Am Dienstag ist der DFB-Präsident Reinhard Grindel zurückgetreten (Archivbild)

Am Dienstag ist der DFB-Präsident Reinhard Grindel zurückgetreten (Archivbild)

Zu Fehlern stehen und um Kraft von Jesus bitten

In vielen Medien wird mit dem zurückgetretenen DFB-Präsidenten Grindel jetzt hart abgerechnet. Das ist angesichts seiner Verfehlungen ein Leichtes. Mich erinnert sein Abgang indes an mein Interview mit ihm und seine Antwort zum Glauben. Ein Kommentar von Michael Müller

Den inzwischen ehemaligen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel habe ich als korrekten Menschen kennengelernt. Diese Aussage mag Sie angesichts der Schlagzeilen um seinen Rücktritt am Dienstag wegen einer geschenkten Uhr von einem ukrainischen Fußballfunktionär irritieren oder gar schockieren.

Aber als er mir im Januar 2018 nach einer CDU-Veranstaltung im Wiesbadener Landtag zum Thema „Ethik im Sport“ in die Hand versprach, dass wir zu diesem Thema ein Interview für das Christliche Medienmagazin pro führen würden, dachte ich nur: „Eher unwahrscheinlich.“ Er hielt sich daran, obwohl der Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine ganze Presseabteilung besitzt, um solche spontanen Versprechungen wieder abzublocken.

Grindel nahm sich beim Interview deutlich mehr Zeit, als angedacht war. Bei den meisten Fragen war er als ehemaliger CDU-Politiker und früherer Journalist ganz in seinem Element. Eine gewisse abwägende Politiker-Sprache, die einen mit der Zeit einlullt, hat er sich auch in der mächtigsten Position des deutschen Fußballs bewahrt. Viele Antworten, etwa zur Fußball-WM in Russland, dem Videobeweis in der Bundesliga oder zu astronomischen Spielergehältern, fielen ihm leicht. Erst als ich ihn zu seinem katholischen Glauben befragte, geriet er ins Stocken.

Über die Frage, welche Bedeutung für ihn Jesus Christus habe, dachte er einen ernsten Moment nach und griff nicht auf Antworten zurück, die er bis aufs letzte Wort schon auswendig konnte. Hier zeigte er sich verletzlich und vorsichtig tastend: „Ich versuche, für mich selbst einen Weg zu finden, durch den manchmal nicht so einfachen Alltag zu kommen, sodass ich am Ende aber sagen kann: Du bist anständig mit dir und deiner Umwelt umgegangen.“

Nicht die Zeit für billige Uhrenwitze

Es wäre gerade jetzt ein Leichtes, auf den am Boden liegenden Mann einzutreten. Oder billige Lacher mit Uhren-Witzen abzuräumen, wie es der ARD-Moderator Matthias Opdenhövel am Dienstagabend beim Pokalspiel FC Augsburg gegen RB Leipzig tat. Grindel hatte es in seinen drei Jahren Amtszeit sicherlich nicht immer leicht. Vom Typ her wirkt er in den Medien wie ein Mensch, bei dem schon kleine Missgeschicke ins Auge stechen. Dazu leistete er sich große Versäumnisse und Fehltritte wie die zu spät geführte Diskussion um den Nationalspieler Mesut Özil im Jahr der vergeigten WM, seine umstrittene Entscheidung den Vertrag mit Bundestrainer Joachim Löw vorzeitig zu verlängern oder auch die nicht offengelegten Nebenverdienste.

Am Ende stürzte Grindel zu Recht über das 6.000 Euro teure Geschenk, weil er damit gegen die Compliance-Regeln des DFB verstößt und die Vorurteile nährt, dass Fußball-Funktionäre alle nur Teil einer großen mafiösen Vereinigung wären.

„Ich bitte ab und an für mich persönlich um Kraft“, sagte Grindel im pro-Interview im Bezug auf Jesus Christus. „Ich hoffe, die Kraft zu bekommen, um die Aufgaben zu erfüllen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.“ Mit dem Rücktritt hat er die richtige Entscheidung getroffen. Und ich wünsche ihm, dass er in dieser Ausnahmesituation auch für seine Familie diese Kraft findet.

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