Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Zwei oder drei zusammen im Namen Gottes – und auf Abstand

Gottesdienste sind verboten, Menschen sollen so wenig wie möglich zusammenkommen: der Schutz vor Corona verlangt es. Doch gerade jetzt gilt die Verheißung von Jesus: „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Eine Kolumne von Jürgen Mette

Ich möchte morgens gar nicht mehr die Tageszeitung aufschlagen. Auf jeder Seite Corona. Irgendwo läuft immer ein Radio oder ein Fernsehgerät im Hintergrund und berichtet von dem Virus. Corona treibt die Welt in die Isolation. Ganze Branchen verlieren ihre Zweckbestimmung. Die gesamte Gastronomie, Reise- und Hotelbranche bricht zusammen. Künstler, Schauspieler und Musiker müssen feststellen, dass ihre Kunst gegenwärtig nicht vermittelbar ist und sie darum bald ihre Familien nicht mehr ernähren können. Das öffentliche Leben fällt komplett aus.

Viel schlimmer noch als diese Einsicht, dass wir einem entfesselten Virus ausgeliefert sind, ist die entscheidende Frage: Wie lange soll das noch so weitergehen? Keiner weiß das. Bis Mitte April, so lautet die Parole, an die so recht keiner glauben möchte.

Ich frage mich von Tag zu Tag mehr, ob dieser Ernstfall nicht längst fällig war. Andere bedrohliche Szenarien scheinen uns kalt zu lassen: Nicht der mögliche Zusammenbruch der Energieversorgung, nicht eine weltweite Sabotage der Online-Kommunikation, nicht ein Fahrverbot für alle Fortbewegungsmittel, die ihren Kraftstoff aus fossilen Depots beziehen, nicht ein Hackerangriff auf alle Wasserwerke unseres Landes versetzt uns in Angst und Schrecken. Ein bis dahin unbekanntes aggressives Virus, das auf den so unverdächtigen Namen „Corona“ hört, treibt die Welt in eine nie gekannte wirtschaftliche Katastrophe.

Gott liebt das Kleinteilige

Ich gehöre zur potentiellen Risikogruppe. Mit 68 Jahren ist der Gedanke an ein vorzeitiges Ende nicht mehr lustig. Gerade jetzt, wo Menschen ernüchtert feststellen, dass das endlose Wachstum in allen Bereichen uns keine Orientierung und keine Sicherheit geben kann, und sie darum möglicherweise offen für das Evangelium sind: Gerade jetzt müssten Gottesdienste offen sein für jedermann. Die Kirchen bleiben zwar offen, aber die Gottesdienste bleiben geschlossen. Eine durchaus vernünftige Entscheidung. Einige wackere Hirten lassen ihre Herde dennoch nicht allein. Sie sind da, auch wenn keiner kommt. Selig sind die Beine, die am Altar stehen alleine!

Aber hat nicht Jesus selbst gesagt: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Matthäus 18, 20)?

Ein Lob auf die Kleingruppe, zwei oder drei reichen, denn Gott wird mitten unter ihnen sein. Jede große Gemeinde ist so gut, wie sie von vielen kleinen Zellen getragen wird. In der Kleingruppe passiert Wesentliches: vertrauensvolle seelsorgerliche Gespräche, gemeinsames Bibelstudium und Raum und Zeit für Buße und Bekenntnis. Die Corona-Pandemie führt uns zu der Einsicht, dass Gott das Kleinteilige liebt, die vereinzelte Dreiergruppe, diesen Hausgemeinden-Typ für die Zeit der Pandemie, ursprünglich auch für die Zeit der Verfolgung. Gemeinde Jesu ohne Kirchturm. Eine gute Übung, denn nun müssen wir mit guten Werken, mit Solidarität und Empathie läuten.

Ansonsten wünsche ich uns die konsequente Umsetzung der staatlichen Vorgaben! Wir nehmen den Appell der Bundeskanzlerin ernst: Die Lage ist ernst! Nehmen wir sie auch ernst!

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