Theologe Marco Kranjc erklärt in seinem Buch „Evangelisch für Dummies“ den evangelischen Glauben
Theologe Marco Kranjc erklärt in seinem Buch „Evangelisch für Dummies“ den evangelischen Glauben

Evangelisch für Dummies und Profis

Evangelisch. Lutherisch. Freikirchlich. Evangelisch-freikirchlich. Lutherisch-reformiert: Für Laien ist die protestantische Bewegung schwer überschaubar. Um dem Abhilfe zu schaffen, hat der Theologe Marco Kranjc das leicht verständliche Buch „Evangelisch für Dummies“ geschrieben. Eine Rezension von Jan Micha Solms

Nachschlagewerke in den Bereichen Theologie oder Kirchengeschichte gelten als nicht besonders unterhaltsam. Sehr trocken, in der Länge völlig ausufernd und oft kaum verständlich geschrieben, so das Klischee, sind sie eher für die Forschung an den Universitäten als zum munteren Schmökern gedacht. Ein kurzer Überblick über die Kernthemen, historische Eckdaten und zahlreiche Glaubensbekenntnisse für den theologie- oder kirchenfremden Interessierten wird nur selten geboten. Für solche „Laien“ hat der Theologe Marco Kranjc nun „Evangelisch für Dummies“ geschrieben.

Luther reformiert die Kirche

Nach einem kurzen Exkurs zur Entwicklung der christlichen Kirche seit Pfingsten und ihrer Situation im Spätmittelalter beginnt Kranjc natürlich bei Martin Luther. Er erzählt auf spannende und informative Weise von Luthers inneren und äußeren Kämpfen. Nach Personen, Strömungen und Ereignissen thematisch geordnet zeigt das Buch den Verlauf der gesamten Geschichte der Reformation und ihrer Erben bis in die heutige Zeit. Dabei streut der Autor viele Hintergrundinformationen, Erklärungen zu den theologischen Sachverhalten und Anekdoten aus der jeweiligen Zeit ein. Querverweise innerhalb des Buches und Literaturtipps ergeben ein nützliches und unterhaltsames Handwerkszeug für Protestantismus-Interessierte.

Da Kranjc im umfangreichen ersten Teil des Buches möglichst jeder größeren Bewegung zumindest am Rande Aufmerksamkeit schenkt, ergibt sich ein gutes Gesamtbild über die Reformation und ihre Folgen. Eine besondere Stärke von „Evangelisch für Dummies“ ist, dass der Autor jede Position mit ihren positiven und negativen Seiten darstellt. Dabei ist er immer darum bemüht, Verständnis für die zugrundeliegenden Ansichten und Sorgen zu wecken. Die Gegner der Reformation in Kirche und Staat kommen jedoch nicht zu Wort.

Das ABC der Evangelischen

Der zweite Teil des Buches dreht sich um das Privat- und Gemeindeleben eines evangelischen Christen. Alle Eckpfeiler eines evangelischen Gottesdienstes von der Predigt bis zum Abendmahl listet der Autor auf und ordnet sie in ihren historischen und theologischen Kontext ein. Ausführlich geht er auf deren jeweilige Bedeutung für das geistliche Leben ein. Dazu erläutert er die von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlichen Formen, indem er sich auch den Freikirchen widmet, sowie die Unterschiede zu einem katholischen Gottesdienst.

Das Kapitel zu Mission und Evangelisation nimmt eine Sonderstellung ein. Fiel „Evangelisch für Dummies“ bis hierher noch durch einen betont einladenden und offenen Stil auf, so wird der Ton an dieser Stelle spürbar ernster. Dem Autor ist bewusst, dass wenige Themen in einer nicht vorrangig christlichen Welt so kontrovers betrachtet werden, wie die christliche Mission. Kranjc erklärt sich dies mit all den „düsteren Altlasten“, die ihr anhängen. Das Bild von Mission sei in den Augen der Gesellschaft zum Beispiel von Zwangsverwestlichung indigener Völker in Verbindung von Mission und Wirtschaft geprägt. Allerdings bleibt Kranjc auch hier keineswegs völlig neutral und verteidigt Mission gegen den häufigen Vorwurf der Intoleranz. In seinen Augen besteht keine Spannung „zwischen Mission und Toleranz, sondern zwischen Toleranz und Intoleranz“. Toleranz bedeute, jemanden zu respektieren, auch wenn man der Meinung ist, dass der andere komplett falsch liegt. Ob Mission ausgeübt werden kann – und zwar von welcher Religion auch immer –, sei vielleicht ein Gradmesser toleranter Gesellschaft. Dafür kommt er einer möglichst breit gefächerten Leserschaft des Buches so weit entgegen, Begriffe wie „ungläubig“ in Anführungszeichen zu setzen.

Alles auf einen Blick

Das Buch hat es sich laut Klappentext zum Ziel gesetzt, den Leser zu befähigen, den evangelischen Glauben kennenzulernen, Luther und die Reformation zu verstehen und Unterschiede zu anderen Glaubensrichtungen zu erkennen. Zudem soll der Leser das Leben und Denken evangelischer Gemeinschaften nachvollziehen können. Diesen Ansprüchen wird das Buch im Großen und Ganzen gerecht. Ein Kritikpunkt ist, dass der Autor zwar die Unterschiede zwischen Protestantismus und Katholizismus erklärt, er geht jedoch gar nicht auf andere Religionen ein.

Dank der großen Rücksichtnahme auf Nicht-Religiöse ist es sehr leicht zu verstehen. Die inhaltliche Gliederung ist schlüssig und daher funktioniert „Evangelisch für Dummies“ auch als Nachschlagewerk zu bestimmten Themenbereichen.

Die vielen Querverweise auf weiterführende Kapitel zu bestimmten Themen, die gelungene Auflistung der wichtigsten evangelischen Strömungen und die ausführlichen Einblicke in das geistliche Leben eines evangelischen Christen zeichnen dieses Buch aus. Einerseits ist es eine praktische und einladende Informationsquelle zu allen für Einsteiger relevanten Themen. Aufgrund der großen inhaltlichen Dichte taugt das Buch andererseits auch als Lektüre für Kenner des evangelischen Glaubens. (pro)

Marco Kranjc: „Evangelisch für Dummies“, Weily-VCH, 329 Seiten, 16,99 Euro

Von: jms

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