Eine Online-Kampagne soll auf die Vielfalt von Beziehungen und Lebensentwürfen aufmerksam machen
Eine Online-Kampagne soll auf die Vielfalt von Beziehungen und Lebensentwürfen aufmerksam machen

Evangelische Online-Kampagne zur Beziehungsvielfalt

Mit einer Webseite und einer Videobotschaft machen die Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD) und die Männerarbeit der EKD (MAEKD) Werbung für die Vielfalt von Liebes- und Lebensbeziehungen. pro-Redakteur Norbert Schäfer bittet Befürworter und Kritiker um gegenseitigen Respekt - trotz Vielfalt von Meinungen. | Ein Kommentar

Die Aktion mit dem Namen „Eine Tür ist genug“ ist am 25. Februar als online-Kampagne unter der Internetadresse eine-tuer.de gestartet und soll nach Angaben der Initiatoren „gelebte Vielfalt von Liebes- und Lebensbeziehungen ins Gespräch“ bringen. In einer Pressemeldung erläuterte die EFiD-Vorsitzende Ilse Falk das Ziel der Aktion: „Wir möchten dazu beitragen, dass die Menschen in unserer Kirche die heute gelebte Beziehungsvielfalt wertschätzen und das gute Potenzial, das darin steckt, erkennen lernen“. Worin das „gute Potenzial“ solcher Beziehungsvielfalt, vor allem für die Kirche, liegt, und wie man es erkennt, wenn es denn vorhanden ist, erklärte Falk nicht.

Der theologische Vorsitzende der Männerarbeit, Pfarrer Gerd Kiefer, sagt: „Menschen leben heute in lebenslangen Partnerschaften, sie leben in Patchwork- Gemeinschaften, als Singles, in gleichgeschlechtlichen Beziehungen und als Inter- und Transsexuelle. Sie alle leben in der Zuwendung Gottes“. Mit seiner Beobachtung über die Facetten menschlichen Zusammenlebens in unserer pluralistischen Gesellschaft dürfte Kiefer auch bei den meist als „konservativ“ zugeschriebenen Christen durchaus auf breite Zustimmung stoßen. Die normative Kraft des Faktischen eben. Seine Einschätzung, „alle leben unter der Zuwendung Gottes“, wird aus dieser Gruppe von Christen hingegen nur mit wenig Zustimmung rechnen dürfen. Zumindest dann, wenn Kiefer damit nicht nur sagen will, dass Gott sich allen Menschen mit ihren Fehlern, Schwächen aber auch Lebensformen zuwendet, sondern eben diese gutheißt. Warum sollte man dem auch zustimmen? Den Interpretationsspielraum für derlei Aussagen aus der Sicht der Bibel stufen „konservative“ Christen als sehr begrenzt ein.

Beim Betrachen des einleitenden Video-Spots, der zu 90 Prozent Begebenheiten in, um und vor einer Toilette inszeniert und mit den Symbolen für männliches und weibliches Geschlecht spielt, kann schon mal der Gedanke aufkommen: „Scheißhausparole“. Entschuldigung für dieses derbe Wort, das Wikipedia definiert als „umgangssprachlich abwertend bezeichnete Gerüchte, die zumeist irreführend oder falsch sind“. Es erschließt sich einem nicht, warum die Initiatoren für ihre Werbung um die Vielfalt von Beziehungen und Lebensentwürfen, also über sexuelle Vielfalt, ausgerechnet den Ort wählen, an dem Menschen in unserem Kulturkreis es gewohnt sind, ihre Exkremente zu entsorgen.

Wo wirbt der Spot für die traditionelle Familie, die traditionelle Ehe? Spielt die für die evangelischen Frauen und Männer keine Rolle mehr? Hier propagieren Menschen eine Kampagne nebst einem Etikett, von denen fraglich erscheint, ob es wirklich Konsens innerhalb der Landeskirche ist. Stoff für Auseinandersetzungen und Diskussion gibt es also genug. Wie viel Zündstoff in der Debatte liegt, haben die Diskussionen rund um die Orientierungshilfe „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken“ gezeigt, in der sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für sexuelle Vielfalt und deren Ausgestaltung in unterschiedliche Lebensformen positioniert hat und somit von dem als „normativ“ und „traditionell“ bezeichneten Modell der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, mehr oder weniger klammheimlich, abgerückt ist.

Nun bleibt die Hoffnung, dass sich Befürworter und Gegner der zugrundeliegenden Absicht im Forum der Webseite dieses Mal konstruktiv und respektvoll austauschen.

Von: nob

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