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Kretschmann will in Glaubensdingen überzeugt werden



Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist offizieller Gastgeber des Papstes bei seinem Besuch im "Ländle". Doch der streitbare Grünen-Politiker und bekennende Katholik verhehlt nicht, dass er viele Fragen an seine Kirche hat – und geht offen damit um. Zugleich betont er, wie ihm der Glaube im politischen Alltag hilft.
Von PRO

Foto: www.winfried-kretschmann.de



Jesus habe ausdrücklich zur Kritik aufgefordert, äußerte sich der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. "Die heutige Kirchenführung dagegen sieht in Kritik sehr schnell Illoyalität und Ungehorsam." Die Kirche müsse sich entscheiden: "Will sie, dass wir gehorchen, oder will sie uns überzeugen? Wir wollen in Glaubensdingen überzeugt werden und nicht gehorchen, weil das gar nicht geht."



Verhältnis von Glaube und Vernunft wichtig



Zugleich warf er dem Papst mangelnde Diskussionsbereitschaft vor: "Die alten Traditionen – wir verkünden, Ihr gehorcht – haben die Oberhand gewonnen", sagte Kretschmann in einem Interview mit der "Badischen Zeitung" (BZ): "Zentrales Thema aller Gottsucher im 21. Jahrhundert und auch dieses Papstes ist das Verhältnis von Glaube und Vernunft". Wenn man in einer naturwissenschaftlich geprägten Welt nicht über solche Fragen öffentlich diskutiere und frage, was das praktisch für das Kirchenleben bedeute, "dann kann ich mir nicht vorstellen, dass man aus der Krise herauskommt", findet der Ministerpräsident klare Worte.



Er könne nur schwer verstehen, weshalb zum Beispiel der Priestermangel die Kirche nicht in Aufruhr versetze: "Da geht es wirklich an die Substanz." Die Kirche werde nicht aus der Krise kommen, wenn sie ihre Probleme nicht offen diskutiere. Dafür, dass Frauen nicht zu Priestern geweiht und Priester nicht heiraten dürften, sehe er keinen vernünftigen Grund: "Statt offen zu debattieren, werden Dogmen wie eine Monstranz unerklärt vor sich hergetragen."



Diskutieren auf der Basis des Evangeliums



In Bezug auf die innerkirchlichen Auseinandersetzungen erinnert Kretschmann an das Paulus-Wort: "Prüfet alles, das Gute behaltet". Glaube zeitgemäß zu machen, gehe oft nur über kultivierten Streit. Diskutiert werden müsse aber auf der Basis des Evangeliums von Jesus Christus: "Das will ja niemand verändern, das ist wie eine Verfassung, auf deren Boden diskutiert wird.

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Im "BZ"-Interview betont Kretschmann, wie ihm der Glaube im politischen Alltagsgeschäft hilft: "Wenn er nur der Erbauung am Sonntagmorgen dienen würde, wäre er ja nicht viel wert. Als ich ein junger Grüner war, dachte ich, ich muss die Welt retten. Heute weiß ich, ich kann die Welt nicht retten, ich habe sie nicht geschaffen, das kann nur der, der sie geschaffen hat. Der Glaube befreit einen von Zwängen, dass man sich übernimmt oder übermütig wird. Er gibt Grundvertrauen in die Welt und die Menschen. Glaube schenkt Gelassenheit. Wer glaubt, kann auch den Glauben anderer besser verstehen." Kirche und Glauben will er nicht getrennt sehen: "Ich verdanke der Kirche meinen Glauben. Sie hat das Evangelium tradiert und erhalten, sie ist so etwas wie das Gedächtnis des Evangeliums." Kretschmann ist Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken. (pro/dpa)

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