7:1 gegen Brasilien – die deutschen Fans konnten ihr Glück kaum fassen (Symbolbild)
7:1 gegen Brasilien – die deutschen Fans konnten ihr Glück kaum fassen (Symbolbild)

Triumph und Tragödie

Tore am Fließband, ein großer Sieg, der verdiente Einzug ins Endspiel: Das 7:1 der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM gegen Gastgeber Brasilien ist viel mehr als ein glanzvoll gewonnenes Halbfinale. Ein Kommentar von Christoph Irion

Mit ihrem fulminanten und denkwürdigen Auftritt am 8. Juli 2014 hat die deutsche Elf im Estádio Mineirão von Belo Horizonte Fußballgeschichte geschrieben. Ein Spiel, an das sich nicht nur die Fachwelt noch lange erinnern wird. Zwar hat Brasilien schon einmal eine traumatische Niederlage einstecken müssen, als die Seleção (Top-Auswahl) ebenfalls zu Hause das WM-Endspiel 1950 gegen Uruguay verlor – doch das ist 64 Jahre her. Am Dienstagabend hat das Team von Bundestrainer Joachim Löw jetzt ausgerechnet dem fünffachen Weltmeister die schlimmste Niederlage zugefügt, die je ein WM-Gastgeber einstecken musste. Nie zuvor hat ein Team in einem WM-Halbfinale derart viele Tore erzielt. Und mit vier Treffern innerhalb von sechs Minuten hat Deutschland gegen Brasilien ebenfalls einen neuen Rekord aufgestellt.

Was für ein Triumph für unsere Mannschaft um Lahm, Klose, Schweinsteiger, Müller und Özil! Und was für eine Tragödie für die Fußballnation Nummer 1, Brasilien! Die Fußballwelt steht Kopf. Und die Medien im Land am Zuckerhut sprechen von einem „historischen Debakel“, einer beispiellosen „Demütigung“, von „Folter“ und einer einzigen „Schande“ für das ganze Volk. In der Regel fangen die Objektive der Kameras am Ende eines derart wichtigen Spieles die jubelnden Matchwinner ein, während die Besiegten kaum beachtet und mit gesenktem Blick die Arena verlassen. Diesmal gab es andere Bilder. Die ganze Welt hat die Tränen der Brasilianer live im Fernsehen gesehen.

Fair: Deutsche Spieler trösten Verlierer

Und die Deutschen, die hochverdient erstmals nach 2002 wieder ein WM-Finale erreicht hatten, sah man nicht so sehr in Siegerpose. Minutenlang sah man Lahm, Neuer und Schweinsteiger, wie sie den Arm um ihre Gegenspieler legten und ihnen tröstende Worte zusprachen. Das ist nicht nur professionelles Fairplay. Triumph und Tragödie, Arm in Arm, das ist kein Kitsch, sondern es ist eine sehr schöne Geste der Menschlichkeit. Und es ist eine gelebte Ethik, die letztlich auf den allmächtigen, aber liebenden Gott zurückzuführen ist, wie ihn die Bibel beschreibt. „Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bin bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind“, schrieb schon vor 2.700 Jahren der Prophet Jesaja (Kapitel 57) über diesen Gott: „Ich will den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen“ erneuern.

Am kommenden Sonntag geht nun Deutschland, das den Rekord-Weltmeister deklassiert hat, als hoher Favorit ins Endspiel. Jubel, großes Selbstbewusstsein und Vorfreude sind legitim und auch wichtig, wenn man diesen Titel holen will. Aber Thomas Müller und andere tun recht daran, wenn sie sagen: „Wir müssen auf dem Boden bleiben. Wir dürfen jetzt nicht abheben.“ Wenn es bei der schönsten Nebensache der Welt um alles geht, dann liegen Gewinn und Scheitern, Sieg und Niederlage, Glück und Tragik dicht beieinander. Diese deutsche Mannschaft hätte den ersehnten Titel in diesem Jahr wirklich verdient. (pro)

Von: iri

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