Unter dem Namen „godspot“ sollen in rund 220 Kirchen in Berlin und Brandenburg kostenlose WLAN-Hotspots installiert werden
Unter dem Namen „godspot“ sollen in rund 220 Kirchen in Berlin und Brandenburg kostenlose WLAN-Hotspots installiert werden

WLAN in der Kirche: Blick ganz nach oben richten

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hat beschlossen, in ihren Gotteshäusern kostenlose WLAN-Hotspots zu installieren. Das Ansinnen ist löblich, allerdings sollte Kirche Menschen auch aus ihrer Smartphoneversenkung „herausrufen“. Ein Kommentar von Norbert Schäfer

Smartphones haben sich in unserer Gesellschaft zu einem sehr wesentlichen Kommunikationsmittel entwickelt und helfen, die Gier nach Neuem zu befriedigen. Der Abhängigkeit vom allgegenwärtigen Internet trägt nun auch die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) Rechnung.

Die Kirchenleitung hat beschlossen, unter dem Namen „godspot“ in rund 220 Kirchen in Berlin und Brandenburg kostenlose WLAN-Hotspots zu installieren. Dann kann jedermann beispielsweise in der Nähe der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin-Mitte oder der Evangelischen Kirche im brandenburgischen Meyenburg kostenlos das Internet benutzen. 3.000 Kirchen und kirchliche Gebäude sollen mit dem „godspot“ ausgestattet werden. Die Kirche wird so zum WLAN-Hotspot.

Die Idee ist nett, aber ist sie auch gut? Gerade unter jungen Menschen ist die Frage „Gibt es da kostenlos WLAN?“ wichtig und kann darüber entscheiden, ob Oma und Opa im Altenheim besucht werden oder ein Café sich zum Treffpunkt mit Freunden eignet. In diesem Sinne gewinnt Kirche durch den kostenlosen Service an Attraktivität. Das ist gut. Ob dadurch aber mehr Menschen den Weg in die Kirche finden? Es bliebe zu wünschen.

Störsender einbauen

Beim Warten auf die S-Bahn oder den Bus, im Schnellrestaurant oder in der Bespre- chung – der Blick der „Generation Kopf unten“ geht auf das Smartphone. 2015 wurde „Smombie“ zum Jugendwort des Jahres in Deutschland gewählt. Das Kofferwort aus den beiden Begriffen Smartphone und Zombie beschreibt eben diese Menschen, die wegen des permanenten Blicks auf ihr Smartphone ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen. Sollte Kirche (lateinisch „ecclesia“ für die „Herausgerufene“) in diesem Sinne nicht vielmehr Menschen „herausrufen“ aus ihrer Smartphoneversenkung, den Nichtigkeiten von Instant-Messenger-Diensten und Selbstoffenbarungen via Facebook und Twitter?

Liebe EKBO – bitte installiert Störsender an Euren wunderschönen Gotteshäusern, die ganze Bezirke vom Internet abschneiden, damit Menschen wieder einmal aufschauen, ihren Blick nach oben, zur Seite, zum Mitmenschen richten.

Ich nutze das Handy viel und gern. Das persönliche Gespräch unter Freunden, das Gemeinschaftsgefühl eines Gottesdienstes oder das nette Gespräch in der U-Bahn vermag jedoch keine Smartphone-App zu liefern. Liebe Leser, lösen Sie Ihren Blick vom Smartphone und richten Sie Ihren Blick nach oben. Nach ganz oben! (pro)

Von: nob

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