In Essen gibt es Kritik und Randale gegen die Hilfsorganisation „Essener Tafel“ weil diese sich weigerte, weitere Ausländer aufzunehmen

In Essen gibt es Kritik und Randale gegen die Hilfsorganisation „Essener Tafel“ weil diese sich weigerte, weitere Ausländer aufzunehmen

Randale gegen Essener Tafel

In Essen hatte die Tafel einen Aufnahmestopp für Ausländer verkündet. Randalierer haben deswegen Autos der Tafel mit dem Wort „Nazis“ beschmiert – sie hätten besser etwas ganz anderes getan. Ein Kommentar von Johannes Weil

Die gemeinnützige Hilfsorganisation Die Tafel in Essen hat in der vergangenen Wochen für Aufsehen gesorgt. Sie hatte einen Aufnahmestopp für Ausländer verhängt und dies damit begründet, dass ältere Nutzerinnen sowie alleinerziehende Mütter sich von den vielen fremdsprachigen jungen Männern in der Warteschlange abgeschreckt fühlten. Die Ausländerquote unter den Kunden der Tafel habe zeitweise 75 Prozent betragen.

Allein die Tatsache, dass Deutschland Einrichtungen wie die Tafeln braucht, muss uns nachdenklich stimmen. 930 Tafeln bundesweit sind ein Armutszeugnis, weil Menschen dort ihr nötigstes Hab und Gut per Bezugsschein erwerben müssen. Viele Notleidende möchten nicht öffentlich zeigen müssen, dass sie auf eine solche Hilfe angewiesen sind.

Die vorübergehende Entscheidung der Essener Tafel hat viel Kritik ausgelöst – unter anderem von der geschäftsführenden Familienministerin Katarina Barley (SPD). Den Schritt der Tafel in Essen kann man sicher aus zweierlei Perspektiven betrachten. Einerseits sollte dort jeder das bekommen, was ihm zum Überleben hilft. Andererseits wäre es ein Frevel, wenn Menschen dort keine Hilfe bekommen, weil sie Angst haben, in der Warteschlange zu stehen.

Ein Urteil über die Entscheidung der Essener steht mir nicht zu. Unglaublich sind aber die Reaktionen einiger weniger Randalierer auf diesen Schritt. Sie hatten das Gebäude der Essener Tafel mit Sprüchen wie „Fuck Nazis“ beschmiert. Die Polizei vermutet einen Zusammenhang mit dem einstweiligen Aufnahmestopp. Zudem wurden Autos mit Graffitis besprüht. Das Eigentum derer zu beschädigen, die sich gegen Armut zur Wehr setzen und helfen wollen, ist schäbig.

Was Politiker und Randalierer besser täten

Beim Nachdenken über die Aktion kommt mir das Jesus-Wort aus der Bergpredigt in den Sinn: „Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ Warum muss die Reaktion auf einen unverständlichen Schritt in Gewalt ausarten? Vielleicht hätten die Randalierer auch völlig anders reagieren und sich als mögliche Helfer anbieten können.

So hätten sie einen für sie nicht nachvollziehbaren Schritt positiv umgemünzt. Sie hätten dafür sorgen können, dass mehr Menschen in den Genuss des Angebots der Tafel kommen, und sie hätten vorleben können, wie das Zusammenleben von Kulturen gelingt. Und sie hätten sich vor Ort informieren können, warum der Schritt für den Verein der Tafel so gemacht werden musste.

Der 61-jährige Vereinsvorsitzende Jörg Sartor fand gegenüber der Bild-Zeitung am Montag deutliche Worte zu der Kritik, die auf ihn einprasselt. „Jetzt haut ein Haufen von Politikern auf uns ein, ohne sich zu informieren. Die sollen sich mal herbewegen und vor Ort mitarbeiten – danach können sie sich gerne äußern.“ Vielleicht ein möglicher Ansatzpunkt – für Politiker, für Randalierer und für jeden Einzelnen.

Von: Johannes Weil

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