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„Können Sie mir sagen, wo ich hin will?“

Eine verwirrende mediale Reise während einer Bahnfahrt durch das verschneite Sauerland im Advent. Ein Gastkommentar von Wolfram Heidenreich

Ich blättere im aktuellen Magazin der Bahn, DB-mobil. Dort entdecke ich auf der ersten Innenseite eine ganzseitige Anzeige mit einem Bild, das einen Blick durch ein Fenster in eine großbürgerliche Wohnung mit geschmücktem Tannenbaum zeigt. Darauf die Headline: „Nach Hause kommen“. Unten ein QR-Code und die Zeile: „Weihnachten mit www.katholisch.de“. Ich bin neugierig: Was will katholisch.de dem Bahn-Fahrer damit zu Weihnachten sagen? Die Seite im Bahnmagazin kostet immerhin über 20.000 Euro.

Mit meinem Smartphone scanne ich erwartungsvoll den QR-Code ein. Mich begrüßt nun folgende Botschaft: „Mehr Transparenz im Vatikan?“. Ich bin auf dem Internetportal der katholischen Kirche gelandet. Das kann doch noch nicht alles gewesen sein, denke ich.

Ich suche weiter und hoffe auf Transparenz im Blick auf die Botschaft der Anzeige. Unter den ganzen News-Meldungen auf der Webseite entdecke ich schließlich das Foto von dem weihnachtlich erleuchteten Fenster wieder. Ein Adventskalender wird dort angekündigt. Ich klicke darauf und wieder erscheint ein Bild. Diesmal von einem Schneemann und ... eine neue Botschaft: „Können Sie mir sagen, wo ich hin will?“ – ein Zitat von Karl Valentin.

Nun bin ich vollends verwirrt nach meiner Reise durch die Medien. Was für eine vertane Chance, denke ich. „Nach Hause kommen“ ist doch ein so schönes Sehnsuchtsbild. Das verstehen wir alle, gerade wenn man mit der Bahn unterwegs ist. Zum Weihnachtsfest kommen ganz viele Menschen „nach Hause“, besuchen ihr Elternhaus und ihre Familien. So gut hätte man mit Hilfe dieses Bildes über die Bedeutung von Advent und Weihnachten sprechen können. Wenigstens hätte ich erwartet, dass zu einem der vielen Advents- und Weihnachtsgottesdienste eingeladen würde, in denen gefeiert wird, dass Gott der Vater sich uns zuwendet. Dass er seinen Sohn als Menschenkind auf die Welt schickt und damit alles dafür tut, dass wir wieder zu ihm nach Hause kommen können.

Der Zug hält an, ich bin am Zielbahnhof angekommen und werde dort abgeholt. Wie gut, dass ich wusste, wo ich hin will und dort erwartet werde.

Ich hoffe, dass die Leser der Anzeige im DB-Mobil-Magazin im eigentlichen Sinn „nach Hause finden“ im Advent.Wolfram Heidenreich, Vorstandsmitglied im Christlichen Medienverbund KEP und Geschäftsführer in der Agentur „Gute Botschafter“, die Kommunikationsbotschaften für Auftraggeber aus den Kirchen und der Wirtschaft entwickelt.

Von: pro

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