprechungen verlangt der Vatikan ordentlich Geld, findet Noronha heraus. Kardinäle predigen die Armut, leben aber selbst in den teuersten Luxusvillen Roms. Kollekten der Gläubigen werden für „obszön luxuriöse Wohnungen und die teuersten Autos“ verprasst, stellt die Wirtschaftsprüferin Catherine fest, viele Finanzgeschäfte in der Geschichte des Kirchenstaates sind mit der Mafia und Auftragsmorden verknüpft. Man kann nur hoffen, dass die geplante Ermordung des Papstes Fiktion bleibt. Doch der Romanheld Tomás Noronha sagt über Franziskus: „Die Entscheidung des Papstes, endlich Ordnung in die Finanzen des Vatikans zu bringen, hat ihm viele Feinde eingebracht.“ Ob sich die Weissagung des Malachias, dass Franziskus der letzte Papst sein wird, Rom zerstört und der Weltenrichter auftreten wird, erfüllen wird? Dos Santos schreibt dazu nur: „Die Zeit wird es zeigen.“

J.R. Dos Santos: „Vaticanum“, Luzar Publishing, 512 Seiten, 18,50 Euro,

erscheint am 21. März 2019

Von: Jörn Schumacher

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