Wer putzt? Diese Frage kann im britischen Werbefernsehen zum Streitpunkt werden.

Wer putzt? Diese Frage kann im britischen Werbefernsehen zum Streitpunkt werden.

Politisch korrekte Familien im Werbefernsehen

Schaden „stereotype Geschlechterrollen“ in der Werbung der Gesellschaft? Ja, wenn man der britischen Werbeaufsicht glaubt. Ein Kommentar von Moritz Breckner

Bricht im Haushalt Chaos aus, darf die Ehefrau und Mutter ihrer Familie künftig nicht mehr als einzige hinterherputzen. Das ist eine der Regeln, die in Großbritannien für die Handlung von Werbespots gelten sollen. Die britische Freiwillige Selbstkontrolle der Werbewirtschaft (ASA) erarbeitet neue Richtlinien, um zu verhindern, dass in der Werbung „stereotype Geschlechterrollen“ vermittelt werden.

Nach wie vor soll es erlaubt sein, eine Frau beim Saubermachen zu zeigen, nicht aber in einer Situation, in der sie als einzige diese Aufgabe übernehmen kann, berichtet die BBC. Auch einen Mann, der am Haus etwas repariert, lassen die Kontrolleure noch durchgehen. Schwierig wird es hingegen, wenn die dargestellten Verhaltensweisen „veraltete und stereotype Perspektiven auf Geschlechterrollen“ hätten. Die ASA befürchtet, dass solche Werbespots den Blick verengen, mit dem Menschen sich selbst und andere beurteilen. Die BBC nennt als Beispiel einen Spot für Babynahrung, bei dem Mädchen zu Ballerinas und Jungen zu Ingenieuren heranwachsen.

Klischees sind nicht illegal

Nun gibt es Vorgaben der ASA, die durchaus sinnvoll erscheinen. Beispielsweise ist Werbung untersagt, die Frauen übertrieben sexualisiert, auch wurde eine Kampagne verboten, in der eine sehr dünne Frau Diätmittel anpreist – zu groß schien die Gefahr, dass damit Magersucht Vorschub geleistet wird. Die neuen Regeln für die Darstellung von Geschlechterrollen schießen hingegen über das Ziel hinaus.

Kommt ein Hersteller von Spülmittel auf die erschreckend unkreative Idee, einen verzweifelten Mann beim erfolglosen Gläserspülen zu zeigen, bis ihm endlich seine Frau erklärt, wie und mit welchem Spülmittel es am besten geht, bedient er damit Klischees. Das ist aber nicht verboten, und es gibt keinen Grund, im Namen der politischen Korrektheit einzugreifen.

Vielleicht ist der Spülmittel-Hersteller ja von sich aus originell, und vertauscht die beiden Rollen – der Mann hilft seiner Frau, die Gläser sauberzukriegen. Obwohl: Das wäre ja dann „mansplaining“, zu deutsch „herrklären“, also Männer belehren Frauen. Diesem Phänomen, das von Feministinnen in den Sozialen Medien bereits zum nächsten großen Problem erkoren wurde, könnte sich die Werbe-Aufsicht ja dann als nächstes annehmen. (pro)

Von: mb

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