Jose Saramango hat mit seinem neuesten Buch "Kain" eine heftige Debatte in der portugiesischen Gesellschaft ausgelöst.

Proteste wegen Atheisten-Buch

Der portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago hat mit seinem neuesten Werk "Caim" (Kain) eine heftige Debatte ausgelöst. In dem Roman liefert der Autor aus Sicht der "Financial Times Deutschland" "einen sogar für ihn furiosen Rundumschlag gegen Gott, die Bibel und die Kirche". Der Schriftsteller selbst wehrt sich gegen die aufbrandende Kritik.

In «Caim» beschränkt sich Saramago nicht nur auf die Episode der Tötung des Hirten Abel durch seinen neidischen Bruder Kain. Er führt ihn auch durch Passagen des Alten Testaments, in denen Kain gar nicht vorkommt und lässt ihn die Verurteilung von Sodom und Gomorrha, die Episode des Goldenen Kalbs oder Noahs Arche miterleben. Anstoß nehmen die Kritiker vor allem an den Äußerungen Saramagos über die Bibel.

Er halte die Angriffe von kirchlichen Vertretern und katholischen Politikern nicht für verwunderlich. Deren Beunruhigung wurzele in der Tradition, eigene Interpretationen der Bibel durch die Gläubigen jahrhundertelang zu verhindern, so Saramago. "Ein Katalog von Grausamkeiten" sei die Bibel, heißt es in dem Buch. Dort schildert er Gott als eifersüchtig und rachedurstig.

Diese Aussagen treiben seine portugiesischen Landsleute auf die Barrikaden. Der stellvertretende Präsident des Europäischen Parlaments, der Portugiese Marió David, hatte Saramago dazu aufgefordert, die portugiesische Staatsangehörigkeit aufzugeben. Aber auch Vertreter der Kirchen, einfache Gläubigen und Berufskollegen im katholisch geprägten Portugal laufen Sturm gegen diese Worte.

"Dieser Mann ist der Teufel", machte eine ältere Frau vor einem Sonntagsgottesdienst in Lissabon ihrem Ärger lauthals Luft. In der Nähe von Porto fand ein erster Protestmarsch gegen den bekennenden Atheisten und Kommunisten statt, mit namenhaften Vertretern aus Politik und Gesellschaft. Der frühere Kultur-Staatssekretär Sousa Lara verglich den Publizist gar mit dem skandalumwobenen, italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi.

"Unangenehmster Kerl der iberischen Halbinsel"

Der portugiesische Bestsellerautor Miguel Sousa Tavares meinte in der Wochenzeitung "Expresso", alles an Saramago sei "Eitelkeit und Selbstdarstellung". In anderen Kommentaren wird der Autor als "Ignorant" und als "Ketzer", als "verbittert" und "publicitygeil" beschimpft. Einige sprechen Saramago sein literarisches Können ab. Sogar das Lifestyle-Magazin "GQ" schaltete sich in den Streit ein und titelte: "Er ist einfach der unangenehmste Kerl der iberischen Halbinsel."

Aus Sicht des FAZ-Autors Paul Ingendaay sei es "lustig", dass sich die monotheistischen Religionen in der Verurteilung ausnahmsweise einig sind. Die Bischofskonferenz in Portugal wies die Attacken des Literaten als "naiv" zurück. Seine Worte seien sehr verletzend, so der Präsident der Islamischen Gemeinde Lissabons, Abdool Vakil. Der jüdische Geistliche Eliezer di Martino meinte, Saramago kenne die Bibel überhaupt nicht. Sogar im fernen Brasilien entrüstete sich der evangelische Theologe Miguel Cox: "Lächerlich!".

Bei zahlreichen öffentlichen Auftritten in den vergangenen Tagen hielt Saramago energisch an seiner Meinung fest. Er beschränke sich darauf, "die Steine aufzuheben um zu zeigen, was darunter ist". "Caim" sei "ein Aufstand in Buchform", damit die Leser erkennen, dass sie jeden Tag manipuliert würden. "Wir müssen dagegen ankämpfen.

Buch richtet sich gegen Menschheit, die Gott erfunden hat


Einer der wenigen, die sich auf Saramagos Seite stellen ist der Theologe Anselmo Borges: "Ich meine das Buch ist von großer Bedeutung, weil es die Gläubigen zur Reflexion zwingt." Angst vor den Protesten habe er nicht, schließlich würden "die Feuer der Inquisition nicht mehr existieren". Mit dem Buch stelle er nicht Gott in Frage, sondern die Menschheit, die ihn erfunden habe. Angst vor dem Gegenwind hat er nicht, bekennt Saramago, da die "Feuer der Inquisition nicht mehr brennen."

Der 87-Jährige hatte erst in den 80er Jahren den nationalen Durchbruch mit dem Roman "Hoffnung im Alentejo" geschafft. Als die katholische Kirche in den 90er Jahren seinen Roman "Das Evangelium nach Jesus Christus" als blasphemisch anprangerte, litt erstmals sein Ansehen in großen Teilen der gläubigen Bevölkerung. Die Regierung zog seine Nominierung für den Europäischen Kulturpreis zurück. Aus Protest verließ er Portugal und lebt seitdem mit seiner Frau auf der spanischen Insel Lanzarote.1998 wurde ihm der Nobelpreis verliehen. Für Aufsehen sorgte er auch mit seiner Idee, Portugal und Spanien zu vereinigen. Im letzten Sommer hatte er den italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi als Verbrecher beschimpft. (pro)

Von: JW

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