Gewissensentscheidung für Christen: Beide Kandidaten bei der österreichischen Präsidentenwahl hatten ihre Schwächen
Gewissensentscheidung für Christen: Beide Kandidaten bei der österreichischen Präsidentenwahl hatten ihre Schwächen

Österreich-Wahl: Gewissensentscheidung für Christen

Am Sonntag wurde Alexander van der Bellen in Österreich zum neuen Bundespräsidenten gewählt. Für Christen war die Wahl eine schwierige Gewissensentscheidung. Ein Kommentar von Raffael Reithofer

Anfang Dezember denken viele Österreicher an die nahenden Weihnachtsfeiertage, Geschenke für die Lieben und eine Zeit der Besinnung. Doch das war in der ersten Adventwoche in diesem Jahr noch schwieriger, als es in unserer hektischen Gesellschaft ohnehin schon ist. Denn es war Wahlkampfzeit im Endstadium – wieder einmal.

Denn unerwartete Schwierigkeiten von verschiedenen Seiten haben den Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt in Österreich zum längsten seit Bestehen der Republik gemacht. Die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss hat das Rennen um das höchste Amt im Staat mit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur im Dezember des vergangenen Jahres eingeläutet. Im Laufe dieses Jahres gab es zwei reguläre Wahlgänge und eine erfolgreiche Wahlanfechtung durch die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), die zu einem dritten Wahltermin geführt hat. Dieser musste allerdings wegen eines fehlerhaften Klebers an den Stimmzetteln erneut verschoben werden – eben auf vergangenen Sonntag. Manche haben auch darüber gewitzelt, dass das offizielle Wahlergebnis nun am Krampustag verkündet wurde – dem Festtag einer teufelsähnlichen Schauergestalt, die in Österreich traditionell den Heiligen Nikolaus begleitet. Doch neben humorvollen Kommentaren mussten sich die Österreicher in den vergangenen Monaten auch viele beleidigende Äußerungen anhören: Teilweise von den Kandidaten selbst, vor allem aber aus dem Kreis ihrer Unterstützer.

Breite Allianz für Van der Bellen

Letztendlich hat das Ergebnis am Sonntag die meisten Kommentatoren überrascht. Nach einem „arschknappen“ (Zitat Alexander van der Bellen) Ergebnis bei der Stichwahl konnte sich Van der Bellen dieses Mal mit einem deutlichen Vorsprung gegen seinen Kontrahenten Norbert Hofer von der FPÖ behaupten. Geholfen hat dem offiziell unabhängigen Kandidaten der Grünen dabei eine breite Unterstützung aus Bereichen der Gesellschaft, die unterschiedlicher nicht sein können. Unternehmer haben sich ebenso für Van der Bellen ausgesprochen wie Gewerkschafter, manche Kirchenvertreter ebenso wie Kommunisten.

Interessant ist auch, dass sich einerseits um 30 Prozent mehr Auslandsösterreicher für die Wahl registriert haben als bei vergangenen Wahlen, und dass andererseits die meisten Van-der-Bellen-Wähler ihren Kandidaten hauptsächlich um des Ansehens Österreichs in der Welt willen gewählt haben, wie aus Wahltagsbefragungen hervorgeht. Das legt nahe, dass sich viele Auslandsösterreicher für den EU-freundlichen Van der Bellen und gegen Norbert Hofer ausgesprochen haben, der sich nicht davor scheut, nationalistische Töne anzuschlagen. Gegen Norbert Hofer zu stimmen, war übrigens allgemein eines der Hauptwahlmotive für Wähler Van der Bellens.

Gewissensentscheidung für Christen

Für Christen war die Wahl am zweiten Adventsonntag eine persönliche Gewissensentscheidung. Alexander van der Bellen glaubt zwar nicht in Gott, fühlt sich aber nach eigenen Angaben der Bergpredigt verpflichtet und möchte sich für Solidarität und Nächstenliebe in der Gesellschaft einsetzen. Allerdings steht Van der Bellen als Grünen-Politiker in mehreren gesellschaftspolitischen Fragen wie etwa beim Thema Abtreibung für eine Haltung, die von vielen Christen abgelehnt wird. Norbert Hofer hingegen betet nach eigenen Angaben jeden Tag, steht gesellschaftspolitisch für eine wertkonservative Haltung und plakatierte im Wahlkampf sogar Gott – was manche Christen aber eher für Stimmungsmache hielten. Allerdings steht Hofer als FPÖ-Politiker für eine Politik der Ausgrenzung gegenüber Minderheiten, was ebenfalls nicht christlich ist. Wie viele andere Österreicher auch, mussten sich gläubige Wähler also für das – ihrer persönlichen Einschätzung nach – kleinere Übel entscheiden.

Durch den schmutzigen Wahlkampf haben sich in Österreich zwischen den Hofer- und Van-der-Bellen-Wählern viele Gräben aufgetan. Es ist ein Weihnachtswunsch, dass die nun endlich aufkommende Weihnachtsstimmung zu neuen, versöhnlichen Tönen zwischen beiden Lagern beiträgt – gerade unter Gläubigen. Denn eigentlich denken wir im Advent nicht an die Ankunft eines Bundespräsidenten, egal aus welcher Partei, sondern an die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, der Versöhnung möglich macht. (pro)

Kandidat der Grünen wird Österreichs Bundespräsident (pro)

Von: rr

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