Kolumnist Jürgen Mette beschäftigt sich mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg

Kolumnist Jürgen Mette beschäftigt sich mit der Klimaaktivistin Greta Thunberg

„Wie könnt ihr es wagen?“

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat angesichts der drohenden Klimakatastrophe den zögerlich handelnden Vertretern der Weltgemeinschaft gehörig die Leviten gelesen. Statt einer wütenden Anklage setzt pro-Kolumnist Jürgen Mette lieber auf späte Einsichten.

Ein Teenager belehrt die Welt-Klimakonferenz der Vereinten Nationen (UN) in New York. Nicht mit Lösungen, sondern mit einer zornigen, faktisch begründeten Anklage, im Ton irgendwo zwischen Hybris und Trotz. „How dare you?“ – „Wie könnt ihr es wagen?“

Zerbrechliche Schöpfung

Liedermacher Herbert Grönemeyer hat bereits 1986 mit dem Song „Kinder an die Macht!“ diese neue „Erweckungsbewegung“ prophezeit, so wie Hans Leyendecker, Journalist und Kirchentagspräsident das Phänomen Greta Thunberg und „Friday for Future“ bezeichnet hat. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, möchte Greta Thunberg nicht als „Heilige“ verehrt sehen. Aber er gesteht, dass dieses 16-jährige an Asperger-Autismus leidende Mädchen etwas geschafft hat, was die Kirchen nicht geschafft haben, nämlich ein weltweites Bewusstsein für die Zerbrechlichkeit der Schöpfung zu erwecken.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz zeigte sich über Greta Thunbergs Engagement gerührt und berührt. Er könne aber ihre Bewertung nicht in allen Details bestätigen. Er würde seine Tochter jedenfalls nicht zur UN lassen, sagte der Politiker.

Der Kabarettist Dieter Nuhr würde seiner Tochter die Heizung abdrehen. Und in seiner für ihn typischen Ironie setzt er noch einen drauf: „Wir müssen diese Kritik ernst nehmen. Wir haben eine Welt geschaffen, in der siebeneinhalb Milliarden Menschen bei wachsendem Wohlstand und wachsender Gesundheit immer älter werden. Das ist beschämend.“ Damit hat er in den sozialen Medien einen heftigen Shitstorm ausgelöst.

Warum standen Christen, die den biblischen Schöpfer verehrt haben, nicht an vorderster Front, als es um die Bewahrung der Schöpfung ging? Seit dem der „Club of Rome“, ein aus 30 Nationen besetztes hochkarätiges Wissenschaftsforum, erste düstere Prognosen propagiert hatte, wussten wir alle Bescheid. Seit 1972 sind die „Grenzen des Wachstums“ bekannt. Aber wir waren thematisch meistens woanders, bis heute.

Gnade der späten Einsicht

Gretas anrührende Wutrede in New York endete nicht mit einem Appell, sondern mit diesem bedrückenden Fazit: Wir werden euch nie verzeihen!

Damit wäre aus christlicher Perspektive die Wirkung des leidenschaftlichen und bewundernswerten Einsatzes der kleinen Schwedenfrau in Frage gestellt. Eine Weckbewegung, die nicht verzeihen will, keinen Spielraum für späte Einsichten lässt, keine Gnade kennt, wird das von Menschen verursachte Problem der Klimaerwärmung nicht mit der Anklage „How dare you!“ überwinden. Wie wäre es stattdessen mit „Kyrie eleison“, mit „Herr erbarme dich!“?

Von: Jürgen Mette

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