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Kongress Christenverfolgung: „Wir erleben einen Angriff auf die Menschlichkeit“

Mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Terroranschläge von Paris begann der Kongress „Christenverfolgung heute“ am Sonntag im Christlichen Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd. Gerade jetzt müssten Christen zu ihren Werten stehen und dürften sich von niemandem einschüchtern lassen, sagte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, Volker Kauder.
Von PRO
Christen dürften sich durch Terroranschläge wie den in Paris nicht einschüchtern lassen, sondern sollten gerade jetzt zu ihrem Glauben stehen, sagte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, Volker Kauder

Foto: pro / Zacharias

Christen dürften sich durch Terroranschläge wie den in Paris nicht einschüchtern lassen, sondern sollten gerade jetzt zu ihrem Glauben stehen, sagte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende, Volker Kauder
„In Frankreich wurde die Art, wie wir leben wollen, angegriffen“, sagte Kauder bei der Kongresseröffnung und nahm damit Bezug auf die Attentate in Paris. „Wer Menschen umbringt und Leben zerstört hat nichts Göttliches an sich. Ganz gleich, in wessen Namen er seine Taten begeht“, sagte er zu den Terroranschlägen des sogenannten Islamischen Staates (IS) in der französischen Hauptstadt. „Die Anhänger des IS vertreten ein verbrecherisches System. Wir lassen uns von ihnen nicht von unseren Werten und unseren christlichen Überzeugungen abbringen“, erklärte der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende. Kauder betonte aber auch, dass viele Muslime einen friedlichen Islam lebten und selbst unter den Taten des IS litten: „Auch Muslime und eigene Glaubensbrüder, die Sunniten, werden getötet.“ Trotz allem seien Christen die am meisten verfolgte Religionsgruppe weltweit. Vor allem in den Gebieten, in denen Muslime die Mehrheit in einem Land darstellten, gehe es Christen häufig schlecht. Deshalb sei es so wichtig, für Religionsfreiheit einzutreten. Kauder rief alle Christen dazu auf, „in Ruhe und Sachlichkeit“ ihre Werte zu vertreten und sich von niemandem einschüchtern und bedrängen zu lassen. Mit Bezug auf die Flüchtlingskrise sagte der Politiker, in Deutschland dürfe jeder seine Religion frei leben. Vom Tag der Ankunft im Land müsse er sich jedoch an geltendes Recht und an das Grundgesetz halten. Die aktuellen Herausforderungen für Politik und Gesellschaft seien groß. Kauder sprach sich aber dafür aus, jeden Flüchtling aus Kriegsgebieten zunächst einmal aufzunehmen. Besonders Christen sollten so handeln, denn schon in der Bibel sage Jesus, jeder Fremde müsse Asyl finden. Eine Aufnahme bedeute aber nicht zwangsläufig einen dauerhaften Aufenthalt. Deutlich sagte Kauder, dass dieses Asylrecht nicht für Wirtschaftsflüchtlinge aus Balkanstaaten gelten könne. Zwar könne er deren Beweggründe, nach Deutschland zu kommen, verstehen. Sie seien jedoch keiner konkreten Bedrohung in ihren Heimatländern ausgesetzt und hofften lediglich auf ein besseres Leben in Deutschland.

„Wir Christen haben keinen Grund zu verzagen“

Zur aktuellen politischen Debatte darüber, ob Flüchtlinge das Recht erhalten sollten, ihre Familien nachzuholen, sagte Kauder: „Familie ist zu schützen – unabhängig von Religion und Nationalität.“ Es müsse alles dafür getan werden, den Asylsuchenden mit Bleiberecht ein anständiges Leben zu ermöglichen. Gerade als Christ müsse er jedoch realistisch bleiben. Schon technisch sei es nicht möglich, „noch hunderttausend Familiennachzüge zu organisieren“. Auch wenn er sich bei dieser Entscheidung in „einem persönlichen Dilemma“ befinde, könne er sich derzeit nicht für ein Recht auf Familiennachzug für alle Flüchtlinge aussprechen. Von einer getrennten Unterbringung der Flüchtlinge nach Glaubensrichtung hält der Politiker zudem nichts. Stattdessen müsse erreicht werden, dass sich die Religionen untereinander akzeptierten. Mit Blick auf die noch kommenden Herausforderungen ermutigte er die Kongressteilnehmer: „Wir Christen haben keinen Grund, zu verzagen. Wir haben einen Gott, der uns leitet und begleitet.“

„Die Attentäter haben das bekämpft, wofür wir eintreten“

„Wir erleben in diesen Tagen einen Angriff auf die Menschlichkeit. Deshalb ist es so wichtig, dass wir uns auf unser Christsein besinnen und auf festem Grund stehen“, sagte der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold (CDU). Noch nie sei es so wichtig gewesen wie jetzt, für christliche Werte einzutreten. Auch Arnold nahm Bezug auf die Flüchtlingskrise. Er widersprach Kauder jedoch in der Frage des Familiennachzugs. Es sei falsch, den Flüchtlingen nicht zu erlauben, ihre Familien nachzuholen: „Zu den Grundkoordinaten des Christentums gehört die Menschlichkeit.“ Auch der Chef der Christlichen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, sagte: „Der Zeitpunkt und das Thema des Kongresses könnten kaum aktueller sein. Die Attentäter von Paris haben genau das bekämpft, wofür wir hier eintreten.“ In einem schriftlichen Grußwort erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD), Betroffene von religiös motivierten Gewalttaten seien häufig Menschen, die einer religiösen Minderheit angehörten oder in ihrer Gemeinschaft abweichende oder religionskritische Meinungen verträten. Dazu zählten unter anderem Christen. Das Ziel der Bundesregierung sei es, dazu beizutragen, dass „die kulturelle und religiöse Vielfalt des Nahen und Mittleren Ostens für die Zukunft bewahrt wird“. Anhänger aller Gemeinschaften sollten friedlich und gleichberechtigt zusammenleben können. Der Kongress „Christenverfolgung heute“ findet in diesem Jahr zum vierten Mal statt. Mehr als 650 Menschen hatten sich im Vorfeld für die Veranstaltung angemeldet. Bis zum kommenden Mittwoch wollen die Veranstalter über aktuelle Entwicklungen zum Thema Christenverfolgung in verschiedenen Ländern informieren, mit den Teilnehmern in Seminaren über die Ursachen von Verfolgung diskutieren und sie dazu motivieren, selbst für Verfolgte aktiv zu werden. Prominenter Gast ist neben Kauder auch Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltallianz. (pro)
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