Ralf König ist für religionskritische Comics bekannt - und wurde nun auch dafür ausgezeichnet.

Ralf König für Bibelcomic ausgezeichnet

Ralf Königs Comic "Prototyp" ist eine Persiflage auf die biblische Schöpfungsgeschichte. Auf der Frankfurter Buchmesse wurde der bekennende Atheist nun dafür ausgezeichnet. In einem Interview mit der ARD erklärte er kürzlich, Religion habe ihn "schon immer aufgebracht".

"Prototyp" ist Ralf Königs Version der biblischen Geschichte von Adam und Eva. In der Buchbeschreibung von "Rowohlt" heißt es: "Wie Ralf König über Sünde, Willensfreiheit, Trieb, Erkenntnis und all das philosophiert, wie lachmuskelstrapazierend und mit welch nadelspitzem Witz – das muss man gesehen, gelesen, wieder und wieder gelesen und im Herzen gewogen haben." Das fanden auch die Comicleser. Rund 37.000 Personen wählten bei der Ausscheidung zum "besten nationalen Comic" mit und machten Ralf König unter die insgesamt sieben "Sondermann"-Preisträger. Die undotierte Auszeichnung wurde dem Zeichner auf der gerade zu Ende gegangenen "Frankfurter Buchmesse" überreicht, wie "Spiegel Online" berichtet. 

"…dann würden wieder Scheiterhaufen brennen"

Ralf König ist bekannt für seine Comics über Homosexuelle und gilt deshalb auch als Chronist der deutschen Schwulenszene. Mit den Comicbüchern "Prototyp" und "Archetyp" widmete er sich in den letzten Jahren aber verstärkt biblischen Themen. Ganz zum Ärger vieler Christen. Als die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (F.A.Z.) seine religionskritische Version der Geschichte Noahs, den "Archetyp", in diesem Jahr abdruckte, hagelte es empörte Leserbriefe. Im ARD-Digitalsender "Einsfestival" erklärte er nun, dass er die "bösen Reaktionen" auf seinen Comic nicht verstehe. Dass man sich über "Mythen und Mären" nicht lustig machen dürfe und manche diese auch noch wörtlich nähmen, habe ihn überrascht.

"Religion hat mich schon immer aufgebracht", sagte er weiter. Als Schwuler sehe er in allen großen Religionen Tendenzen, die Homosexualität zu verbieten. Ungläubige, Frauen und Schwule würden diskriminiert. "Wenn diese Religionen politische Macht hätten, dann würden auch wieder Scheiterhaufen brennen", meint König. Sein Gegenmittel: "Man sollte jede Menge religiöse Witze reißen, damit diese Leute sich nicht so ernst nehmen."

Intolerant, borniert, humorlos

Er selbst sei aufgrund seiner Comics "bisher nicht bedroht worden", kenne aber christliche Vereine, die sich über seine Arbeit beschwert hätten. "Das gruselige an diesen Menschen ist, dass sie sich auf ihr Christsein berufen und das Gegenteil sind", nämlich intolerant borniert und humorlos, wie König weiter erklärte. Gerne könnten sich Christen auch über sein Atheistsein lustig machen. "Das Problem ist, dass diese Leute nicht lachen", so König. Wenn man von ihm verlange, die Arche Noah als Geschichte ernst zu nehmen, sei das fundamentalistisch. Angefeuert durch den radikalen Islam stünden in Deutschland nun auch diese christlichen Fundamentalisten in den Startlöchern.

Ralf König schuf mit seinen Comics unter anderem die Vorlage zu Filmen wie "Der bewegte Mann" und "Kondom des Grauens". 2006 erhielt König für seine gezeichneten Kommentare zum Karikaturenstreit den Max-und-Moritz-Preis. Seit September 2007 ist er Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der atheistischen Giordano Bruno-Stiftung. (PRO)   

Von: aw

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