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Kritik an Kirchenpräsenz im Rundfunk

Die frühere SPD-Finanzpolitikerin Ingrid Matthäus-Maier hat gefordert, dass der Einfluss der Kirchen in den Rundfunkräten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten schrumpft. Stattdessen sollten Muslime und Säkulare stärker vertreten sein.
Von Nicolai Franz
Rundfunk, Fernsehturm, Berlin

Foto: Claudio Schwarz | @purzlbaum on Unsplash

Haben die Kirchen zu viel Einfluss im öffentlich-rechtlichen Rundfunk? Eine humanistische Vertreterin ist dieser Ansicht.

„In einer Zeit, in der wir eine gemischte Gesellschaft haben, in der nur noch die Hälfte der Bevölkerung in einer der großen Kirchen ist, kann es nicht sein, dass Säkulare, Hindus und Muslime ausgeschlossen sind“, sagte Ingrid Matthäus-Maier der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS).

Neben den Sitzen in den Rundfunkräten, den Kontrollgremien der öffentlich-rechtlichen Anstalten, haben die Kirchen auch das Recht auf „Verkündigungssendungen“ wie das Wort zum Sonntag. Das Freitagsgebet könnten die vier Millionen Muslime hingegen nicht verfolgen, so die FAS.

Derzeit sind die beiden Kirchen als gesellschaftlich relevante Kraft, zu der mit 44 Millionen Mitgliedern mehr als die Hälfte der Bevölkerung zählt, in den Rundfunkräten mit jeweils mehreren Sitzen vertreten. Matthäus-Maier sitzt selbst als Repräsentantin des Humanistischen Verbandes des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und der Giordano-Bruno-Stiftung im WDR-Rundfunkrat. Zusammen haben diese Verbände etwa 32.000 Mitglieder, was 0,04 Prozent der Bevölkerung entspricht. Matthäus-Maier begründet den Anspruch der Atheisten jedoch mit der großen Zahl der Nicht-Kirchenmitglieder.

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, kritisierte im selben Artikel der FAS den Vorstoß der Juristin als Kampagne gegen die Kirchen. „Nicht alle, die nicht in einer Kirche sind, stimmen automatisch mit den Zielen der Giordano-Bruno-Stiftung überein.“

Säkulare und Muslime bereits in Rundfunkräten vertreten

Sowohl Sternberg als auch Matthäus-Maier fordern laut der FAS, dass „endlich islamische Vertreter in die Rundfunkräte“ kommen. Während in mehreren Rundfunkräten Atheistenverbände vertreten seien – wenn auch nur vereinzelt und nicht mit festem Sitz –, säßen Muslime laut der FAS „nirgendwo im Runfunkrat“.

Tatsächlich gibt es in mehreren Rundfunkräten islamische Vertreter. Im ZDF-Fernsehrat repräsentiert Kerim Ocakdan die Muslime in Niedersachsen. Er ist stellvertretender Vorsitzender der Islamischen Gemeinschaft Milli Görüs in Braunschweig. Milli Görüs wird eine starke Nähe zur AKP nachgesagt, der Partei des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Ein weiterer islamischer Vertreter sitzt seit einer Entscheidung 2013 im SWR-Rundfunkrat. Damals hatte die Vereinigung evangelischer Freikirchen ihren Sitz abgeben müssen. Neben den eigenen Mitgliedern hatte die VEF auch die orthodoxen Kirchen vertreten. Nach eigenen Angaben waren das in Baden-Württembereg und Rheinland-Pfalz insgesamt 550.000 Menschen.

Von: Nicolai Franz

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