Was bei einer Organspende passiert, wissen die wenigsten Bürger - dennoch sollen sie alle eine mündige Entscheidung dazu treffen

Was bei einer Organspende passiert, wissen die wenigsten Bürger - dennoch sollen sie alle eine mündige Entscheidung dazu treffen

Kaum einer weiß, was Organspende bedeutet

Im Herbst wird der Deutsche Bundestag ein neues Gesetz zur Organspende verabschieden. Zwei ehemalige Gesundheitminister haben nun eine bessere Aufklärung der Bürger gefordert. Die tut tatsächlich Not, denn neutrale und umfassende Informationen zum Thema sind derzeit nur schwer zu haben. Ein Kommentar von Anna Lutz

Die parlamentarische Sommerpause endet so, wie sie begonnen hat: Mit dem Thema Organspende. Noch im Juni diskutierte das Hohe Haus in Erster Lesung über ein neues Gesetz. Eine Abstimmung könnte im Oktober folgen. Während es um Gesundheitsminister Spahn (CDU), der die Debatte seinerzeit anzettelte, noch ruhig ist, traten am Donnerstag zwei seiner Vorgänger ins Scheinwerferlicht. Hermann Gröhe (CDU) und Ulla Schmidt (SPD) kritisierten die Pläne des Ministers zur sogenannten Widerspruchslösung und warben für einen Erhalt des Status quo mit einigen maßgeblichen Verbesserungen. Krankenhäuser sollen besser ausgestattet sein und Patienten regelmäßig nach ihrem Willen zur Organspende gefragt werden. Spahn hingegen will, dass jeder Bürger ab 16 Jahren automatisch zum möglichen Spender wird, wenn er oder seine Angehörigen dem nicht widersprechen.

Gröhe sagte am Donnerstag: Kein Bürger in Deutschland dürfe in Sachen Organspende unter moralischen Druck geraten. Nun ist Gröhe auch Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und Vertreter ebendieser versehen das Thema stetig und gerne mit der moralischen Keule. Die Evangelische Kirche im Rheinland etwa betonte noch 2018: „Eine Organspende ist eine Chance, christliche Nächstenliebe zu leben.“ Die Evangelische Kirche in Deutschland ließ die Welt in einer Erklärung einst wissen: Organspende sei eine Möglichkeit, „über den Tod hinaus sein Leben in Liebe für den Nächsten hinzugeben“.

Mangel an ergebnisoffener Aufklärung zu Organspende

Organspende, das gehört sich so, mag der ein oder andere da denken. Das wiederum gehört sich nicht. Wer seinen Körper für andere gibt, sollte das möglichst unvoreingenommen tun. Schmidt und Gröhe erklärten am Donnerstag, sie wollen die Aufklärung über Organspende in Deutschland verbessern. Das tut Not – nicht nur im christlichen Kontext. Auf Internetseiten, etwa der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, stehen bisher nur knappe Infos darüber, wie eine Spende abläuft. Wer googelt, erfährt kaum etwas von dem, was auch gegen eine Organspende sprechen kann: Dass sie etwa Sterbebegleitung unmöglich macht, weil der Körper von Maschinen am Leben erhalten in den OP gebracht wird und ohne Herzschlag wieder herauskommt. Dass die Angehörigen des Spenders nicht dabei sind, wenn er seinen letzten Atemzug tut. Dass Chirurgen dem Hirntoten vor der Operation nicht selten Betäubungsmittel verabreichen, um nicht das ungute Gefühl zu haben, dass er womöglich doch noch etwas spürt.

Deutschland mangelt es an einer echten und ergebnisoffenen Aufklärung zum Thema Organspende. Das Magazin Stern hat das jüngst in einer beeindruckenden Reportage realisiert. Jeder hat das Recht, alles zu wissen, wenn es um eine Entscheidung geht, die den eigenen Körper und das Leben seiner Angehörigen derart betrifft. Die Zahl der Spendewilligen muss steigen. Aber sie müssen ihre Entscheidung mündig, gut informiert und vor allem freiwillig treffen. Das zu ermöglichen, ist ebenfalls Aufgabe einer neuen gesetzlichen Regelung.

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