Der Papst ist eine öffentliche Person. Dass er für die Not der Welt betet, wird daher auch öffentlich wahrgenommen.

Der Papst ist eine öffentliche Person. Dass er für die Not der Welt betet, wird daher auch öffentlich wahrgenommen.

Danke, Franziskus!

Papst Franziskus betet seit über einem Monat regelmäßig für die Betroffenen der Corona-Pandemie. Darin ist er ein Vorbild für alle Christen. Ein Kommentar von Jonathan Steinert

In den vielen E-Mails, die täglich das Redaktionspostfach füllen, bin ich in dieser Woche an einer besonders hängengeblieben. Sie kam von der Deutschen Presse-Agentur. Im Betreff: „Papst betet ...“ Das ist an sich keine überraschende Nachricht, schließlich ist es etwas, das man von einem Papst erwarten kann und sollte. Und dennoch ist es bemerkenswert: Papst Franziskus betet und die Medien nehmen es wahr, dass der weltweit wohl bekannteste Christ nicht nur Chef einer klerikalen Institution und eines Kirchenstaates ist, sondern vor allem auch ein geistliches Amt ausübt und mit seiner Fürbitte einen Dienst an den Menschen tut.

Seit mehreren Wochen betet Papst Franziskus in den Frühmessen regelmäßig für die Betroffenen der Corona-Pandemie: für Politiker, für Ärzte, für Medienschaffende, für Menschen, die in der Krise Angst haben, für die Opfer von häuslicher Gewalt, für den Zusammenhalt in Europa. Der Papst bringt die Not der Welt und die Not Einzelner vor Gott. Das ist seine Aufgabe, aber es ist eben auch ein Bekenntnis zum Vertrauen darauf, dass Gott größer ist als jede dieser Nöte und dass er sie wenden oder doch zumindest trösten kann. Gerade in so herausfordernden Krisenzeiten, die Menschen rund um die Welt zum Teil existenziell betreffen, ist das ein wichtiges Signal – so selbstverständlich es aus dem Munde des Papstes auch sein mag.

Die Krise lehrt Demut

Das Gebet bekennt auch: Aus eigener menschlicher Kraft haben wir nur begrenzte Möglichkeiten, der Krise zu begegnen. Deshalb setzen wir unsere Hoffnung auf die Kraft eines anderen. Der Prophet Daniel schrieb: „Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“ (Daniel 9,18). Dahinter steckt eine tiefe Demut. Die Herausforderung am neuartigen Coronavirus ist ja unter anderem, dass auch Wissenschaftler und Mediziner es noch nicht gut genug kennen, um mit Bestimmtheit sagen zu können, wie es sich verhält und was dagegen hilft. Politiker müssen auf unsicherer Basis elementare Güter wie Gesundheit, Wohlstand und Freiheitsrechte abwägen und Entscheidungen treffen, von denen sie nicht sicher sein können, dass sie zum gewünschten Ziel führen – nämlich die Krankheit einzudämmen.

Auch die geplanten Lockerungen sind in gewisser Weise ein Experiment, dessen Ergebnisse erst in zwei Wochen absehbar sein werden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gestand bei der Regierungsbefragung am Mittwoch ein, dass Politiker wie Wissenschaftler im Nachhinein zu der Erkenntnis kommen könnten, dass sie mit ihrem Urteil an der einen oder anderen Stelle falsch gelegen haben und „dass wir miteinander wahrscheinlich viel werden verzeihen müssen in ein paar Monaten“.

Solche Unwägbarkeiten machen es umso deutlicher, welche Bedeutung und Kraft es hat, sich selbst und andere Menschen Gott anvertrauen zu können, dem Schöpfer und Erhalter der Welt. Insofern ist Papst Franziskus hier ein Vorbild, weil er dieses Vertrauen öffentlich vorlebt. Und in noch einem Punkt handelt er beispielhaft: Er betet regelmäßig. Der Apostel Paulus ermutigt die Gemeinde in Rom: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet!“ (Römer 12,12). Was könnte besser auf die jetzige Situation passen? Tun wir es auch!

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