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Kongress christlicher Führungskräfte eröffnet

Der 8. "Kongress christlicher Führungskräfte" (KcF) ist eröffnet: Bis Samstag werden mehr als 3.000 Besucher zu dem Wirtschaftstreffen in Leipzig erwartet. Auf dem Programm stehen Vorträge und Seminare zu Themen wie Burnout, Mitarbeitermotivation oder Unternehmensverantwortung.
Von PRO

Foto: RP

Pastor Horst Marquardt, Vorsitzender des Kongresses, stellte zur Begrüßung fest, dass das Kongressmotto "Mit Werten in Führung gehen" durch die Wirtschafts- und Finanzkrise an Bedeutung gewonnen habe. "In den nächsten Tagen erwarten wir Großes von Gott", ermutigte er die Zuhörer. Der Führungskräftekongress findet bereits zum achten Mal statt. Er wird von der Evangelischen Nachrichtenagentur "idea" in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung "tempus Akademie und Consulting" veranstaltet und von einer breiten Allianz aus Unternehmerverbänden, landes- und freikirchlichen sowie anderen christlichen Organisationen getragen.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) machte in seinem Grußwort darauf aufmerksam, dass Christen nicht automatisch bessere Unternehmer, Politiker oder Menschen seien: "Aber wir leben mit dem Anspruch, dass wir uns an unseren Überzeugungen messen lassen müssen." Der Politiker wies darauf hin, dass wirtschaftliche Vernunft Hand in Hand mit Verantwortung für Mensch und Umwelt gelebt werden müsse. Vom Kongress erhoffe er sich "eine Stärkung derer, die der Nachfolge Jesu verpflichtet ihre Verantwortung wahrnehmen".

"Mein christlicher Glaube gibt mir die Grundlage für verantwortliches Handeln"

"Ein Unternehmen kann man nicht christlich führen", erklärte Nicola Leibinger-Kammüller, Vorsitzende der Geschäftsführung des Familienunternehmens "Trumpf", bei der Eröffnungsveranstaltung des christlichen Führungskräftekongresses. Ein Unternehmen könne man gut oder schlecht führen, aber eine christliche Unternehmensführung gebe es nicht. "Gleichzeitig bin ich davon überzeugt, dass uns das Wertesystem unseres Glaubens gute Rahmenbedingungen nahelegt."

So stünde das Wertesystem von "Trumpf" auf den drei Säulen der langfristigen Unternehmensführung, der Mitarbeiterorientierung und darin, zum Wohl des Umfeldes beizutragen. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung seien bei "Trumpf" beispielsweise doppelt so hoch wie im Branchendurchschnitt. Um den Mitarbeitern und deren sich im Lauf ihres Lebens ändernden Bedürfnissen Rechnung zu tragen, habe das Unternehmen ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt. Die Mitarbeiter können nun alle zwei Jahre neu wählen, wie viele Wochenstunden sie arbeiten möchten.

Leibinger-Kammüller machte deutlich, dass sie unter der dritten Säule, dem Wohl des Umfeldes, nicht ausschließlich das Engagement in "Corporate Social Responsibility"-Projekten verstehe, sondern auch darin, als Familienunternehmen Position in gesellschaftlichen Diskussionen zu beziehen: "Wir haben in mancher Debatte etwas beizutragen", erklärte die Unternehmerin. Das sei nicht immer angenehm, beispielsweise als "Trumpf" in der überhitzten Atmosphäre um den Bahnhof "Stuttgart21" Position für das Projekt bezogen habe. Sie forderte von Politik und Kirche keine Umverteilungspolitik, sondern eine in die Zukunft gerichtete Politik, die auf Wachstum und Wohlstand ausgerichtet sei: "Unternehmen scheinen manchem Wahlkämpfer als geduldige Lastesel, die schon alle neuen Lasten stemmen werden. Das Gegenteil ist der Fall. Höhere Steuern gehen an die Substanz vieler Unternehmen."

Konfliktsituationen seien es, in denen sich zeige, an welchem Wertegerüst sich ein Unternehmer  orientiere. "Nutzt man Ressourcen deshalb effizient, weil man Verantwortung für Gottes Schöpfung empfindet, oder weil es für den eigenen Geldbeutel gut ist?", fragte Leibinger-Kammüller. "Wo beides dasselbe Ergebnis hat, da lohnt die Diskussion nicht." Erst dort, wo es zu Zielkonflikten komme, trenne sich die Spreu vom Weizen. Dort seien der Mensch und das Wertegerüst, das ihn trägt, entscheidend. Die Unternehmerin bekannte: "Ich bin der festen Überzeugung, dass mir mein christlicher Glaube die Grundlage für verantwortliches Handeln gibt."

Bereits am Vorabend fand ein Festgottesdienst zum Auftakt des Kongresses statt. Der Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens, Jochen Bohl, wies bei seiner Predigt in der Nikolaikirche darauf hin, dass Reichtum nicht dem Selbstzweck diene: "Wer ein Leitungsamt innehat, dem sollte es um Zusammenhalt und Teilhabe aller gehen." Ein Christ in einer Leitungsfunktion solle von sich selbst absehen und der Gemeinschaft dienen. (pro)

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