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“Krieg soll nicht sein”

Deutsche Soldaten können Afghanistan derzeit nicht einfach verlassen. Das hat der Ratsvorsitzende der Evanglischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, am Donnerstag in Berlin erklärt. Obwohl Krieg nach Gottes Willen nicht sein solle, gebe es keine Alternative zum Aufbau von Sicherheitsstrukturen im Land. Anlass des öffentlichen Auftritts war die Aufführung der christlichen Produktion "Unter Verdacht", in der ein Soldat traumatisiert aus dem Kriegsgebiet zurückkehrt.

Von PRO

Foto: ZDF und Christian A. Rieger

Rund 5.000 deutsche Soldaten sind derzeit in Afghanistan stationiert. Glaubt man dem Berliner Traumatologen Norbert Kröger, besteht bei einem Drittel der in Kampfhandlungen verwickelten Soldaten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, an einer sogenannten posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zu erkranken. Heißt: Grob gerechnet jeder dritte Soldat würde traumatisiert aus einer Krisenregion zurückkehren. Nun sind aber längst nicht alle dort Stationierten in Kampfhandlungen verwickelt. "Von den 5.000 hören 4.000 Soldaten nie einen Schuss", erklärte der Gründer der "Kinderhilfe Afghanistan", Reinhard Erös, am Donnerstag in Berlin. Gemeinsam mit Kröger, Präses Nikolaus Schneider, der ZDF-Redakteurin Elke Müller und dem Brigadegeneral Christof Munzlinger nahm er an einer Podiumsdiskussion zum Engagement Deutschlands in Afghanistan teil. Anlass war der am Samstag, 3. September, im ZDF laufende Krimi "Unter Verdacht – Rückkehr".

Der Protagonist dieses TV-Films der christlichen und EKD-nahen Firma "Eikon Media GmbH" hört Schüsse – und derer nicht zu wenig. Als Polizist bildet Eric Glasner, gespielt von Ulrich Tukur, in Afghanistan Frauen und Männer an der Waffe aus. Bei einem Anschlag stirbt eine Afghanin, zu der er eine Liebesbeziehung hat. Glasner kehrt traumatisiert nach Deutschland heim und quittiert seinen Dienst bei der Polizei. Fortan verdingt er sich als Bodyguard – ausgerechnet für einen afghanischen Unternehmer, der in Waffengeschäfte verwickelt zu sein scheint. Nach und nach kommt eine Ermittlerin namens Eva Maria Prohacek alias Senta Berger einem Racheplan des ehemaligen Beamten Glasner auf die Schliche.

"Das Böse nicht einfach laufen lassen"

Kriminalität könne eine der zahlreichen Folgen einer PTBS sein, erklärte der Fachmann Kröger am Donnerstag. In der auf den Film folgenden Debatte ging es dann aber weniger um die körperlichen Auswirkungen des Krieges auf die Soldaten. "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein", sagte Präses Schneider, schob aber hinterher: "Das Böse ist in der Welt, das kann man nicht einfach laufen lassen." In bestimmten Fällen seien Militärinterventionen somit notwendig. Sicher sei er sich aber in einem: "Militärische Gewalt wird keinen Frieden bringen." Schneider selbst hatte die Truppen in Afghanistan in der Vergangenheit kurz besucht und brach in Berlin eine Lanze für die Frauen und Männer. "Wir haben es da nicht mit Rambos zu tun", vielmehr habe er die Soldaten bedacht und nach Lösungen suchend erlebt. Einig seien sie sich aber darin, dass man sich in Afghanistan "auf dünnem Eis" bewege.

Das gab auch Munzlinger zu, der 2006 Kommandeur in Afghanistan war. Zwar habe er nie das Gefühl gehabt, seinen Auftrag nicht erfüllen zu können, dort eine Demokratie nach westlichen Maßstäben zu errichten, sei aber derzeit eine Illusion. "Wir werden sicher keine 20 oder 30 Jahre mehr dort bleiben, aber morgen raus können wir auch nicht", prognostizierte er und rechtfertigte den Einsatz mit den Worten Luthers: Man müsse "ungerechter Gewalt mit gerechter Gewalt in den Arm fallen". Für Erös ist das eine Mär: Der militärische Einsatz der Nato in Afghanistan ist Unsinn", sagte er. Schließlich werde die Sicherheitslage dort von Jahr zu Jahr schlechter und es sei das "korrupteste Land der Welt". Militär sei keine Lösung, es sei das Problem. Außerdem wünsche er sich mehr Kirchenvertreter nach dem Vorbild Margot Käßmanns, die ihre Meinung zum Krieg öffentlich bekennen und die Verhältnisse anprangern würden: "Das ist ein Riesendefizit." (pro)

"Unter Verdacht – Rückkehr" läuft am 3. September um 20.15 Uhr im ZDF

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