Frauen konnten in der römischen Antike keine öffentlichen Aufgaben übernehmen. In der biblischen Ostergeschichte sind sie die ersten und wichtigsten Zeugen der Auferstehung Jesu.

Frauen konnten in der römischen Antike keine öffentlichen Aufgaben übernehmen. In der biblischen Ostergeschichte sind sie die ersten und wichtigsten Zeugen der Auferstehung Jesu.

Revolutionär: Zwei Frauen sind die ersten Zeugen

Es war die Eilmeldung der orientalischen Antike: Jesus ist auferstanden. Warum hat Gott diese wichtigste Botschaft zwei Frauen anvertraut? Von Christoph Irion

Vor knapp 2.000 Jahren verbreitet sich von Jerusalem aus diese Nachricht: „Der Herr ist auferstanden“ – Jesus von Nazareth, der Sohn Gottes, wurde zu Unrecht verurteilt. Am Kreuz von Golgatha starb er einen qualvollen Tod. Doch am dritten Tag ist dieser Jesus von den Toten auferstanden.

In dieser „Breaking News“, quasi einer Eilmeldung aus der orientalischen Antike, geht es um neues Leben, um Erlösung, Heilung und Hoffnung für die Menschen und um die Versöhnung mit Gott. Der Tod, die Trennung des Menschen von Gott – sie sind überwunden. Und Jesus, der Sohn Gottes, er lebt. So lautet die zentrale Nachricht des Ostermorgens. Und zu denen, die ihm nachfolgen, sagt Jesus: Ihr sollt auch leben! (Joh. 14,19).

Ungeheuerliche Nachricht, die viele nicht glauben konnten

Der Sohn Gottes ist von den Toten auferstanden: Dies ist wohl die überraschendste Nachricht der Weltgeschichte. Und nach Überzeugung der Christen: Es ist auch die wichtigste Nachricht, die je verkündet wurde. Und sie bleibt aktuell. Allerdings, zugegeben: Diese Nachricht, sie ist so ungeheuerlich, so unglaublich, dass viele sie einfach nicht glauben können.

Theologen haben diese Geschichte vielfach durchleuchtet, kritisch hinterfragt, durchdrungen und gedeutet. Journalisten jedoch suchen immer auch nach der Geschichte hinter der Geschichte. Und die kann man tatsächlich im Ostergeschehen entdecken. Die kurze Schilderung im Matthäusevangelium (Kap. 28, 1-10) enthält eine bemerkenswerte, eine fast zeitlose, eine brisante gesellschaftspolitische Botschaft.

Erste Zeugen sind zwei Frauen

Die gibt es in keiner anderen Religion, nur im Christentum: Wem eigentlich wird diese „Breaking News“, diese Nachricht, die in der Weltgeschichte beispiellos ist, anvertraut? Wer sind die ersten Zeugen? Wer sind die ersten – quasi von Gott selbst – autorisierten Berichterstatter?

Es sind nicht die von der staatlichen Besatzungsmacht offiziell abgeordneten Soldaten. Es sind auch nicht die Jünger, die besten Freunde und vertrautesten Vertrauten von Jesus. Oder die religiösen Würdenträger, die an hohen, offiziellen Feiertagen gern in der ersten Reihe sitzen - und auch von Amts wegen immer eine wichtige Rolle spielen. Die Überbringer dieser „Breaking News“ von Ostern sind auch keine Profi-Reporter, die für so einen Job ausgebildet wären.

Sondern es sind – man könnte abfällig sagen – zwei dahergelaufene Frauen. Es sind zwei Frauen, die Jesus lieb hatten und ihm über den Tod hinaus treu geblieben waren. Maria Magdalena und eine weitere Maria aus dem Freundeskreis Jesu sind die Erst-Überbringer der aus Sicht des Christentums wichtigsten Nachricht für die Menschheit.

Stellung der Frau im alten Rom

Aus Sicht der Zeitgenossen war das ein Skandal! Der Bericht des Evangelisten, der diese Aussagen trifft, muss für Leser in der Antike brisant geklungen haben. Nicht nur wegen der unerhörten Botschaft: Jesus ist auferstanden. Sondern auch wegen der Rolle, die hier die Frauen spielen.

Die Stellung einer Frau im alten Rom war stark abhängig vom sozialen Rang ihrer Familie. Frauen aus angesehenen Patrizierfamilien genossen durchaus öffentliches Ansehen. Sie konnten sich als Person recht frei entfalten. Sklavinnen und Unfreie waren völlig rechtlos. Aber nach römischem Recht durften selbst höhergestellte Frauen niemals Vormund sein, noch Bürge, noch politische oder öffentliche Ämter ausüben.

Maria aus Magdala und die andere Maria sind keine höhergestellten Frauen. Sie stammen nicht nur aus der Provinz, sondern auch noch aus einem unterdrückten Volk, aus dem besetzten Landstrich Galiläa. Aber nach dem Bericht des Matthäus kommen sie völlig unverhofft in den Genuss eines beispiellosen, göttlichen Privilegs.

Warum hat Gott die wichtigste Botschaft Frauen anvertraut?

Erstens: Gott hat es gefallen, dass Maria und Maria die allererste menschliche Begegnung mit dem auferstandenen Jesus erleben. Sie berühren ihn sogar. Zweitens: Gottes Bote, der strahlende Engel am geöffneten Grab, bestätigt sie als Zeugen. Und drittens: Er beauftragt sie, diese wichtige Nachricht schnell weiterzusagen.

Für alle Zeit wird ihr Name genannt werden, wenn die Botschaft des auferstandenen Jesus weitererzählt wird. Warum hat Gott diese wichtigste Oster-Botschaft Frauen anvertraut? Man darf spekulieren: Spielt es eine Rolle, dass Frauen empathischer sind als Männer?

Sind sie zuverlässiger und treuer, gerade dann, wenn es ernst wird? Und: Machen starke Männer gerade dann schlapp, sind sie feige und laufen weg, wenn Pläne scheitern? Resignieren Männer eher, wenn sich ihr Machtanspruch nicht durchsetzen lässt? Das sind Klischees. Aber an vielen Klischees klebt auch Wahrheit.

Gott interessiert nicht die Herkunft

Fest steht jedenfalls: Maria und Maria hatten Jesus lieb, sie waren fürsorglich und treu – auch als Jesus in den Augen aller als gescheitert gelten musste. Und noch etwas steht fest: Wenn Gott einen sehr wichtigen Auftrag hat, wenn er Menschen Vertrauen entgegenbringt, dann macht Gott dies nicht abhängig von Ämtern, Bildung, Herkunft, Beziehungen, Rechtsstatus, Geschlecht, Macht, Mehrheit oder Einfluss.

Maria Magdalena und die andere Maria als Kronzeuginnen des Auferstehungs-Geschehens – das ist eine geradezu revolutionäre Botschaft des Christentums. Und sie ist wirklich modern. (pro)

Der Artikel ist der Osterpredigt vom 16. April 2017 in der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Wetzlar entnommen.

Von: iri

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