Kennt und schätzt Steffen Kern, den designierten Chef des Gnadauer Verbandes: Jürgen Mette

Kennt und schätzt Steffen Kern, den designierten Chef des Gnadauer Verbandes: Jürgen Mette

Zwischen Kern-Fusion und Kern-Schmelze

In einer guten Woche könnte Steffen Kern zum neuen Chef des Gnadauer Verbandes gewählt werden. Jürgen Mette hält ihn für eine Idealbesetzung – und wagt einen Ausblick.

Am Samstag, dem 20. Februar, wird der Evangelische Gnadauer Gemeinschaftsverband einen neuen Präses wählen. Coronabedingt digital und nicht als Präsenzveranstaltung im mittelfränkischen Gunzenhausen, es sei denn, die als Zoom-Konferenz geplante Sitzung kommt aus technischen Gründen nicht zustande. Die Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden hat gezeigt, dass es funktioniert. Das spart Reise- und Hotelkosten und ist gut für das Klima, obwohl ich eine leibhaftige Begegnung auf der gastfreundlichen und komfortablen Hensoltshöhe immer einer virtuellen Sitzung vorziehen würde.

Zur Wahl steht lediglich ein Kandidat, und seine Chancen stehen nicht nur deswegen sehr gut. Der neue Mann heißt Steffen Kern. Ich halte ihn für eine Idealbesetzung, die Nachfolge von Michael Diener anzutreten. Der 48-jährige Pfarrer, Journalist und Autor, hauptberuflich Vorsitzender des Vorstandes der „Apis – Evangelischer Gemeinschaftsverband Württemberg“ (früher „Altpietisten“). Er gilt als einer der führenden Repräsentanten des Pietismus in Deutschland. Wir kennen und schätzen uns, auch durch manche gemeinsame Dienste auf dem Schönblick. Kern ist Mitglied der EKD-Synode und hat als Evangelist bei Pro-Christ weit über Württemberg hinaus Anerkennung gefunden. Am 19. November 2020 wurde er vom Nominierungsausschuss des Gnadauer Gemeinschaftsverbandes zum Präses nominiert. Eine sehr gute Entscheidung. Kern hat nur einen ganz kleinen Nachteil: Er spricht Schwäbisch. Aber diese nette Mundart müssen wir alle lernen, denn es soll angeblich der Dialekt des Himmels sein.

Kern-Fusion

Ich wünsche Steffen Kern und dem Gnadauer Verband eine Kern-Fusion der ganz besonderen Art. Dazu ein kurzer Blick in die Werkstatt des Schöpfers. Die Sonne ist eine Grundlage allen irdischen Lebens: In dem Zentralgestirn stecken 99,8 Prozent der Masse des gesamten Planetensystems. Der riesige Plasmaball besteht überwiegend aus Wasserstoff. In seinem heißen Inneren brennt ein konstantes Fusionsfeuer. Hier verschmelzen die Wasserstoff-Atomkerne zu Helium. Die bei dieser Kernfusion erzeugten gewaltigen Energien erwärmen und beleuchten auch die Erde. Das ist mein Wunsch für den künftigen Präses des Gnadauer Verbandes, dass Steffen Kern das Feuer der Kern-Fusion als göttliche Energie in unsere Welt und Umwelt trägt. „Was wollte ich lieber, es würde schon brennen.“ (Lukas 12,49)

Kernschmelze

Als Kernschmelze bezeichnet man einen schweren Unfall in einem Kernreaktor, bei dem sich einige oder alle Brennstäbe übermäßig erhitzen und schmelzen. Kern wird sich auf erhitzte Gemüter und heiße Debatten einstellen müssen. Manche Themen wird er behutsam ins Abklingbecken stellen. Möge er sich nicht von Debatten erhitzen lassen, die gerade in Mode sind. Man wird ihn nach seiner politischen Präferenz fragen, man wird ihm das theologisch nie definierte Label „bibeltreu“ verpassen oder auch entziehen wollen. Möge er sich hüten vor denen, die empört fragen: „Wo bleibt der Aufschrei?“ Als Journalist kennt er die Spielarten der Kommunikation. Er wird souverän reagieren, wenn man ihn zu einem Kommentar über einen Pastor drängt, der sich immer mal wieder verbal vergaloppiert. Er muss nicht schreien, um gehört zu werden. Er muss nicht provozieren, um etwas zu bewegen.

Eine Kern-Schmelze kann auftreten, wenn die Reaktorkühlung und die Notkühlung ausfallen. Falls bei einem solchen Unfall auch das Reaktorgefäß zerstört wird, kann hochradioaktives Material unkontrolliert in die Umgebung gelangen und Mensch und Umwelt gefährden – ein Unfall, den man als Super-GAU bezeichnet, also Tschernobyl. Gott beschenke Steffen Kern mit der Fähigkeit, das Spaltpotenzial zu erkennen und zu moderieren, was so viel wie „besänftigen“ bedeutet.

Und zum Schluss denke ich an seinen Vorgänger bei den Apis, Otto Schaude, der wie kein anderer die Innerkirchlichkeit der Gemeinschaftsbewegung nicht nur geredet, sondern gelebt hat. Kern war es gegeben, einen alten Verband in die Neuzeit zu führen. Die Apis haben neue Modelle von „Gemeinschaftsgemeinden“ gegründet, nicht in Abgrenzung zur Landeskirche, sondern zur Bereicherung der Kirche. Würde Otto Schaude noch unter uns sein, er hätte seine Freude an Kerns Wahl zum Gnadauer Präses.

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