Wie viel Attraktivität bedarf es, damit die Kirchenbänke nicht leer bleiben?

Wie viel Attraktivität bedarf es, damit die Kirchenbänke nicht leer bleiben?

Die Kirche ist kein Rummelplatz

Kirchen werden häufig nicht mehr als Gotteshäuser genutzt. Ihre neuen Bestimmungen sind vielfältig und kreativ. In englischen Gotteshäusern können Touristen campen, in Belgien wurde eine Kirche zum Hotel umfunktioniert. Jetzt möchte ein englischer Pfarrer in seiner Kirche eine Jahrmarkt-Rutsche aufstellen. Das muss nicht sein, findet pro-Redakteur Johannes Blöcher-Weil.

Die Kirche muss sich der gesellschaftlichen Realität stellen. Ihr laufen und sterben die Mitglieder weg. Die junge Generation hat viel weniger Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben als ihre Vorfahren. Dieses strukturelle führt zu einem handfesten Problem. Viele kirchliche Prachtbauten werden nicht mehr gebraucht oder erhalten.

Es ist von außen schwer zu beurteilen, ob wirklich das nötige Geld fehlt, um die Kirchensubstanz zu erhalten, oder ob hier einfach andere Schwerpunkte gesetzt werden müssen. Kirchen werden entwidmet und ihrer neuen Bestimmung übergeben. Die Ideen sind vielfältig und kreativ. In England können Touristen in Kirchen campen, für die Bessergestellten sind in vielen europäischen Ländern auch Hotelübernachtungen möglich, andere Kirchen werden zu Cafés. Und für die ganz Tapferen ist zu sagen, dass unter anderem in Hamburg in diesem Jahr eine Kirche in eine Moschee umgewandelt wurde. Die Tatsache an sich ist traurig, aber wahr. Auch als Christliches Medienmagazin haben wir uns 2013 Beispiele angeschaut, wo Kirchen in Restaurants und Cafés verwandelt wurden.

Menschen wieder für das Kernanliegen der Kirche begeistern

Natürlich ist es hart, wenn Kirchen verfallen, weil den Verantwortlichen nichts einfällt, wie sie die Menschen für ihre Kernbotschaft begeistern können. Für mich ist es der falsche Weg, wenn Kirche „auf Teufel komm raus“ – Verzeihung für dieses Wortspiel – nur noch „Events“ veranstaltet. Als solches deute ich die Aktion des englischen Pfarrers Andy Bryant.

Er plant in seiner Kirche im ostenglischen Norwich, eine spiralförmige, zwölf Meter lange Jahrmarktrutsche aufzubauen. Dies meldet die Süddeutsche Zeitung. Demnach soll die die Rutsche die Kirche attraktiver machen und für einen „neuen Blick“ auf die Dinge sorgen, heißt es von Seiten des Bistums. Der Zeitung zufolge sind einige Bürger in Norwich entsetzt darüber. Die Menschen haben auch Angst davor, was noch alles kommen könnte.

Ja, ich bin dafür, dass Kirche, meine Kirche, moderne Wege geht und Ansätze findet, um ihre Botschaft unters Volk zu bringen. Ich möchte aber nicht, dass nur Rummel um des Rummels und der medialen Aufmerksamkeit willen betrieben wird. Ein Kirchenraum kann und sollte ein Raum für eine Auszeit sein. Gerade in der Weihnachtszeit merken wir, wie stressig wir uns das Leben machen, um noch alles rechtzeitig zu schaffen.

Freiräume und Orte der Einkehr bieten

Gerade da tut es gut, Räume zu haben, die nicht einfach nur mit dem Modewort „Event-Charakter“ beschrieben werden können. Lasst uns Räume aushalten, die nicht vollgepackt sind mit Erleben und „Event“. Freiräume tun gut. Kirchen können das bieten und anbieten. Sie sollen Orte der Einkehr und des Innehaltens bleiben.

Ich meine, Kirche muss hier nicht dem Zeitgeist folgen. Ob eine Rutsche im Kirchenraum dafür sorgt, die Besucherzahlen nachhaltig nach oben zu schrauben, wage ich zu bezweifeln. Der Pfarrer in Norwich möchte mit der Aktion einen Blickwechsel erreichen und Menschen dabei helfen, „die Dinge anders zu sehen und Verbindungen mit den Dingen Gottes herzustellen“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ).

Und damit nicht genug: Laut FAZ will Englands Naturhistorisches Museum 2020 im Rahmen einer nationalen Tour einen Stopp in der Kathedrale einlegen. Dann soll ein rekonstruiertes Dinosaurier-Skelett in dem Gotteshaus aufgestellt werden. Ich bin der Meinung, Jahrmarkt-Angebote gibt es außerhalb der Kirchen genug. Kirche gehört auf die Markt- und Rummelplätze der Gesellschaft, aber sie muss sich den Rummelplatz nicht zwangsläufig selbst ins Haus holen.

Von: Johannes Blöcher-Weil

Sie können sich über Disqus, facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse ein. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Um Missbrauch zu vermeiden, werden wir Ihren Kommentar erst nach Prüfung auf unserer Seite freischalten. Wir behalten uns vor, nur sachliche und argumentativ wertvolle Kommentare online zu stellen. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungsbedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus