Kolumnist Jürgen Mette beschäftigt sich mit einem bizarren Fall der amerikanischen Justiz

Kolumnist Jürgen Mette beschäftigt sich mit einem bizarren Fall der amerikanischen Justiz

Was Billy Graham und Mike Pence gemeinsam haben

Ein amerikanischer Polizist fordert in einer Zivilklage Schadenersatz. Er möchte aus religiösen Gründen nicht alleine mit einer Frau Streife fahren. pro-Kolumnist Jürgen Mette hält diesen Ansatz für ehrenwert. Allerdings dürfen aus seiner Sicht die biblischen Argumente nicht vorgeschoben sein.

Der amerikanische Nachrichtendienst Baptist Press berichtete Ende August von einem Polizisten, der gegen seine Entlassung aus dem Polizeidienst geklagt hatte. Es gehe in der Zivilklage um 300.000 US-Dollar Schadenersatz.

Was war passiert? Der ehrenamtliche verheirate Diakon der Southern Baptists und unbescholtene Wachtmeister im Staatsdienst hatte sich die legendäre „Billy-Graham-Regel“ zu eigen gemacht. Er wollte nie mit einer anderen Frau zusammensein als der eigenen. Er begründete seine strikte Verweigerung, mit einer Kollegin zusammen Streife zu fahren, weil ihm dies die Bibel verbieten würde. Einen konkreten biblischen Verweis brachte er jedoch nicht vor.

Riskanten Situationen mit Frauen aus dem Weg gehen, ist in den USA als „Billy-Graham-Regel“ („to not spend time alone with a woman other than his wife“) bekannt. Dem im vergangenen Jahr im Alter von 99 Jahren verstorbenen Evangelist Billy Graham, neben dem Papst wohl der prominenteste Christ der Welt, konnte nie etwas derartiges bewiesen oder unterstellt werden.

Auch der Vizepräsident macht sich die Regel zu eigen

Was sich wie ein überambitioniertes und rigoroses Missverständnis der Bibel anhört, das erweist sich in Zeiten von „me too“ jedoch als Phänomen, das auch schon manch prominenten Christen in den USA von der Kanzel gefegt hat. Bei der Ausbildung wurde uns im Fach Seelsorge geraten, bei Seelsorge-Gesprächen mit Frauen entweder eine weitere verschwiegene Kollegin mit im Raum zu haben, oder wenigstens einen Tisch zwischen Seelsorger und die Ratsuchenden zu stellen.

Wir fanden den Gedanken ziemlich verrückt, mit einem zusammenklappbaren Tisch unterwegs zu sein. Aber heute lacht keiner mehr darüber. Übrigens hat sich auch der amerikanische Vizepräsident Mike Pence die „Billy-Graham-Regel“ als Standard für Personalgespräche zu eigen gemacht.

Die Regel ist gut. Sie gilt auch für Männer mit Seelsorge-Bedarf. Aber die Regel gilt gar nicht für Männer mit Frauenphobie, die sich angeblich in Gefahr begeben, wenn sie mit einer Frau zusammenarbeiten sollen und am Ende noch 300.000 US-Dollar einstreichen. So jedenfalls verkommt Billy Grahams „The Bible says“ zu einer leeren Floskel. Es ist nicht alles „biblisch“, was fromm klingt.

Von: Jürgen Mette

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus