Der Theologe Jürgen Mette leitete viele Jahre die Stiftung Marburger Medien. 2013 veröffentlichte er das Buch „Alles außer Mikado – Leben trotz Parkinson“, das es auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte.

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Bayern zwischen Kreuz und Kreuzchen

Kreuze lassen sich verordnen, ein Kreuzchen zu machen nicht. Die Wähler und Wählerinnen kreuzen an, was sie wollen. Ich danke Gott für eine funktionierende Demokratie. Insofern bin ich stolz auf mein Heimatland. Eine Kolumne von Jürgen Mette

Dass es Markus Söder bei seiner umstrittenen Kreuzverordnung um ein ehrliches Bekenntnis zum christlichen Glauben ging, das sollte nicht bestritten werden. Dass es im Nebeneffekt auch um das Einbinden von Wählern ging, die sich zum Kreuz oder zum Gekreuzigten bekennen, ist ebenso unumstritten. Aber wem hat diese Kampagne genützt? Der Oberbayrischen Herrgottsschnitzer-Innung. Die politisch durchgesetzte Kreuzpflicht hat dem seit Jahren rückläufigen Devotionalien-Handel zu einem einträglichen Boom verholfen. Der Vorsitzende des Bayrischen Dübel- und Schraubenverbandes Alois Fischer-Hilti berichtet von leergefegten Lagerbeständen. Kleiner Scherz.

Nur der CSU, der letzten Hüterin des C (wie christlich), der hat es nichts genützt. Kreuz und die Kreuzchen haben jedenfalls nicht zusammengefunden. Viele konfessionelle Wähler haben grün angekreuzt – vermutlich aus christlicher Verantwortung, vielleicht auch aus Ärger über das Affentheater der GroKo in Berlin. Die Kreuzverordnung hat offenbar bei den Ankreuzern nicht gegriffen. Mit keinem hastig angedübelten Kreuz ist Bayern christlicher geworden, weder auf den Gipfeln der Berge im weißblauen Wolkenmeer, noch in den Gerichtssälen, Schulen und öffentlichen Gebäuden. Bayern hat sich demokratisch bekreuzigt und das Kreuzchen denen gewidmet, die vertrauenswürdig erscheinen. „Der schwarz-rote Krawall in Berlin hat das Vertrauen der Wähler in die Parteien generell untergraben.

Bitte keine Performance

Steht Bayern vor einem politischen Kurswechsel? Natürlich nicht. Bayern steht wirtschaftlich blendend da. Söder bleibt – obwohl Franke und evangelisch – der Primus im Freistaat. Bayern wirkt in Europa immer noch wie eine Dependance des Vatikans. Wenn München wankt, dann ist die Achse Altötting-Oberammergau immer noch stabil. Bayern bleibt volksreligiös.

Eine Koalition mit den Grünen würde der CSU guttun. Bei uns in Hessen funktioniert das lautlos und produktiv. Eine Partei wie die CSU, die den Schöpfer preist, müsste sich mit einer Partei arrangieren, die es mit der Schöpfung ernst meint. Aber dank der Freien Wähler, die sich gleich am Sonntagabend in geradezu putzig-unbedarfter Weise Markus Söder andienten, wird der CSU diese Chance nicht zuteil. Bayern bleibt Bayern und „mia san mia“. Insofern ist nach dem Beben am Wahlabend kaum mit einem Nachbeben bei der Regierungsbildung zu rechnen. Insofern nichts Neues in Bayern.

Und in Berlin sehen zwei Frauen, die sich nicht nur figürlich immer ähnlicher werden, einer ungewissen Zukunft entgegen. Die eine versprüht trotzig: „Ich schaffe das!“ Die andere verspricht eine bessere „Performance“. Eine Performance ist eine künstlerische Darbietung im Stil eines Happenings. Hallo, ihr beiden Damen, wir erwarten keine Darbietung im Stil eines Happenings. Wir haben so gewählt, weil uns Vertrauen und Zuverlässigkeit wichtig sind.

Die Hessenwahl in einer Woche wird es zeigen. Je unübersichtlicher die Parteienlandschaft wird, umso vitaler lebt die Demokratie. Ich liebe Deutschland. Und ich sehe keinen Grund zur Schadenfreude über den Niedergang der SPD und CDU/CSU. Jetzt ist die Zeit zum „reset“ und zum Neustart.

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