Katjes wirbt für seine gelatinefreien Produkte mit dem Bild einer jungen Muslimin. Das erregt viele Gemüter.

Katjes wirbt für seine gelatinefreien Produkte mit dem Bild einer jungen Muslimin. Das erregt viele Gemüter.

Katjes – Wider die Verbitterung des christlichen Abendlandes

Der Süßwarenhersteller Katjes wird in den Sozialen Medien angefeindet, weil das Unternehmen für ein vegetarisches Produkt mit einer Muslimin wirbt. Das ist bitter. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Der Süßwarenhersteller Katjes mit Sitz in Emmerich setzt bei der Herstellung seiner Produkte neben der Qualität auch auf die Werte Nachhaltigkeit, Umwelt und Familie. Prima. Das Unternehmen hat sich zudem dafür entschieden, seine süßen „Euro Münzen", „Fred Ferkel", lakritzigen „Katzen Pfötchen" und milchigen „Yoghurt Gums" ohne tierische Gelatine herzustellen. Auch gut. An den Lakritzen und wabbeligen Fruchtgummis haben sich schon immer die Geschmacks-Geister geschieden. Weiß man. Neu ist, dass sich an der Marke und den Produkten auch die Gemüter der Netzgemeinde erhitzen.

Grund ist eine Werbung der Firma, mit der sie darauf hinweist, dass in den Produkten keine tierische Gelatine verwendet wird. Dazu lässt sie in einem von drei neuen Werbespots eine mit pinkem Kopftuch bekleidete, gutaussehende junge Frau unter dem Slogan „jes – Alles Veggie" und dem Hashtag #achtemaldrauf verführerisch von einer Süßigkeit naschen.

Der Hashtag hat offensichtlich seine Wirkung nicht verfehlt, denn prompt nach Veröffentlichung des Spots im Internet hat er die Aufmerksamkeit der Hobbyempörer und Verschwörungstheoretiker auf sich gezogen. Die wittern in der Darstellung der Frau mit Kopftuch eine schleichende Islamisierung des Landes durch islamfreundliche Werbung. Wie bitte? Das Unternehmen muss sich nun auf Facebook fragen lassen, ob ein „arabischer Clan“ das Unternehmen gekauft habe, und man nicht wisse, dass „mit dieser Werbung erkämpfte Errungenschaften wie Gleichberechtigung“ mit Füßen getreten werde. Ein Kommentator schreibt auf Facebook: „Die Maximalverdummung schreitet voran. Währenddessen kämpfen Frauen im Iran dafür, dieses Unterdrückungssymbol ablegen zu dürfen."

Am Mittwoch hatte das Werbevideo auf der Facebookseite des Unternehmens bereits mehr als 200.000 Aufrufe und eine Flut von Kommentaren jeglicher Couleur sowie Zustimmungs- und Ablehnungsbekundungen, sogenannte „Likes".

Zielgruppenmarketing: skandalös oder alltäglich?

Dass Unternehmen in der Bildsprache ihrer Werbung versuchen, für sie relevante Zielgruppen zu adressieren, liegt in der Natur der Sache. Für Muslime, übrigens auch für Juden, spielen die Reinheit und Zusammensetzung von Nahrungs- und Genussmitteln eine wichtige Rolle. Gelatine wird bei der Herstellung verschiedener Süßigkeiten als Geliermittel verwendet und industriell vorwiegend aus Schweineschwarten, den Häuten geschlachteter Tiere, hergestellt. In den jüdischen wie in den muslimischen Speisegesetzen gehören Schweine zu den „verbotenen Tieren" und dürfen nicht verzehrt werden. Gleiches gilt für alle Produkte, die deren Bestandteile enthalten.

Auf Facebook erklärt das Unternehmen: „Die Zielgruppe von Katjes ist vielfältig. Die drei Gesichter der Kampagne stehen jede für sich für die junge, fröhliche, natürliche und etwas freche Seite der Marke. Mit der Kampagne sprechen wir insbesondere junge Frauen an, die Spaß am Leben haben und sich dabei bewusster ernähren. Dazu zählen auch junge Musliminnen, bei denen der Verzicht auf tierische Gelatine eine bedeutende Rolle spielt – ob sie ein Kopftuch tragen oder nicht. Wir zeigen somit in der Kampagne unsere Zielgruppe.“

Jedoch, die Firma verzerrt mit ihrer Werbung in unangemessener Form die Wirklichkeit. Lakritze und Weichgummies werden neben Musliminnen und anderen schlanken, gutaussehenden jungen Damen eben auch von dreitagebärtigen Männern mittleren Alters verzehrt. Diese Gruppe der Konsumenten findet sich im aktuellen Spot nicht. Derlei Werbung ist diskriminierend gegenüber Männern und ihrem jahrhundertelangen Kampf für freien Zugang zu den Süßigkeitsvorräten im eigenen Haus. Darüber regt sich bei Facebook jedoch keine noch so empfindsame Seele auf, was zur Verbitterung des christlichen Abendlandes aufgrund mangelnder Süßigkeiten in der männlichen Lebenswirklichkeit führt.

Von: Norbert Schäfer

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