Craig Gross (r.) und Mike Foster sind bekannt für unkonventionelle Methoden - etwa das Missionieren auf Pornomessen.
"Jesus liebt Pornostars": Eine Bibel mit diesem Aufdruck sorgte bei der größten Pornomesse der USA in Las Vegas für Aufsehen.
Der "Pornopastor": Craig Gross
In seinem neuen Buch will Gross beweisen: Jesus liebt jeden.
Umstritten: Gross debattiert regelmäßig mit seinem Freund Ron Jeremy - einem berühmten Pornodarsteller.

"Pornopastor" mit neuem Buch: "Jesus liebt jeden"

Er nennt sich selbst Pornopastor, sein Internetprojekt trägt den Titel: "Die erste christliche Pornoseite". Was verrucht klingt, hat evangelistische Hintergründe - Pastor Craig Gross missioniert mitten in Las Vegas. Während ihm Kritiker vorwerfen, ein "Kuschelevangelium" zu verbreiten, stellt er nun in einem neuen Buch klar: "Jesus liebt dich – da bin ich mir sicher".

Mittlerweile ist es nichts Ungewöhnliches mehr, dass in den Straßen der Party- und Glücksspielstadt Las Vegas Tag für Tag ein Bus mit der Aufschrift "Jesus liebt Sin City" auf und ab fährt. Hier kann es sogar passieren, dass Fußgänger mitten auf dem weltberühmten "Strip" eine Bibel mit der Aufschrift "Jesus liebt Pornostars" in die Hand gedrückt bekommen oder ehemalige Stripperinnen auf Pornomessen missionieren. Das alles ist nahezu alltäglich geworden, weil eine Hand voll junger Christen vor sieben Jahren den ersten Schritt dazu gemacht haben. 2002 predigte der Jugendpastor und heute 33-jährige Craig Gross zum ersten Mal auf dem Las Vegas-Strip. Seitdem ist die Mission unter Drogen- und vor allem Pornographie-Abhängigen für ihn und seine Mitarbeiter zur Lebensaufgabe geworden. Im Oktober veröffentlicht er gemeinsam mit seinem Kollegen Jason Harper ein neues Buch, das ein für allemal klar stellen soll, dass der Gott, an den sie glauben, sich jedem zuwendet – Süchtigen genauso wie Pornostars, Straftätern oder Ultrareligiösen.

"Wir alle sind Menschen, die Gott brauchen"

"Jesus liebt… nun füllen Sie die Lücke. Denken Sie an Gauner oder Vollzeitmütter, Prostituierte und Pastoren, Pornostars und Führungskräfte. Jesus liebt jeden von ihnen. Für Jesus sind wir alle nur Menschen, die Gott brauchen, um uns aus dem Schlamassel zu erlösen, in dem wir stecken, und uns einen besseren Weg zu weisen", schreiben Gross und Harper in ihrem Buch und beschreiben damit ein Christsein, dass sie seit vielen Jahren leben. 2002 gründete Gross gemeinsam mit einem Freund  die Internetcommunity "XXXChurch" – eine Berufung, wie sie heute sagen. Die Internetseite soll jene ansprechen, die süchtig nach Pornographie sind. Dazu bieten die Christen Beratung und Informationen an, etwa durch Filme mit "Pete, the pornopuppet" (Pete, die Pornopuppe), eine Handpuppe, die über die Folgen von Pornokonsum aufklärt. Zudem können sich Betroffene auf der Seite ein Programm herunterladen, das ihren eigenen PC nach Internetseiten mit pornographischem Inhalt durchsucht und diese Daten an eine ausgewählte Person weiterleitet – das soll die Selbstkontrolle unterstützen.

