Heribert Prantl ist Jurist, Journalist und Autor. Er leitet das Ressort für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung und ist Mitglied der Chefredaktion.

Heribert Prantl ist Jurist, Journalist und Autor. Er leitet das Ressort für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung und ist Mitglied der Chefredaktion.

„Gebrauchsanweisung“ für AfD & Co.

Der Journalist Heribert Prantl hat den „populistischen Extremismus" unter die Lupe genommen. In seinem Buch „Gebrauchsanweisung für Populisten" schildert er, was gegen den Frust der „abgehängten“ Bürger getan werden sollte. Eine Rezension von Norbert Schäfer

Heribert Prantl verantwortet bei der Süddeutschen Zeitung den innenpolitischen Teil und ist Mitglied der Chefredaktion der Zeitung. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften, der Geschichte und der Philosophie arbeitete er als Rechtsanwalt, Staatsanwalt und Richter. Für seine journalistische Tätigkeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. In seinem aktuellen Buch „Gebrauchsanweisung für Populisten" hat der ausgezeichnete und wortgewaltige Kenner des politischen Parkettes den „populistischen Extremismus" analysiert, der „derzeit grassiert [...] wie ein Wald- und Weltbrand".

Prantl stellt zunächst fest, dass alle Parteien sich des Populismus bedienen. Das ist seiner Ansicht nach nicht verwerflich, sondern gemäß Martin Luther und seiner Devise, dem Volk „auf das Maul zu sehen", hilfreich, um Parteiprogramme verständlich unter die Leute zu bringen. Prantl schreibt: „Es ist die Empfehlung, eine im guten Sinn populäre, verständliche Sprache zu sprechen, die an den Verstand appelliert und auch das Herz erreicht. Eine fantasie- und visionslose Kosten-Nutzen-Sprache ist dazu genauso wenig imstande wie eine schulmeisterliche Expertensprache".

Extremisten sprechen niedere Instinkte an

Prantl warnt allerdings davor, dass „populistischen Extremisten" mittels „beharrlich-stereotyper Wiederholung von bestimmten Begriffen die Köpfe mit faschistischen Ideen" besetzen, „Feinderklärungen" in die Demokratie tragen und darauf pochen, „das Monopol der authentischen Repräsentation zu haben". Politikern, die „ein moralisches Monopol" für sich beanspruchen, um damit Grundrechte und Grundwerte auszuhebeln, kennzeichnet Prantl als Feinde der Demokratie, die nicht als Populisten verharmlost werden dürften. „Populistische Extremisten appellieren nicht an Herz und Verstand, sondern an niedrige Instinkte". Darin liegt seiner Meinung nach der Unterschied. Prantl entlarvt die Angst- und Panikmache der Extremisten, die die Gesellschaft zerstört, indem beispielsweise Feindbilder vor Flüchtlingen und dem Islam aufgebaut werden.

Lob der Kirchen

In seinem Buch lobt der Autor die Kirchen, die „der Verketzerung der islamischen Religion als grundgesetzfeindliche politische Ideologie scharf entgegengetreten" seien und „vor Ort integrierende Kraft" darstellten. Prantl würdigt zudem die Bereitschaft der Kirchen zum interreligiösen Dialog und erkennt: „Die Angst vor dem Verlust der 'christlichen Werte' ist ja hierzulande paradoxerweise gerade in jenen Milieus ausgeprägt, die von ebendiesen Werten sonst wenig wissen wollen – während viele praktizierende Christen den interreligiösen Dialog suchen und fördern".

Eine Mitschuld an der Islamfeindlichkeit, die in der AfD ihre Partei gefunden habe, rechnet der Autor dem Ex-Bundesbanker Thilo Sarrazin an. Die Wirkung dessen Buches „Deutschland schafft sich ab: Wie wir unser Land aufs Spiel setzen" könne „für den „rechtsextremen Populismus kaum überschätzt werden".

„Gebrauchsanweisung für Populisten“ nennt Gründe für das Erstarken extremistischer Populisten und entlarvt Denk- und Sprachmuster zum Schüren von Vorurteilen und Ängsten auf kurzweilige, lesenswerte Art. Für meinen Geschmack hätte Prantl bei seiner Untersuchung den Wirkungsweisen des Internets und der sozialen Medien, den Hasskommentaren, Schmähungen und Filterblasen darin, mehr Raum beimessen dürfen. Die Analyse ist jedoch nachvollziehbar und sprachlich ansprechend.

Allerdings fehlt es Prantls Gebrauchsanweisung an einem praktsichen Leitfaden. Kritiker werden Prantl vorwerfen, auf dem „linken Auge" blind zu sein. Das mag stimmen, alledings gelten Prantls Erkenntnisse meines Erachtens für links wie rechts. Dem Anspruch einer Gebrauchsanweisung wird das Buch leider nicht gerecht. Prantls lesenswertes Buch endet mit einem Rezept gegen die Anti-Stimmung und Pauschalurteile verbreitenden extremistischen Populisten, einem Appell: „Es gilt also, die praktische Nützlichkeit der rechtsstaatlichen Demokratie und ihrer Werte auch für diejenigen spürbar zu machen, die sich immer mehr unnütz fühlen. Das ist das demokratische Gegenfeuer gegen den populistischen Extremismus." (pro)

Heribert Prantl: „Gebrauchsanweisung für Populisten", Ecowin, 128 Seiten, ISBN 9783711001306, 14 Euro

Von: nob

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