Bei der RTL-Show „Temptation Island – Versuchung im Paradies“ unterziehen sich vier Paare einem Treuetest. Alle Folgen sind ab dem 6. März exklusiv bei TV Now zu sehen.

Bei der RTL-Show „Temptation Island – Versuchung im Paradies“ unterziehen sich vier Paare einem Treuetest. Alle Folgen sind ab dem 6. März exklusiv bei TV Now zu sehen.

Die neue RTL-Show ist wie ein Verkehrsunfall

RTL hat eine neue Trash-Show. Es geht darum, Beziehungen kaputt zu machen. Das ist mal was anderes als die ewigen Dating-Shows. Doch unmoralischer geht es kaum. Ein Kommentar von Swanhild Zacharias

Eigentlich dachte man, RTL hätte alle Abgründe des Trash-TV durchgespielt. Wir haben uns über stereotype Landwirte auf Brautschau fremdgeschämt und waren peinlich berührt von „Schwiegertochter gesucht“-Kultkandidatin Beate auf Männerfang. Wir haben den Kopf geschüttelt über Singles im Adamskostüm, die auf einer einsamen Insel die Liebe für's Leben suchten und sich zum Affen machten. Doch jetzt hat der Sender tatsächlich eine Stufe menschlichen Voyerismus aufgetan, die noch nicht befriedigt wurde: Paaren dabei zuzusehen, wie ihre Beziehung in die Brüche geht und dabei noch mitzuhelfen. Die Lust am Leiden anderer sozusagen. Und eine Anti-Dating-Show. Mal was anderes.

Das Prinzip der völlig absurden Show „Temptation Island“ ist einfach: Vier Paare werden getrennt voneinander auf eine Insel verfrachtet. Dort warten auf die Männer mehr oder weniger attraktive junge Damen – über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – und auf die Frauen mehrere Sunny-Boys, unter anderem Mister Germany aus dem Jahr 2017. Der Name tut nichts zur Sache, man kennt ihn sowieso nicht. Die Aufgabe der „sexy Singles" (O-Ton RTL): Den Männern ihre Partnerin ausspannen und umgekehrt. Der Privatsender bezeichnet das Format als Treuetest für die Liebe. Ob am Ende das Paar gewonnen hat, das zusammenbleibt oder das, welches sich als erstes trennt, weiß man nicht. Man hofft erstes.

Man könnte erneut den Kopf schütteln und einfach weiterschalten. Dieses Format ist aber so unmoralisch, dass es sich lohnt, kurz inne zu halten. Klar, die vier Teilnehmer-Paare machen das freiwillig. Christina und Salvatore wollen ihre Beziehung wohl wirklich auf Treue testen. RTL tut vorab kund, dass er angeblich anderen Frauen hinterherschaut und heimlich mit ihnen kommuniziert. Im Video sagt er dann auch: „Wir machen mit, um zu gucken, ob wir uns treu bleiben. Das ist ein Abtenteuer. Ist mir scheißegal, was passiert.“ Dass in der Beziehung was im Argen liegt, ist offensichtlich. Die restlichen drei Paare wirken allerdings glücklich und für RTL-Verhältnisse ziemlich vernünftig. Keines hat wirklich Sorge um die Beziehung und man fragt sich eigentlich, warum sie mitmachen. RTL wäre aber wohl nicht der bekannte Privatsender, wenn es da nicht noch die eine oder andere unerwartete Wendung gäbe.

Zuschauer in der Verantwortung

Der Unterschied zu den bereits genannten Trash-Formaten: Das Ziel ist, den Teilnehmern für möglichst viel Entertainment möglichst viel Schaden in Form von zerstörten Beziehungen und Streit zuzufügen. Ein Ergötzen am Leid anderer. Das ist neu. Die verkorksten Bauern und die Nackten am Strand sind peinlich, bei Beate kann man auch kaum hinsehen, aber der gemeine RTL-Zuschauer seufzt zumindest am Ende der Sendung „Hach, wie schön!". „Temptation Island“ ist wie für Gaffer ein Verkehrsunfall: Man findet es schrecklich, aber man muss hinsehen. Und es ist nur interessant, wenn möglichst viel kaputt geht.

Das Traurige ist, dass viele Menschen einschalten werden, denn das Leid anderer übt von jeher Fasziniation aus. Siehe die genannten Gaffer bei Verkehrsunfällen. RTL kann als Privatsender im Gegensatz zu den Öffentlich-Rechtlichen zwar weitestgehend machen, was er will. Mal darüber nachzudenken, was für ein Gesellschaftsbild mit so einer Show transportiert wird, wäre trotzdem empfehlenswert. Und sich als Zuschauer zu überlegen, ob man solchen Schwachsinn fördern möchte, ebenso.

Von: Swanhild Zacharias

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus