Zur politischen Kultur des Landes gehört der Rückgriff auf eine Bandbreite von Traditionen - nicht ausschließlich auf die Bibel, wie die Partei Bibeltreuer Christen es fordert

Gott soll Deutschland regieren! Wirklich?

Die Partei Bibeltreuer Christen tritt mit einem Wahlprogramm auf, das in vielen Punkten Aufmerksamkeit verdient. Mit ihrem fundamentalistischen Grundsatz verwirkt sie sich jedoch jedes politische Mitspracherecht. Ein Kommentar von Daniel Frick

Gott soll Deutschland regieren! Diesen Wunsch hegt die Partei Bibeltreuer Christen (PBC). Und ist das nicht ein Traum aller Menschen, die sich in diesem Lande als Christen bekennen? „Wo Gott nicht mehr regiert, da regiert jemand anderes“, skandieren Wahlkämpfer der PBC in Fußgängerzonen und sagen damit implizit: „Jemand anderes“ kann nur böse sein und Deutschland schaden. Gott muss Deutschland regieren!

Entsprechend ist dem Grundsatzprogramm der PBC eine Ausschließlichkeitsklausel eingeschrieben: „Richtschnur ihrer Entscheidungen ist ausschließlich die Heilige Schrift und die daraus abgeleiteten Menschenrechte.“ Als ersten Punkt der „Friedens- und Verteidigungspolitik“ würde die Partei in aller Welt Bibeln verteilen. Auch ein biblisches Programm für Europa hat die Partei, nennt dabei aber nicht, an welcher Stelle sich das Wort Gottes gegen eine „europäische Einheitsregierung mit Aushöhlung der nationalen Souveränität“ wendet.

Fundamentalistischer Grundsatz

Problematischer als der Versuch, aus der Bibel unmittelbar politisches Handeln abzuleiten, ist das Verlangen, alle Bürger des Landes zu Gott zu bekehren. Problematisch daran ist, dass die PBC dies nicht als Kirche, sondern als politische Partei beabsichtigt, die als solche auf die Macht und Mittel eines ganzen Staates aus ist. „Gottes ewig gültiges Wort zur Richtschnur nicht nur für das private Leben der Bürger, sondern auch für die Politik unseres Landes werden zu lassen“, nimmt sich die Partei vor. „Der Gott der Bibel soll der Gott Deutschlands werden.“

Mit diesem Grundsatz ruft die PBC auf rhetorischer Ebene den Gottesstaat aus. Deutschland soll zum Reich Gottes werden. Und dies ist weder christlich noch bibeltreu, sondern fundamentalistisch. Die Bibel spricht davon, dass das Reich Gottes eben noch nicht vollständig da ist, sondern erst einen Anfang genommen hat. Gott ist nicht hier und jetzt, sondern erst im Himmelreich, auf das Christen hoffen, „alles in allem“, heißt es in einem Brief des Paulus.

Viele Quellen des Zusammenlebens

Die PBC rechnet nicht mit diesem eschatologischen Vorbehalt, wie es Theologen nennen. Sie rechnet auch nicht mit der Freiheit und Eigenständigkeit, die Gott dem Menschen verliehen hat. Nicht überall, wo Gott nicht herrscht, ist Böses die Folge. Die Bürger Deutschlands profitieren von Gesetzen, die auch ohne Bibel in der Hand zustande gekommen sind.

Viele Programmpunkte der PBC sind unterstützenswert, wie der Schutz des ungeborenen Lebens oder der Schutz der Ehe von Mann und Frau sowie der Familie. Mit ihrer ausschließlichen Berufung auf die Bibel verwirkt sie sich aber politisches Mitspracherecht, denn dies entspricht nicht der politischen Kultur dieses Landes.

Christen sollten sich für eine Partei einsetzen, die die Freiheit ihrer Bürger, auch und gerade die Religionsfreiheit, wahrt. Sie sollten die Partei wählen, von der sie glauben, dass sie die besten Rahmenbedingungen für das Zusammenleben in unserem Land setzt – ohne gleich den Himmel auf die Erde holen zu wollen. Denn auf dieser Grundlage können Christen in der Gesellschaft auf das Reich Gottes hin wirken. (pro)

Von: df

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