"Wir haben junge Menschen kennengelernt, die Probleme mit Pornographie hatten, aber in der Kirche keine Ansprechpartner finden konnten", erklärt Gross sein Engagement in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender "ABC News". In seinem Buch geht der Jugendpastor mit seiner Kritik noch weiter: Im Laufe der Jahre hätten die Christen die Botschaft Jesu verdreht, schreibt er. Gängig sei die Auffassung, man müsse glauben, dann ändere man sich durch den Glauben und letztendlich, wenn man sich verändert habe, könne man zur Gemeinschaft gehören. "Es ist Zeit, das über Bord zu werfen", heißt es weiter, denn der Jesus der Bibel habe ausnahmslos jeden angenommen. "Es ist grundlegend, den Leuten zu zeigen, dass sie in deine Welt gehören, auch wenn sie sich nicht so verhalten, denken oder glauben wie du."

Befreundet mit dem erfolgreichsten Pornostar der Welt

So kommt es nicht von ungefähr, dass Gross mittlerweile sogar den erfolgreichsten Pornodarsteller der Welt, Ron Jeremy, seinen Freund nennt. Regelmäßig treffen sich die beiden Männer an Universitäten zu öffentlichen Debatten über das Pornogeschäft. Ende des Jahres will das Team um den jungen Evangelisten die erste Kirche auf dem "Strip" eröffnen. In der Vergangenheit ließen sie sogar 10.000 Bibeln drucken und verteilten sie auf Amerikas größter Pornographiemesse in Las Vegas. Sie organisieren Frühstückstreffen für Abhängige und Kirchenvertreter und verteilen in den Straßen Wasserflaschen mit der Aufschrift: "Strip-Kirche – der Wüste etwas zu trinken bringen".

Doch die Aktionen der Christen finden nicht nur Befürworter, wie die Zeitung "Time" berichtet. Die "American Bible Society" etwa weigerte sich, die Bibel mit der Aufschrift "Jesus liebt Pornostars" zu verlegen. Der Slogan sei "irreführend" und "unangemessen" hieß es. Der Verlag "NavPress" hingegen druckte die Neuen Testamente mit dem Hinweis: "Dies ist eine Bibel für Menschen, die nicht perfekt sind. Aber wer von uns ist das schon?" In einem Interview mit "ABC" sagt JR Mahon, ein Mitarbeiter des Missonsteams: "Bis heute ist mein Postfach voll mit Nachrichten von Menschen, die uns nicht ertragen können, die uns hassen, die uns wünschen, dass wir zur Hölle fahren. Unsere größten Kritiker sind Christen." Solche nämlich, die die Frage bewegt, ob Gross nicht einfach über die Sünden der Menschen hinwegsehe und ihnen eine Art "Kuschelevangelium" verkünde.

Buchtour zu den Ausgestoßenen

Diese Kritiker werden wohl auch nicht verstummen, wenn sich Gross und sein Team pünktlich zum Erscheinen des Buches auf eine außergewöhnliche Amerikareise begeben. Wie die Autoren auf ihrer Webseite verraten, werden die Evangelisten sechs Städte in den USA besuchen. In Topeka wollen sie demonstrieren, dass "Gott die Religiösen liebt", wie ein Kapitel ihres Buches heißt. Dort ist die "Westboro Baptsist Church" angesiedelt, deren Mitglieder dafür bekannt sind, dass sie mit Schildern gegen vermeintliche Sünder demonstrieren – etwa mit Slogans wie "Gott hasst Schwule" oder "Ihr werdet in der Hölle schmoren". Gross und Harper wollen dort an einem Gottesdienst teilnehmen. Anschließend fahren sie nach Las Vegas, wo sie unter dem Motto "Gott liebt Vielfraße" Lunchpakete verteilen wollen. In Los Angeles debattiert Gross mit Ron Jeremy, bevor es weiter nach Detroit geht, wo die Christen unter dem Motto "Jesus liebt die Ausgestoßenen" ein Haus verschenken wollen. Außerdem werden die Autoren im "Folsom"-Gefängnis predigen und ihre Tour mit einem Besuch einer Schwulenparade in Atlanta abschließen. Ihre Mission beschreibt Harper so: "Dort wollen wir klar machen, dass Jesus die Menschen so liebt, wie sie sind. Wir können die Spiritualität der Menschen ansprechen und Gott an ihren Herzen arbeiten lassen". (PRO)

Von: aw

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