Waffenverbotsschild an einem Schnellrestaurant in Phoenix (Arizona, USA)

Waffenverbotsschild an einem Schnellrestaurant in Phoenix (Arizona, USA)

Gewalt ist kein Weg für Christen!

Zum konservativen amerikanischen Selbstverständnis gehört das Tragen von Waffen. Nun soll Pastoren der Umgang mit Schusswaffen vermittelt werden, um in Notsituationen reagieren zu können. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Im südöstlichen Teil der USA ist die Überschneidung konservativer politischer Grundeinstellung mit den Überzeugungen evangelikal geprägter Protestanten markant. Damit verbunden ist auch das Recht auf den Besitz und das Tragen von Schusswaffen, das durch den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten den Bürgern der USA erlaubt ist. Auch viele Christen in den USA besitzen Waffen. Nach Anschlägen auf Kirchengemeinden ist die Verunsicherung unter den Gläubigen groß. Die Kirchen überlegen, wie sie in Notsituationen reagieren sollen.

Nun will die amerikanische „First Bible Apostolics“-Pfingstkirche einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom Montag zufolge für ihre Pastoren ein Schießtraining in Indianapolis anbieten. Den Geistlichen soll darin beigebracht werden, wie sie bei bewaffneten Angriffen auf ihre Kirchen reagieren können. Wohlgemerkt: Ein Schießtraining für Pastoren. Hintergrund ist ein Massaker in einer Baptistenkirche in Texas Anfang November. Dabei hatte ein Attentäter 26 Besucher eines Gottesdienstes in Sutherland mit einer halbautomatischen Waffe getötet. Die Angst vor Anschlägen und gewalttätigen Übergriffen auf Kirchen sitzt seitdem tief. „Wir wissen nicht, was noch alles passieren wird“, erklärte der Organisator der kirchlichen Schießübung, Pastor Ben Smith. Soll man sich über die Fortbildungsmöglichkeit skurriler Natur in den USA wirklich wundern?

Nein, denn es kommt noch besser. Denn offenbar haben sich die Marketingstrategen des christlichen Actionfilms „The Reliant” zur Weihnachtszeit einen richtigen Kracher überlegt. Als Hauptpreis eines Gewinnspiels zum Film winkt dem Gewinner nach Angaben des Branchen-Online-Magazins Filmstart ein AR-15-Maschinengewehr. Das Sturmgewehr der Firma Colt ist besser bekannt unter der landläufigen Bezeichnung „M16“. Drehbuchautor und Produzent J.P. Johnston ist dem Bericht zufolge gläubiger Christ. Er möchte mit dem Hauptpreis den „verantwortungsbewussten Waffenbesitz” fördern. Die Verlosung soll demnach auch am Heiligen Abend stattfinden. Ob das wirklich ein Knaller wird?

In Deutschland ist Privatpersonen der Besitz vollautomatischer Waffen verboten. Das ist gut so. Der Besitz oder Handel mit Kriegswaffen wird hierzulande schwer bestraft. Es drohen Freiheitsstrafen bis zu 10 Jahren. Der Besitz von Schusswaffen ist hierzulande streng reglementiert. Für Amerikaner ist das allein schon wegen des Verfassungszusatzes unverständlich. Kenner der amerikanischen Geschichte, der Gerichtsbarkeit des Landes und der Volksseele darin mögen daher das Ansinnen der Pfingstkirche und des Filmproduzenten besser verstehen. Aber sind die Ideen auch evangeliumsgemäß? Diese Frage sollten sich die Organisatoren des Schießtrainings und der Initiator der Verlosung einmal stellen.

Der Blick in die Bibel hilft

Hilfestellung zum Finden der richtigen Antwort könnte ein Blick ins Johannesevangelium liefern. Demnach trug Petrus, einer der engsten Begleiter Jesu, eine Waffe bei sich. Und Jesus hatte offenbar nichts dagegen, sonst hätten der Jünger sein Schwert höchstwahrscheinlich schon Wochen vorher wegschmeißen müssen. Ist das nicht spannend? Der streitbare Fischer hatte seinen Herrn verteidigen wollen und einem Kriegsknecht ein Ohr abgeschlagen. Letztlich ermahnt Jesus seinen Jünger Petrus, das Schwert wieder in die Scheide zu stecken.

Gläubige aller Religionen vor Gewalt und Übergriffen anderer Religionen, vor Attentaten Wahnsinniger oder Verwirrter zu schützen, ist allein Aufgabe des Staates. Dazu darf er sich auch der äußersten Mittel seines Gewaltmonopols bedienen: der Anwendung von Gewalt durch Schusswaffengebrauch, der auch den Tod eines Menschen bedingen kann. Für Christen, besonders für Pastoren und Gemeindeverantwortliche, sollte die Anwendung von Gewalt, auch im Angesicht von Terror und Bedrohung, keinen gangbaren Weg darstellen. Im Kontext von Kirche und Gemeinde bleiben als ultima ratio Gewaltlosigkeit und Liebe. Dies gilt nicht nur für die gerade viel besungene „friedvolle“ Weihnachtszeit, die wohl zu keinem Zeitpunkt der Menschheitsgeschichte tatsächlich friedlich war, sondern für alle Tage.

Von: Norbert Schäfer

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