Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Immer höher, immer schneller, immer größer

In dieser Woche brach der größte Schwimmkran der Welt in Rostock bei einem Test in sich zusammen. Der wirtschaftliche Schaden ist immens, der Ruf des Herstellers ramponiert. Für den Liebhaber schwerer Baumaschinen und pro-Kolumnisten Jürgen Mette bleibt die Frage stehen: Wie lange geht das noch gut mit „Immer höher, immer schneller, immer größer“?

Seit meiner Kindheit bin ich ein Fan von schweren Baumaschinen. Ob Bagger, Raupen, Kräne, ich wusste Bescheid. Später, während eines Studienaufenthaltes in Chicago, habe ich Gästen aus der Heimat beim Sightseeing durch Down-Town Chicago immer stolz einige Turmdrehkrane „made in Germany“ gezeigt. Die waren in der Lage, mit dem Bauwerk zu wachsen. Ich bin beruflich viel unterwegs gewesen. Wo immer gerade ein Kran aufgerichtet wurde, hatte ich alle Zeit der Welt, um zuzuschauen. Leider hatte ich bisher keine Gelegenheit, den Einsatz der größten Bagger und Muldenkipper zu erleben, die in Einzelteilen direkt zu den Minen in Kanada und den USA transportiert und zusammengebaut werden.

Seit Windenergieanlagen gebaut werden, boomt der schwäbische Weltmarktführer mit schwerem Gerät. Vor 15 Jahren ist das Unternehmen in die Sparte maritimer Krane eingestiegen, die weltweit in Häfen Container bewegen. In Rostock wurde innerhalb der vergangenen beiden Jahre der höchste Schwimmkran der Welt errichtet. Ein Gigant der Superlative: 5.000 Tonnen Tragkraft und mit 180 Metern höher als das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt.

Super-GAU beim Testlauf

Aber dann begann in diesem Frühjahr eine tragische Pannenserie. Zunächst stürzten zwei riesige Hafenkräne während der Verladung ins Hafenbecken. Am vorigen Wochenende dann der Super-GAU mit dem Prestigeobjekt des renommierten Weltkonzerns. Beim Testhub eines mit Wasser gefüllten 5.500 Tonnen schweren Pontons brach der Haken, an dem das Ungetüm hing, der 150 Meter lange steil stehende Ausleger knallte zurück und krachte in den Turm des Krans. Auch wenn es sich bestätigen sollte, dass der externe Haken-Lieferant verantwortlich für den gigantischen wirtschaftlichen Schaden ist – der Kran war das Vorzeigeobjekt deutscher Ingenieurskunst.

Ich drücke meine Wertschätzung und Solidarität mit den Spezialisten in Rostock aus, die diesen stolzen Giganten jetzt wieder abbauen müssen. Den wirtschaftlichen Schaden wird der Weltmarktführer bei ausgezeichneten Geschäftszahlen bewältigen, ob der Kran nun versichert war, oder nicht. Aber der Imageschaden ist gewaltig, auch das Trauma für die Konstrukteure und Monteure.

Ich bin ja kein Profi, nur ein Amateur (= Liebhaber), aber schließlich wurde die Titanic von Profis gebaut, die Arche Noahs jedoch von Amateuren.

Und manchmal denke ich: Wann werden wir alle wach, dass es mit „immer höher, schneller, größer“ irgendwann vorbei ist? Und dann kommt mir die Geschichte vom Turmbau von Babel in den Sinn.

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