Das Buch „Das Einstein Enigma“ des portugiesischen Journalisten José Rodrigues dos Santos handelt von einem Gottesbeweis auf naturwissenschaftlichem Weg

Das Buch „Das Einstein Enigma“ des portugiesischen Journalisten José Rodrigues dos Santos handelt von einem Gottesbeweis auf naturwissenschaftlichem Weg

„Die Schöpfung verweist auf einen Schöpfer“

Dan Brown vermischt mit Philosphie und Astrophysik, so lässt sich der Roman „Das Einstein Enigma“ zusammenfassen. Der Roman des portugiesischen TV-Nachrichtenmoderators José Rodrigues dos Santos ist ein wilder Ritt durch Wissenschaft und Glaube und spricht auf unterhaltsame Weise tiefgründige Fragen zum Leben, zum Universum und den ganzen Rest an. Eine Rezension von Jörn Schumacher

Schnell und einfach lässt sich der Inhalt des 600 Seiten dicken Wälzers nicht zusammenfassen. Und das hat weniger mit dem Umfang des Werks zu tun, als vielmehr mit dem Stoff. Die Hauptfigur, ein Experte für Kryptologie und alte Sprachen, macht sich auf die Suche nach nichts Geringerem als nach der Gottesformel – der Beweis für die Existenz Gottes. Denn die soll Albert Einstein kurz vor seinem Tod entdeckt haben, erzählt der Roman. Was genau sie besagt und was man mit ihr anstellen kann, bleibt lange im Dunkeln. Am Ende gibt es zwar die Auflösung, doch sie fällt vielleicht anders aus, als bibeltreue Christen sie erwarten würden. Viel interessanter und wichtiger ist der Lösungsweg, denn auf dem durchstreift der Held alle nur denkbaren Fragen in der Schnittmenge zwischen Physik und Philosophie, die derzeit kontrovers diskutiert werden.

Als „Gottesformel“ wird manchmal der Versuch bezeichnet, die vier von den Physikern festgelegten Naturkräfte in einer einzigen zu vereinen. Die „Theorie von Allem“, wie sie auch genannt wird, soll den letzten Baustein im Verständnis von der Materie im Universum liefern. Wer sie kennt, erkennt Gottes Werk vollständig, so es ihn denn gibt. Tomás Noronha, portugiesischer Professor für Kryptologie, gerät im Roman zwischen die Fronten der USA, dem Iran, CIA und FBI. Alles hat immer wieder Anleihen an die Bücher von Dan Brown; auch eine attraktive Frau darf nicht fehlen, die an der Seite des Forschers steht – und manchmal auch liegt - und alle Gefahren mit durchsteht.

Der Autor, der Portugiese José Rodrigues dos Santos, ist in seinem Heimatland vor allem als Sprecher der 20-Uhr-Nachrichten des Senders RTP1 bekannt. Nebenbei schreibt der mehrfach ausgezeichnete Kriegsberichterstatter und Dozent für Journalismus Romane, die sich laut Verlag bereits über drei Millionen Mal verkauft haben. „Das Einstein Enigma“ ist das erste Buch, das im Verkag luzar publishing auf Deutsch erschienen ist und in Kürze auch verfilmt werden soll.

Bibel, Buddhismus, Kabbala

Zunächst sieht es so aus, als gehe es um den Bau einer Atombombe im Iran, den vor allem die Amerikaner um jeden Preis verhindern wollen. Ein Gespräch zwischen Albert Einstein und dem damaligen Ministerpräsident Israels, David Ben-Gurion, am 13. Mai 1951 in Einsteins Haus in Princeton, gibt erste Hinweise auf etwas ganz Großes, das Einstein offenbar entdeckt hat. Ein geheimnisvolles Manuskript Einsteins enthält die Gottesformel, allerdings verschlüsselt. Das Treffen zwischen den beiden prominenten Zeitgenossen hat tatsächlich stattgefunden, alles weitere ist erfunden. Doch alle sonstigen wissenschaftlichen Erklärungen im Buch sind anerkannte aktuelle Theorien und Erkenntnisse.

Tomás muss sich zwar gegenüber dem Iran ebenso wie gegenüber der CIA behaupten, doch im Grunde geht es um die fundamentalen Fragen nach der Entstehung des Universums, dem Sinn des Lebens und Gott. Das Buch nimmt den Leser auf eine spannende Reise in die Welt von Wissenschaft und Religion.

Am spannendsten sind die Gespräche, die Noronha mit einem Professor für Astrophysik führt. Denn hier wird der Leser mitgenommen auf die interessantesten Gedankengänge der Naturwissenschaft. Es geht um Physik, Kernfusion, die Relativitätstheorie, das Leib-Seele-Problem, den freien Willen, die Heisenbergsche Unschärferelation, den Urknall und den Unvollständigkeitssatz Kurt Gödels. Doch alles ergibt zusammengenommen tatsächlich einen Sinn. „Die Schöpfung verweist auf einen Schöpfer“, ist der Astrophysiker, den Noronha immer wieder um Rat fragt, überzeugt. Doch dieser Gott hat sich zugleich versteckt. So wie niemals vollständig der Ort und die Geschwindigkeit eines kleinsten subatomaren Teilchens bestimmt werden kann, so macht der Satz von Kurt Gödel (1906 – 1978) deutlich, dass die Mathematik zwar mächtig ist, aber niemals so mächtig, jeden Satz endgültig beweisen zu können.

Schnell merkt man, dass der Autor sehr viel über aktuelle Entwicklungen in der Physik weiß, und zudem versteht er es meisterhaft, den Leser mit dieser für viele trocken erscheinenden Materie über viele Seiten hinweg zu unterhalten. Spannend wird es für gläubige Menschen natürlich erst recht, wenn es tatsächlich so scheint, als könne es eigentlich keinen Zweifel mehr an der Existenz Gottes geben.

Allerdings legt sich das Buch nicht fest auf den Gott der Bibel. Zwar wird im entscheidenden Argument auf das Alte Testament Bezug genommen, doch zwischendurch macht die Jagd nach Gott einen Abstecher nach Tibet, und der Leser wird über die Vorteile des Buddhismus aufgeklärt. Kurz danach gibt es noch einen Exkurs zur jüdischen Kabbala, und am Ende sind wir wieder bei der biblischen Schöpfungsgeschichte angelangt. Ein Wegweiser zu Jesus will das Buch nicht sein.

Wer eine anspruchsvolle Lektüre für den Sommerurlaub sucht, liegt beim „Einstein Enigma“ goldrichtig. Die Frage, um was es sich denn nun genau bei der „Gottesformel“ handelt, hält den Leser bei der Stange, und am Ende kann er – ob gläubig oder nicht – staunen über so viele Zufälle im Universum, die vielleicht dann doch keine sind. (pro)

José Rodrigues dos Santos: „Das Einstein Enigma“, luzar publishing, 604 Seiten, 18,50 Euro, ISBN: 9783946621003

von: js

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