"Die Hütte"
William Paul Young

Kein Kleinholz: "Die Hütte" steht noch immer auf den Listen

Die einen überschütteten das Buch mit Häme, die anderen mit theologischer Kritik: beides aber konnte den Erfolg des Romans "Die Hütte" nicht verhindern – seit aktuell 25 Wochen hält sich das Buch auf den vorderen Plätzen der Bestsellerlisten.

Es war der "stern", das Hamburger Magazin, in dem sich ein Autor den Bestseller-Roman von William Paul Young vorgenommen hatte. Im Juni, gleich zu Beginn der Erfolgsgeschichte des Buches auch hier in Deutschland, textete der "stern"-Journalist seine Prognose, die in der Ausgabe zum Buchcover abgedruckt wurde: "Die Verdichtung von Stephen-King-Horror und teleevangelischer Vulgärtheologie im uramerikanischsten Ort, der Hütte, machte das Buch in den USA zum Millionenseller", hieß es da.

"Unsere Prognose: Nach erster Neugier wird 'Die Hütte' hier bald wieder zu Kleinholz. Für dauerhaften Erfolg müsste man das Buch adaptieren: Sparkassendirektor Meier nimmt seine Steuererklärung mit in sein Gartenhäuschen und verzweifelt über der Anlage N. Nach einwöchigem Jägermeisterrausch erscheint ihm Gott in Gestalt des Kassenwartes des örtlichen Kleingartenvereins und hilft ihm bei der Absetzung seines Aufsitzrasenmähers. Denn jedes Land hat die Graswurzelkirche, die es verdient: In den USA ist es die existenzialistische Hütte, in Deutschland das Kleingartenhäuschen."

Abgehen von dem wirren Vergleich der Verzweiflung eines Menschen über den Verlust seines Kindes und der über der Steuererklärung – zu "Kleinholz" ist die "Hütte" nicht geworden. Im Gegenteil: nach Angaben des Allegria-Verlages, in dem der Roman erschienen ist, wurden seit Erscheinen im Juni rund 310.000 Exemplare des Buches verkauft.

Dauerbestseller in den USA


Auch in den USA ist der Erfolg von "The Shack" – so der Originaltitel – ungebrochen. Seit 80 Wochen hält sich das Buch auf der Bestsellerliste der "New York Times", aktuell rangiert er auf Platz 3. Übertroffen wird die Dauer der Platzierung lediglich von Paulo Coelhos "Der Alchimist" (115 Wochen).

Nach dem Erfolg auch in Deutschland sah es im Sommer dieses Jahres freilich nicht aus. Nicht nur große Magazine und Tageszeitungen sahen in dem Roman kein Potential für einen Bestseller, Kritiker aus christlichen Kreisen halten die Geschichte wohl nach wie vor für Häresie: von der Kritik, das Buch sei ein Verstoß gegen das 2. Gebot ("Du sollst dir kein Bildnis machen") bis hin zu dem Vorwurf, William Paul Young lasse in seinem Roman das Jüngste Gericht unter den Tisch fallen, rangierten die Urteile. Andere sehen in dem Buch eine Gefahr für die Gemeinden – vermittele Young doch die Meinung, dass Glaube auch abseits von Kirchen- oder Gemeindezugehörigkeit bestens gelebt werden könne.

Abgesehen von all der Kritik, "Die Hütte" fasziniert auch deutsche Leser bis heute. Auf dem Webportal zum Buch – www.wochenende-mit-gott.de – das ERF Online in Kooperation mit pro betreibt, hinterlassen Hunderte Leser des Buches ihre Eindrücke. Und die sind überwiegend positiv. Eine Leserin etwa berichtet davon, wie sie selbst vor einigen Jahren ihr Kind verloren hat und seitdem in der Begleitung von Trauernden engagiert ist. "Die Hütte" sei das Buch, das sie allen Menschen in ähnlichen Situationen empfehle. Andere veranstalten Lesungen aus dem Buch – zu denen gerade Leute kommen, die aus dem eigenen Leid keinen Ausweg mehr sehen.

Für den Allegria-Verlag in Berlin, der zur Ullstein Gruppe gehört, ist "Die Hütte" natürlich ein enormer Erfolg – an den nicht einmal das vielfach besprochene und ebenso diskutierte Buch des Atheisten Richard Dawkins, "Der Gotteswahn",  heranreichen kann, das im gleichen Verlagshaus erschienen ist. Michael Görgen, Allegria-Verlagsleiter, bringt das Phänomen gegenüber pro auf den Punkt: "Ohne Gott läuft gut, aber mit Gott läuft besser."

Von: AD

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