Die Flagge der Homosexuellen ist bunt - die Medienberichterstattung zum Thema weitgehend schwarz-weiß
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Homosexualität: Medienkonsens gegen Andersdenkende

Ein prominenter Fußballer outet sich als schwul. Gleichzeitig unterzeichnen mehr als 100.000 Bürger eine Petition gegen die positive Darstellung von Homosexualität im Schulunterricht. Die Medien ergreifen in beiden Fällen Partei – und versuchen so, einen Konsens herzustellen, den es in unserer Gesellschaft nicht gibt. Ein Kommentar von Moritz Breckner

Das Coming-out von Ex-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger war sensationell, revolutionär, wichtig, und vor allen Dingen mutig. So lautete der einheitliche Tenor in Radio, Fernsehen und Zeitungen in den vergangenen Tagen. Lediglich die Frankfurter Allgemeine Zeitung und das Magazin Cicero wagten vorsichtig andere Töne. Wer in der „Rocky Horror Hitzlsperger Show“ nicht mittanze, der gelte als „ein Spielverderber, den ein homophobes Virus daran hindert“, schrieb Jasper von Altenbockum in der FAZ. Und Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke stellte schlicht fest: „Sie ist mir egal, diese Orientierung. Es interessiert mich nicht, ob Herr Hitzlsperger mit Männern oder mit Frauen schläft.“

Auch der zweite Aufreger der Woche betrifft das Thema Homosexualität. Die grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg will „sexuelle Vielfalt“ im Lehrplan an Schulen verankern. Dagegen haben in seltener Einigkeit nicht nur mehrere Kirchen protestiert, sondern auch die Bürger. Über 100.000 Menschen (Stand von Sonntagmorgen) unterzeichneten die Online-Petition eines Lehrers mit dem provokanten Titel: „Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“. Auch in diesem Fall war das Medienecho eindeutig. Spiegel Online beispielsweise bezeichnet den Initiator der Petition als „Hetzer“, der für seine „abstrusen Argumente“ „erschreckenden Zuspruch“ erhalte. Als Kommentar kennzeichnet Spiegel Online diesen Text nicht, er erscheint als normale Nachrichtenmeldung. Der SWR hat inzwischen einen Text von seiner Homepage entfernt, in dem evangelisch-freikirchliche Kritiker des Bildungsplans in die Nähe von Rechtsextremisten gerückt wurden. Von Bild-Zeitung bis heute-journal hatten die Berichte eine eindeutige Schlagseite.

Haben Andersdenkende noch einen Platz in unserer Gesellschaft?

Die Parteinahme der Journalisten ist auf mehrerlei Weise problematisch. Zunächst ist nicht ersichtlich, warum so viele Redakteure ihre persönliche Meinung in die Berichterstattung einfließen lassen, und damit journalistische Standards verletzen. Viele der Meldungen und Interviews scheinen nicht der objektiven Information, sondern einer politischen Agenda zu dienen. Die Meinung eines Journalisten gehört in einen Kommentar – so auch vielfach geschehen. Bei den Kommentaren wiederum scheint die Meinungsvielfalt in deutschen Redaktionsstuben nicht besonders ausgeprägt zu sein – schade. Die oben erwähnten Beispiele aus FAZ und Cicero bleiben vorsichtige Ausnahmen.

Am problematischsten wirken die medialen Reaktionen jedoch in ihrer Summe, die einen alles erdrückenden Konsens erzeugt, in dem kein Platz für Andersdenkende bleibt. Regelrecht in Dauerschleife wurden die Bürger in den vergangenen Tagen mit der Botschaft der Gleichwertigkeit unterschiedlichster Lebensentwürfe und verschiedener sexueller Vorlieben berieselt. Damit wird signalisiert: Wer eine von der gewünschten Norm abweichende ethische Bewertung von Homosexualität vertritt, so wie dies viele der über 100.000 Petitions-Unterzeichner vermutlich tun, steht in Deutschland im Abseits. Menschen, die zu dieser Gruppe gehören – seien sie gläubige Christen, Muslime oder einfach nur skeptisch gegenüber dem Zeitgeist – werden sich daher die Frage stellen: Bin ich in unserer eigentlich so pluralistischen Gesellschaft noch erwünscht?

Wenn Menschen sich aufgrund ihrer (Glaubens-)Überzeugung diese Frage stellen müssen, besteht Grund zur Besorgnis. (pro)

Von: Moritz Breckner

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