Wenn Besuche nicht möglich sind, braucht es andere Formen, um Beziehungen zueinander zu pflegen

Wenn Besuche nicht möglich sind, braucht es andere Formen, um Beziehungen zueinander zu pflegen

Kontakt vermeiden, Beziehungen stärken

In ihrer Rede an die Nation hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, wie wichtig es wegen des Coronavirus sei, dass alle Bürger auf räumlichen Abstand zueinander gehen. In dieser Einschränkung kann die Chance liegen, den Wert von Gemeinschaft und sozialen Beziehungen neu zu entdecken. Ein Kommentar von Jonathan Steinert

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich am Mittwochabend in einer historischen Fernsehansprache an die Bürger des Landes gewandt. Es war ein eindringlicher, emotionaler Appell, die Coronakrise ernstzunehmen und mitzuhelfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Allein dass sich die Kanzlerin via Fernsehen äußerte – was sie außer regelmäßig zum Jahreswechsel noch nie getan hat –, zeigte, wie außerordentlich wichtig ihr das Thema ist.

Außerordentlich sind aber auch die erst wenige Tage zuvor verkündeten Maßnahmen zum Schutz vor dem Virus: Das öffentliche Leben wird derart eingeschränkt, dass es dem Geist unserer freiheitlichen Gesellschaft völlig widerspricht. Es widerspricht unserem wirtschaftlichen System genauso wie ganz grundlegenden menschlichen Bedürfnissen nach Nähe und Gemeinschaft. Deshalb ist es gut, dass Merkel diese politischen Entscheidungen erklärt, Empathie zeigt und betont: Das können und werden nur zeitlich begrenzte Regelungen sein.

Merkel machte unmissverständlich deutlich: Jeder ist gefragt, die Epidemie aufzuhalten – und auf Abstand zu gehen. Nur das sei im Moment „Ausdruck von Fürsorge“. Vor allem heißt das: Soziale Kontakte vermeiden, Englisch: „social distancing“. Dieser Begriff trifft es aber eigentlich nicht richtig. Denn es kann nicht darum gehen, jetzt die Kontakte und Beziehungen zu Familie, Freunden und anderen Menschen zu kappen. Das wäre fatal und gefährlich. Es würde zu – noch mehr – Vereinzelung und Vereinsamung führen. Richtig ist: auf den physischen Kontakt, auf die umittelbare Begegnung zwischen Menschen verzichten. Die soziale, die Beziehungsebene müssen wir umso stärker pflegen. Auch darauf hat die Bundeskanzlerin hingewiesen: Wir dürfen niemanden allein lassen.

Wert von Gemeinschaft neu entdecken

Es bedarf jetzt womöglich größerer Anstrengungen, um Beziehungen aufrecht zu erhalten, weil man sich nicht mehr einfach so irgendwo trifft, weil soziale Rituale ausfallen – im Verein, in der Kirche, im Café, im Büro. Aber vielleicht ist gerade diese Ausnahmesituation auch eine große Chance, den Wert von Beziehungen und Gemeinschaft neu zu entdecken. Der Zukunftsforscher Matthias Horx prognostiziert den Rückblick auf die Krise so: „Wir haben Menschen kennengelernt, die wir sonst nie kennengelernt hätten. Wir haben alte Freunde wieder häufiger kontaktiert, Bindungen verstärkt, die lose und locker geworden waren. Familien, Nachbarn, Freunde sind näher gerückt und haben bisweilen sogar verborgene Konflikte gelöst.“

Jeder hat eine Last mit dem Virus und seinen Folgen zu tragen. Wir können jetzt erleben, dass es die Last erleichtert, wenn wir sie gemeinsam schultern. Die sozialen Medien können jetzt im besten Sinne „sozial“ und eine Hilfe dafür sein. Das Telefon ist längst erfunden. Fenster lassen sich öffnen. Lassen Sie uns im Kontakt bleiben!

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