Prostest gegen die AfD beim Katholikentag in Münster

Prostest gegen die AfD beim Katholikentag in Münster

Empört euch, aber mit Anstand!

Hunderte haben beim Katholikentag gegen den Auftritt eines AfD-Politikers demonstriert. Der friedliche Protest gegen politische Fehlentwicklungen darf und muss zu einem Treffen von Christen gehören. Verunglimpfungen und Beleidigungen aber nicht. Ein Kommentar von Anna Lutz

Trillerpfeifen, „Kein Frieden mit der AfD“-Rufe und Plakate mit „Kirche ohne Rassismus“-Aufschrift waren am vergangenen Sonntag vor dem Kongresszentrum in Münster fast genauso häufig vertreten wie die für den 101. Katholikentag typischen blauen Schals. Rund tausend Demonstranten marschierten mit lautstarkem Protestgeschrei und noch lauterer antifaschistischer Musik am Veranstaltungsort vorbei, wo kurze Zeit später AfD-Politiker Volker Münz und Kollegen aus den anderen im Bundestag vertretenen Parteien über Glaube und Politik sprechen sollten.

Aufgerufen hatte dazu ein antifaschistisches Bündnis, das mit Kirche wohl wenig zu tun hat. Doch auch viele Christen zeigten ihre Meinung zu den rechten Positionen der AfD. Bereits im Vorfeld hatte sich der Bund der Deutschen Katholischen Jugend gegen den Auftritt von Volker Münz ausgesprochen, in einer Erklärung stellten sich auch diverse Theologen dagegen. Die Veranstaltung selbst wurde gleich zu Beginn von einigen Störern unterbrochen, die laut rufend zur Bühne marschierten, kurze Zeit später aber aus dem Saal geleitet wurden.

Politik ist Aufgabe der Kirche

Münz, der auch religionspolitischer Sprecher seiner Fraktion im Bundestag ist, erklärte kurze Zeit später auf dem Podium, die Kirche solle sich nicht in die Politik einmischen. Damit hat er selbstverständlich Unrecht. Schon Martin Luther zeigte seinerzeit, dass es die Aufgabe von Christen ist, gegen gesellschaftliche Missstände vorzugehen. Denn immer haben diese für die Gläubigen auch eine theologische Dimension. Das weiß jeder, der die Bergpredigt gelesen hat.

Es ist nichts falsch daran, wenn sich die Kirche oder einzelne Mitglieder gegen rechte Tendenzen in der Gesellschaft stellen. Der Kölner Dom darf bei einem Pegida-Marsch dunkel bleiben, der Berliner Bischof Markus Dröge darf frei und offen äußern, dass er das Engagement bei der AfD für nicht mit christlichen Werten vereinbar hält.

Was aber nicht geschehen darf, ist, dass der Respekt vor dem Gegenüber verlorengeht. Auch ein AfD-Mann muss sich nicht als „Arschloch" beschimpfen lassen, wie in Münster geschehen. „Alternative für Dumme"-Schilder sind kein begründeter politischer Protest, sondern ein populistisches Nicht-Argument. Und es entspricht auch nicht der Würde eines Gottesdienstes, wenn eine Fürbitterin ein Armband mit der Aufschrift „Fuck AfD" trägt.

Sie selbst wird wissen, ob das in der Video-Übertragung des Katholikentags-Abschlussgottesdienstes mit dreißigtausend Teilnehmern sichtbare Statement absichtlich während der Veranstaltung an ihrem Arm verblieb. Vielleicht hat sie schlicht vergessen, es abzunehmen. So oder so: Hier und da wird sie dafür nun in Sozialen Netzwerken gelobt. Zur Einordnung der Aktion hilft aber ein Blick auf andere Armbänder, die Christen gelegentlich tragen. Darauf stehen die Buchstaben WWJD – What would Jesus do, also übersetzt die Frage: Was würde Jesus tun?

Nicht auf AfD-Spiel einlassen

Sie ermahnt seine Nachfolger, sich bei allen Aktionen am Vorbild des Gottessohnes zu orientieren. Also: Würde Jesus ein „Fuck AfD"-Bändchen tragen? Oder einen Politiker der Partei wüst beschimpfen? Wohl kaum. Er würde die direkte Auseinandersetzung suchen, Kritik üben, wie er es bei den Pharisäern tat, und ohne Zweifel auch harte Worte finden. Er würde mit den Geflüchteten und Andersgläubigen trauern, deren Rechte die AfD in teils verfassungsrechtlich fraglicher Weise beschneiden will. Aber stumpf verunglimpfen würde er wohl kaum.

Es ist eine Aufgabe der Kirche, politisch zu sein. Es ist nicht ihre Aufgabe, auszugrenzen. Selbst den politischen Gegner nicht. Denn jeder Mensch trägt eine gottgegebene Würde in sich, das glauben Christen. Das gilt für AfD-Politiker ebenso wie für Linke, für konservative Lebensschützer ebenso wie für linksalternative Tierschützer, für Muslime ebenso wie für Christen. Ausgrenzung ist ein Geschäft, das bisher bestimmte AfD-Politiker betrieben haben: Björn Höcke, Beatrix von Storch, Alexander Gauland. Es steht der Kirche gut an, sich nicht auf deren Spiel einzulassen oder es ihnen gleichzutun. Es gilt auch hier das Argument, mit dem der Katholikentag bereits die Einladung des AfD-Mannes Münz rechtfertigte: Wer die AfD unfair behandelt, bestärkt sie in ihrer Opferrolle, in der sie sich gerne der Öffentlichkeit präsentiert.

Von: Anna Lutz

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