Der Journalist Andreas Malessa geht in seinem Buch der Frage nach, ob die AfD für wertkonservative Christen eine Option ist

Der Journalist Andreas Malessa geht in seinem Buch der Frage nach, ob die AfD für wertkonservative Christen eine Option ist

Als Christ die AfD unterstützen?

Können wertkonservative Christen ihren Glauben mit dem Weltbild der AfD unter einen Hut bringen? Der Theologe und Journalist Andreas Malessa meint „Nein". Er plädiert in seinem Buch für eine christologische Auseinandersetzung und setzt dabei auf die Fähigkeit von Christen, die „Geister" unterscheiden zu können. Eine Rezension von Norbert Schäfer

Viele Christen sehen in der Alternative für Deutschland (AfD) eine Partei mit radikalem Gedankengut, gewürzt mit diffuser Panikmache vor dem Islam und durchdrungen von latentem Antisemitismus. Andere wertkonservative Christen empfinden die Partei, die mittlerweile in 13 Landesparlamente gewählt worden ist, als letzte Bastion gegen die „Homo-Ehe", „Genderismus", schleichende „Islamisierung", Abtreibung und „Sexualisierung der Kinder in den Schulen". Der evangelische Theologe und Journalist Andreas Malessa ist in seinem Buch „Als Christ die AfD unterstützen?“, Anfang Mai erschienen im Brendow-Verlag, der Frage nachgegangen, warum die AfD unter Christen so sehr polarisiert – und ob diejenigen Wertkonservativen, die in der Partei ihre politische Heimat gefunden haben, dort wirklich gut aufgehoben sind. Der Autor meint: Nein.

Malessa will mit seinem Buch in einen Dialog eintreten mit den wertkonservativen Christen, die „Werte und Ziele ihres Glaubens ausgerechnet bei der AfD am besten verwirklicht sehen“, und denjenigen Argumentationshilfen an die Hand geben, die ihre landes- und freikirchlichen und katholischen Glaubensgeschwister von der AfD vereinnahmt und politisch instrumentalisiert sehen.

„Die Freiheit, politisch mitreden und -handeln zu können, bringt die Verantwortung mit sich, es auch zu tun“, schreibt Malessa. Der Autor skizziert die Entstehungsgeschichte der AfD und stellt kurz und bündig die wichtigsten Protagonisten von einst und heute und deren Positionen innerhalb der AfD vor. Schön, dass der Journalist dabei weder einen moralinsauren Ton anschlägt, noch denjenigen per se das Christsein abspricht, die in der AfD ihre politische Heimat gefunden haben. „Ich prüfe das Parteiprogramm der AfD nicht auf Bibelfestigkeit, bitte niemanden zum Glaubenstest und spreche AfD-Wählern nicht das Christsein ab“, stellt Malessa im Vorwort klar.

Der Autor, der seine ablehnende Haltung gegenüber der AfD nicht zu verbergen versucht, möchte ermuntern, „nicht über die ‚gefühlte‘ Wirklichkeit Deutschlands, sondern über die faktisch bewiesene in Ruhe nachzudenken“. Malessa gliedert dazu sein Büchlein nach Aussagen, die von Befürwortern der Partei in Gesprächen gerne als Argumente oder Schlagworte vorgebracht werden („Die reden wenigstens Klartext", „Die sind gegen die Islamisierung", „Die tun was gegen die Flüchtlingskrise", „Die Medien sind doch gleichgeschaltet" und so weiter) und stellt den Aussagen Beobachtungen gegenüber, ohne dabei Befürworter der AfD unter Generalverdacht stellen oder an den rechten Rand drängen zu wollen.

Christenverfolgung kein Grund für Generalverdacht gegen Muslime

Malessa übt in seinem Buch Kritik an der vermeintlichen Nähe der evangelischen Nachrichtenagentur idea zur AfD. „Selten werden Wahl-Empfehlungen so enthusiastisch formuliert, (sic!) wie in der Evangelischen Wochenzeitschrift ‚idea Spektrum'“, schreibt Malessa. „Katholiken, die Papst Benedikt besser fanden als Papst Franziskus; Protestanten, die mit dem Kurs ihrer EKD hadern; Freikirchler, die sich ihre Gemeinde ethisch rigoroser wünschen – ihnen allen sollte ausgerechnet die AfD als Hoffnungsschimmer aufleuchten?“, fragt der Autor die Leser und zielt damit auf die Nachrichtenagentur.

Die Leser des Buches sollen nach dem Willen Malessas den „Spirit“ spüren, den die AfD und „ihre Stimmenbeschaffer verbreiten“. Der Autor appelliert an die Fähigkeit der Christen, die Geister zu unterscheiden, und Reden und Handeln der AfD durch die christologische Brille sehen und bewerten zu können. Der als politisch eher links geltenden Evangelikale offenbart in seinem Buch durchaus offen Sympathie für die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und das entschiedene Eintreten des CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder für verfolgte Christen weltweit und fordert, „Politiker aller (!) Parteien müssten da dem CDU-Mann […] öffentlichkeitswirksam zur Seite stehen“. Die Christenverfolgung in anderen Ländern sei jedoch kein Argument dafür, hier lebende Muslime unter Generalverdacht zu stellen und sich radikalen Parteien zu öffnen.

Malessa erkennt in den etablierten Parteien und den engagierten Christen darin genügend Potential, die anstehenden Herausforderungen auf demokratischer, verfassungsgemäßer Basis ohne Verachtung von Menschlichkeit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu lösen. Er bleibt in seiner Kritik an der AfD sachlich, belegt seine Argumente und Beobachtungen, trifft den richtigen Ton, der nie verletzend ist, und schreibt locker über ein Thema, dem politikinteressierte Christen bis zur Bundestagswahl noch öfter begegnen dürften. Dem lesenswerten, kurzweiligen Buch ist zu wünschen, dass es zu einem unaufgeregten, kritischen Dialog, auch unter wertkonservativen Christen, über aktuelle Themen der Politik aus dem Blickwinkel des biblischen Zeugnisses beiträgt. (pro)

Andreas Malessa: "Als Christ die AfD unterstützen?", Brendow, 112 Seiten, 9,00 Euro, ISBN 978-3-86506-980-1

Von: nob

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