Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Für pro schreibt er eine regelmäßige Kolumne.

Dieses Jahr schenken wir uns nichts!

Viele Menschen beteuern vor Weihnachten: Dieses Jahr schenken wir uns nichts! pro-Kolumnist Jürgen Mette fragt nach dem Sinn des Schenkens. Das Geschenk aller Geschenke ergibt sich aus dem Weihnachtsevangelium.

Willensbekundung zur Bescherung am Christfest. „Wir haben doch alles!“ Und die Enkelkinder verlieren den Überblick in der Menge der Geschenke. Sie packen aus und legen beiseite, um zur nächsten Runde die Hände frei zu haben. Und dann bedanken sie sich artig mit Küsschen und liebevollen Umarmungen. Ein anrührendes Erlebnis für meine Frau und mich als Großeltern. Wir sind entzückt.

Irgendwann stelle ich fest, dass wir uns als Erwachsene doch nicht an die Abmachung gehalten haben. Ich habe für alle Fälle doch ein Geschenk für meine Frau besorgt. Eben nur eine Kleinigkeit. Und das, wie immer auf die letzte Minute, hastige Pflichtübung zwischen 4.Advent und Heilig Abend.

Übrigens, ich hatte meiner Frau auch zwei Geschenke-Tipps gegeben, eben für den Fall, dass sie mir doch etwas Sichtbares und Handfestes schenken möchte. Ausdruck meiner Bescheidenheit.

Schenken heißt: Ich habe an dich gedacht!

Und wenn alles ausgepackt und beiseite gelegt wurde, dann erzähle ich von unseren Großeltern, die sich über ein paar Bauklötze und Taschentücher gefreut haben. Aber so richtig wohl fühle ich mich nicht dabei, denn meine Enkel werden über ihre Mitschüler mehr geprägt, als es uns lieb ist. Im Klassenvergleich möchte im Blick auf Markenklamotten, Smartphones und Computerspiele keiner armselig dastehen.

Die kurze Distanz, die zwischen Gabe und Gegengabe verstreicht, produziert diese typische Spannung, die sich zur Bescherung einstellt. Das macht den Heiligen Abend so einzigartig. Da gibt es neben ganz reinen Motiven des Schenkens auch Abgründe persönlicher Verletzungen, weil man meint, zu kurz zu kommen. Da wird beleidigt verglichen und kalkuliert, angerechnet und abgerechnet. Schenken als Liebesbeweis oder ein Schlussstrich unter dem nie Ausgesprochenen, Anlass für Scham oder Glück. Schenken ist immer eine Offenbarung: Ich habe an dich gedacht. Passt das Geschenk, zeugt es von Einfühlungsvermögen und Nähe der Schenkenden, anderenfalls von Distanz, vielleicht gar Ignoranz gegenüber den Beschenkten. Insofern ist Schenken auch riskant. Für mich beginnt das Vergnügen schon bei der Verpackung und bei persönlichen Worten, die dem Geschenk beiliegen.

Schenken kann auch ein ziemlich durchschaubarer Versuch sein, die Kinder zum Christfest zu erziehen, nämlich pädagogisch wertvoll: ein Einkaufsladen aus Buchenholz statt Plastikschrott, Geige statt Playstation. Und für mich ein veganes Kochbuch. Ich habe verstanden. Morgen fange ich an, dem „erweiterten“ Spektrum den Kampf anzusagen. Oder vielleicht doch erst am 1. Januar?

Uneigennützige Geschenke – gibt es die?

Schenken ist wie eine Sprache, die es zu beherrschen gilt. Die einen können sie besser und fühlen sich wohl dabei, sich zu zeigen und erkannt zu werden, die anderen wollen unerkannt bleiben.

Wenn der Schenkende neben Dank auch eine Würdigung des Geschenks erwartet, dann wird es ernst: Bekommt mein Geschenk auch einen besonderen Platz in der Wohnung, wird es durchgehend genutzt, wird es liebevoll gepflegt und Anlass zu dauerhafter Freude des Beschenkten führen? Wenn die lieben Kleinen mein Geschenk mit ins Bett nehmen, dann macht mich das glücklich. Wenn ich es spätabends zufällig unter dem Papierhaufen finde, dann befällt mich Weihnachtsschwermut. Der Philosoph Jacques Derrida hat das Dilemma so beschrieben: Ein unschuldiges, reines Geschenk, frei von Verpflichtungen und nicht auf den Eigennutz des Schenkenden gerichtet, ist das Unmögliche schlechthin.

Darum ist die Frage nach dem Sinn des Schenkens „alle Jahre wieder“ nicht nur erlaubt, sondern dringend geboten. Warum beschenken wir uns? Das Geschenk aller Geschenke ergibt sich aus dem Weihnachtsevangelium. Gott beschenkt die Menschheit mit Frieden, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Gnade! Und dieses Geschenk hat einen Namen: Jesus! Mein Schenker!

Von: Jürgen Mette

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