Die Moderatoren der Elefantenrunde am Sonntagabend, Rainald Becker und Peter Frey (v.l.), mussten sich harte Kritik von CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann anhören

Die Moderatoren der Elefantenrunde am Sonntagabend, Rainald Becker und Peter Frey (v.l.), mussten sich harte Kritik von CSU-Spitzenkandidat Joachim Herrmann anhören

Medien sind nicht schuld an AfD-Erfolg

Politiker aller Lager haben den öffentlich-rechtlichen Sendern vorgeworfen, sie trügen eine Mitschuld am Erstarken der AfD. Sie haben die Aufgabe des Journalismus nicht verstanden. Ein Kommentar von Anna Lutz

Nach der Wahl waren sie sich alle einig: Katarina Barley von der SPD, Joachim Herrmann von der CSU oder auch Hans-Christian Ströbele von den Grünen mögen beim Thema Zuwanderung oder Familienpolitik unterschiedliche Ansichten haben - wenn es aber darum geht, einen Schuldigen für das Erstarken der AfD zu finden, dann ist für sie die Sache klar. Die Medien waren es. Genauer, die Öffentlich-Rechtlichen, die die Gaulands und Weidels dieser Welt in ihre Talkshows setzten, sie zum Thema Flüchtlingspolitik sprechen ließen und sie nicht, wie es sich für echte Demokraten gehört, ignorierten.

Vielleicht sind es die enttäuschten Wahlkampfträume, die Politiker im Nachklang dazu bringen, in solch einer Manier den Medien die vielen AfD-Wähler in die Schuhe zu schieben. Herrmann erklärte, die Öffentlich-Rechtlichen hätten „dazu beigetragen, nicht die AfD klein zu machen, sondern groß zu machen". Das wörtliche Zitat mag ihm im Eifer des Gefechts in der Berliner Elefantenrunde etwas verrutscht sein. Daraus abzulesen ist dennoch, dass der CSU-Mann eigentlich erwartet hätte, dass die Medien die AfD etwas vehementer ignorieren. Barley erklärte, die AfD sei beim Thema Flüchtlinge zu oft zu Wort gekommen.

Diese Kritik setzt die Idee voraus, Journalismus habe einen Erziehungsauftrag gegenüber dem Bürger. Die Guten sollen gehört werden, die Schlechten bitte nicht zu oft. Dabei funktionieren Qualitätsmedien gänzlich anders. Die Wahrheit abzubilden ist deren vorrangiges Ziel. Ob diese gut oder schlecht ist, muss dabei zweitrangig sein. Die Alternative für Deutschland, so sehr man sie auch missbilligen mag, war das mit Abstand Spannendste an diesem Wahlkampf. Journalisten müssen freilich nicht jede krude Populistenthese vermelden. Wenn eine Partei aber erstmalig in den Bundestag einzuziehen scheint, dann gehören deren Vertreter in Talkshows gesetzt und deren Wahlprogramm analysiert. Kritisch, das versteht sich. Aber dass Journalisten mit der AfD nicht kritisch umgegangen wären, behauptet niemand.

Als die Pegida-Demonstrationen 2015 ihre stärksten Teilnehmerzahlen verzeichneten, waren ebenfalls schnell die Medien als Mitschuldige ausgemacht. Immer wieder war der Presse damals vorgeworfen worden, sie habe die Bewegung mit starken Schnittmengen zur AfD groß gemacht, indem sie ihre Sympathisanten nicht richtig ernst genommen, sie pauschal als Nazis verunglimpft und die Anliegen dieses Teils der Deutschen nicht angehört habe. Herrmann, Ströbele und Barley müssen sich heute fragen: Ist, was damals falsch war, heute plötzlich richtig? Wahr ist: Wer es im Wahlkampf nicht schafft, eigene Akzente zu setzen, der überlässt denen mit der größten Klappe das Feld. Schuld am Erstarken der AfD ist vor allem die schwache Strategie der großen Parteien. Sie sollten mit sich selbst ins Gericht gehen, bevor sie die Verantwortung bei anderen suchen. (pro)

Von: al

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