Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Viele Jahre leitete der Theologe Jürgen Mette die Stiftung Marburger Medien. Sein Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“ schaffte es 2013 auf die Spiegel-Bestsellerliste. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Seit 2.000 Jahren ist Endzeit

Nachdem Jesus die Erde verlassen hatte, erwarteten die Apostel noch zu ihren Lebzeiten seine Rückkehr. Doch wann Jesus wiederkommen wird, ist Gottes Geheimnis. Statt darüber zu spekulieren, ob Corona seine Wiederkunft einläutet, dürfen wir daher zuversichtlich nach vorn schauen. Eine Kolumne von Jürgen Mette

Was heißt hier Himmelfahrt? Von „fahren“ keine Spur. Eine tiefliegende Wolke hatte Jesus umhüllt und dann war er ganz einfach weg. Beim Vater. Dann tauchen zwei engelhafte Geistwesen auf und fragen die kopflos gewordenen Schüler: Was starrt ihr in die Wolken? Als wollte er sagen: Er wohnt nicht auf Wolke 17 an der Milchstraße. Aber genauso wird er wiederkommen!

Ein schwieriges Fest. Ich habe einmal einen Theologieprofessor nach der Bedeutung des Himmelfahrtstages gefragt. „Ja, das ist ein weites Feld!“, sagte er. Aha! Das sagt der Mähdrescher-Fahrer auch immer, bevor er los legt. Ein weites Feld, so titelte Günter Grass einen seiner Romane.

Es war der letzte Tag seines öffentlichen Wirkens. Jesus hatte die Fragen seiner Schüler nach dem Zeitpunkt der Wiederaufrichtung seines Königreiches ziemlich abgebürstet. Die Burschen hingen immer noch dem Gedanken nach, dass sie nach Kreuzigung und Auferstehung ihres verehrten Rabbis Jeshua in der Königsherrschaft Gottes noch mal richtig Karriere zu machen. Wer sitzt wo und wer hat was zu melden? Eine typische Männerfrage. Der Evangelist Lukas beginnt seine Reportage über die Entwicklung und die rasante Multiplikation der jungen Gemeinde (Apostelgeschichte) mit dieser Episode und zitiert Jesus so – frei übersetzt: „Termine zu kennen, die der Vater in seiner Macht festgelegt hat, geht euch nichts an! Basta!“ Danach kündigte er ihnen den Empfang einer göttlichen Kraft an, griechisch: hagios pneumatos, die heilige Geistkraft Gottes. Eine klare Absage an alle Spekulation, ob jetzt das Ende der Zeit gekommen sei.

Enttäuschte Erwartung: Statt Jesus kam Titus

Jesus war rein physisch nicht mehr auf diesem Planeten, sondern er hat seine Vision und Mission seinen Schülern auferlegt.

Und das ist der Startpunkt der Zeitepoche, in der seine Gemeinde sich sammelt, getröstet und geprüft wird. „Endzeit“ nennen das Menschen, die es hier nicht mehr lange aushalten, und heim ins Vaterhaus wollen. Die „Endzeit“ wurde in der Geschichte nach jeder Krisenphase globalen Ausmaßes zitiert. Jetzt ist Endzeit! Jetzt kommt der Corona-Countdown!

Eigentlich hatte Jesus seine Abschiedsrede an den kleinen treuen Rest gerichtet, um sie auf die erste Verfolgungswelle vorzubereiten. Die ersten Christen lebten in der ständigen Erwartung des wiederkehrenden HERRN. Darum ist die Verschriftlichung der Berichte über Jesus erst 30 Jahre später in Gang gekommen. Bis dahin haben die Christen von der Erinnerung an Jesus gelebt und sie weitererzählt. Sie dachten doch nicht daran, dass 2.000 Jahre später sich im Namen dieses HERRN Milliarden von Christen treffen würden.

Ihre Naherwartung des wiederkommenden HERRN wurde schwer erschüttert, als im Jahr 70 nach Christus statt des ersehnten Messias der römische Feldherr Titus in Jerusalem einmarschierte – und die Stadt platt machte. Also bleiben wir auch in der Phase einer Pandemie nüchtern und doch wachsam, nicht das Thema mit vorschnellen Endzeitspekulationen zu vermischen und zuversichtlich nach vorne blicken.

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