Der Physiker Ralf B. Bergmann bringt in seinem Buch Argumente dafür, dass die Existenz Gottes der Vernunft nicht widersprechen muss

Der Physiker Ralf B. Bergmann bringt in seinem Buch Argumente dafür, dass die Existenz Gottes der Vernunft nicht widersprechen muss

Ein Hinweis, kein Beweis

Das Buch „Gott und die Erklärung der Welt“ des Physikers Ralf B. Bergmann versucht auf weniger als 100 Seiten zu argumentieren, dass es auch für Skeptiker eigentlich vernünftig sein sollte, an einen Gott zu glauben. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Um dem Gedankengang Bergmanns, eines gläubigen Christen, zu folgen, muss der Leser zunächst etwas Erkenntnistheorie bewältigen. Bergmann ist Physiker und Professor im Fachbereich Physik und Elektrotechnik der Universität Bremen. Doch in dem Buch „Gott und die Erklärung der Welt“ lässt er die Physik zunächst außen vor. Er bezeugt zwar an einer Stelle seine Faszination für das „Fine Tuning“, die frappierend vielen Stellschrauben im Universum, die scheinbar die Existenz des Menschen im Universum fast schon bedingen. Allerdings handelt Bergmann dieses Thema auf weniger als fünf Seiten ab.

Der Physiker konzentriert sich auf eher philosophische Fragen wie: Was kann man überhaupt wissen? Wie arbeitet Wissenschaft? Er bemüht sich dabei, alles auf das Einfachste herunterzubrechen. Die zugrundeliegende These lautet: „Der Glaube an Gott ist vernünftig und erklärt die Existenz und die Eigenschaften der Welt besser als der Atheismus.“

So erscheine es zunächst etwa als sehr schlicht, die Existenz der Welt mit einem Schöpfergott zu begründen. Doch spreche nichts per se gegen diese These. Denn gerade das wissenschaftliche Prinzip von „Ockhams Rasiermesser“ verlange ja etwa möglichst einfache Lösungen. Bergmann: „In den Naturwissenschaften tendieren wir dazu, die einfachere Erklärung gegenüber der komplizierteren zu bevorzugen.“

Der Physiker gibt dem Leser einige Tipps, worauf man bei Disputen zum Thema Glaube und Wissenschaft achten sollte. Etwa: Sich nicht von Autoritäten beeindrucken lassen. Und nur weil die Lösung einfach zu sein scheint („Gott erschuf die Welt“), muss sie auch falsch sein. Oder: Auf Argumentieren „gegen den Mann (oder die Frau)“ achten: Denn letztlich sei es egal, wer ein Argument vorbringt; nur weil jemand nicht dieses oder jenes Fach an der Uni studiert hat, heiße das nicht, dass seine Argumente keinen Wert haben.

Stephen Hawking und die Gravitation

Gott kann man letztlich nicht beweisen, das betont Bergmann an mehreren Stellen. Dennoch gibt der Physiker zu bedenken, dass zum Beispiel die „allgemeine Erfahrung“ besagt, dass etwas nicht einfach aus dem Nichts entstehen konnte. Wie sollte da das Universum einfach so aus dem Nichts entstehen? Am Ende geht es nur noch um die Frage, was man selbst für wahrscheinlicher hält: dass die Welt von Gott erschaffen wurde oder auch ohne ihn irgendwie entstand. Der bekannte, im vergangenen Jahr verstorbene Physiker Stephen Hawkings hatte das Argument vorgebracht: Weil es so etwas wie die Gravitationskraft gibt, müsse man nicht notwendig von einem Schöpfergott ausgehen. Bergmann erklärt, dass der große Denker, wie viele andere, hier offenbar das „Nichts“ mit einem Vakuum verwechselt habe, in dem zwar keine Materie vorhanden ist, wohl aber die Naturgesetze gelten. Denn woher kam denn die Gravitationskraft?

Zum Schluss beschreibt der Physiker noch seine Einstellung zu biblischen Wundern. Ein Eingreifen Gottes in die physikalische Welt hält er für nicht ausgeschlossen. So kann etwa der Stein, der vor Jesu Grab lag, im Prinzip durchaus von einem Engel hinweggerollt worden sein. Die physikalischen Kräfte, die dabei auf den Stein wirkten, können dieselben gewesen sein, mit denen wir im Alltag zu tun haben. Dabei sei es unerheblich, woher die Kraft am Ende tatsächlich kam. Die Berichte der Bibel jedenfalls, etwa die über Jesus, seien deswegen recht glaubwürdig, weil sie von vielen Menschen bezeugt wurden, argumentiert Bergmann. „Eine grundsätzliche Ablehnung der Möglichkeit von Wundern ist meines Erachtens wissenschaftsfeindlich“, schreibt der Physiker.

Sein Buch ist nach eigener Aussage gedacht für Menschen, die weder Philosophie oder Theologie noch eine Naturwissenschaft studiert haben und trotzdem die Diskussion an der Grenze zwischen Theologie und Physik verstehen wollen, die ja immer wieder von bekannten Atheisten geführt wird. Sicher muss bei gerade einmal 93 Seiten vieles unter den Tisch fallen, was man philosophisch, theologisch und naturwissenschaftlich bei dieser umfangreichen und uralten Diskussion um Glaube und Wissenschaft noch anbringen könnte; doch gerade die kompakte Form des Buches kommt dem Leser entgegen. Dass Bergmann sein eigenes Spezialfeld, die Physik, eher marginal behandelt, kommt dem einen Leser vielleicht entgegen, ein andere wünscht sich vielleicht noch mehr Beispiel aus diesem Fachgebiet.

Ralf B. Bergmann: „Gott und die Erklärung der Welt: Christlicher Glaube oder atheistische Weltanschauung: Was ist vernünftiger?“, Brunnen, 112 Seiten, 10 Euro, ISBN: 9783765520914

Von: Jörn Schumacher

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