Das Eingangstor des Konzentrationslagers in Auschwitz. Am 27. Januar vor 75 Jahren hat die Rote Armee das Vernichtungslager befreit

Das Eingangstor des Konzentrationslagers in Auschwitz. Am 27. Januar vor 75 Jahren hat die Rote Armee das Vernichtungslager befreit

Hass begegnen und eindämmen

In dieser Woche hat die Welt den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz begangen. pro-Redakteur Johannes Blöcher-Weil kommentiert, was dieses Ereignis mit einem Kommunalparlament zu tun hat und warum es wichtig ist, solche Gedenktage zu begehen und lebende Zeitzeugen zu befragen.

Am Wochenende erreichte mich die E-Mail eines Mitstreiters in unserem Kommunalparlament. Er schlug vor, zu Beginn unserer Sitzung, die am vergangenen Montag stattfinden sollte, eine Gedenkminute einzulegen. An diesem Tag jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 75. Mal. Zunächst muss ich als Sitzungsleiter stutzen. Hat das etwas mit der Arbeit im Kommunalparlament einer 11.000-Einwohner-Kommune zu tun, in dem wir normalerweise über Bebauungspläne und die Infrastruktur unserer Gemeinde beraten und entscheiden?

Vielleicht nicht auf den ersten Blick. Aber bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass es eine eindeutige Antwort gibt: Ja, hat es. In Auschwitz und seinen Außenlagern wurden über eine Million Menschen während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Die Mehrzahl der Opfer waren Juden.

An dem Tag, als ich die Mail erhielt, schrieb die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung von einer „unerträglichen Rückkehr des Antisemitismus“. Klaus-Dieter Frankenberger führte aus, dass dieser wieder „kokett daher kommt“ und sich „sich mit mörderischem Hass entlädt“. Antisemitische Vorurteile dürften nicht banalisiert werden, weil dies „oft genug nur das Vorspiel zur Hetze und diese wiederum die Vorstufe zur Gewalt“ sei, warnte Frankenberger.

Bedrückend, spannend und lehrreich

Und genau deswegen ist es wichtig, solche Gedenktage wie den am vergangenen Montag zu pflegen und sich daran zu erinnern. Fast noch wichtiger ist es, Zeitzeugen zu fragen und sie erzählen zu lassen, solange sie noch leben. Das kann bedrückend, aber auch spannend und lehrreich sein. Lehrreich ist das vor allem, um eigene Positionen zu hinterfragen und dann Stellung zu beziehen. Ich selbst durfte das bei einem Geschichtsprojekt mit Heimatvertrieben, die nach dem Zweiten Weltkrieg in unser Dorf kamen, erleben.

Unsere Gedenkminute war – vielleicht „nur“ – ein kleines, symbolisches Zeichen. Und doch konnte sie dabei helfen, dieses geschichtliche Ereignis nicht aus dem Blick zu verlieren und zu vergessen. Wir müssen Minderheiten schützen, damit solche Verbrechen nicht mehr passieren können. Und wir dürfen das Geschehene niemals relativieren.

Wir haben die Aufgabe, egal ob innerhalb oder außerhalb der Politik, jeglichem Hass zu begegnen und ihn einzudämmen. Die UN-Vollversammlung hat den 27. Januar zum weltweiten Holocaust-Gedenktag bestimmt. Ich kann jedem nur empfehlen, den Tag zu nutzen, um einmal an einer Veranstaltung, egal, ob Vortrag, Zeitzeugen-Gespräch oder Lesung teilzunehmen. Das erweitert nicht nur den Horizont, sondern hilft auch dabei, den Wert unserer Demokratie zu schätzen und zu schützen: gegen sämtliche extremistische Tendenzen aus allen Richtungen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

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